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17.06.2019

18:39

Für Berater zahlte der Autobauer 1,77 Milliarden Euro. AP

VW

Für Berater zahlte der Autobauer 1,77 Milliarden Euro.

Die Aufarbeitung des Dieselskandals kostet den Volkswagen-Konzern viel Geld. Allein für externe Berater zahlte der Autobauer bisher 1,77 Milliarden Euro. Wohl nie zuvor musste ein deutscher Industriekonzern so hohe Ausgaben für ein Wirtschaftsvergehen stemmen. Der Löwenanteil davon entfällt auf Rechtsberater. Wie hoch die Endabrechnung aussieht, hängt von VW ab.

Zwar waren einige Ausgaben kaum zu vermeiden, etwa in den USA. Mit den dortigen Sammelklagen verdienen Klägerkanzleien enorm viel. Der Autobauer muss sich trotzdem die Frage gefallen lassen, ob alles Geld für die Anwälte gut investiert war und ob die juristische Strategie unter dem Strich sinnvoll ist.

VW ist bekannt für ein striktes Kostenregime, etwa wenn es darum geht, die Preise der Zulieferer zu drücken oder die Marge von Händlern gering zu halten. In der Dieselaffäre ist von dieser Ausgabendisziplin nicht viel zu sehen.

Beispiel Strafverfahren: Obwohl der Konzern offiziell immer betonte, „vollumfänglich“ mit den Staatsanwaltschaften zu kooperieren, setzte er alles daran, die Preisgabe interner Ermittlungsunterlagen zu verhindern. Bis nach Karlsruhe schickte man die hochbezahlten Spezialisten – ohne Erfolg.

Der Konfrontationskurs trieb außerdem Bußgelder und Vermögensabschöpfungen in die Höhe: Zusammen zahlten VW, Audi und Porsche 2,35 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Bosch, von Insidern für die gute Kooperation gelobt, kam mit 90 Millionen Euro davon.

Schwieriger gestaltet sich die Abwehr von Schadensersatzansprüchen sowohl von Verbraucher- als auch von Aktionärsseite. VW engagierte Topkanzleien, deren Partner kaum unter 500 Euro pro Stunde zu haben sind. Das ändert jedoch nichts daran, dass Richter immer häufiger von „sittenwidriger Schädigung“ und „arglistiger Täuschung“ sprechen. Mit der Strategie, alle Ansprüche kategorisch zurückzuweisen, verliert VW weiter Geld – und das Vertrauen seiner Kunden.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

18.06.2019, 12:40 Uhr

Sehr geehrter Herr Votsmeier,

ich sehe noch ganz andere Risiken. Wichtigstes Thema ist aus meiner Sicht das Tempo der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte. Elektroautos konnte man auch bislang schon von allen Herstellern kaufen. Aber trotz staatlicher Kaufprämien bewegten sich die Käufe in sehr bescheidenem Rahmen.

In welchem Tempo die Autokäufer vielleicht umdenken werden, weiß nur der liebe Gott. Die Hersteller sind deshalb gut beraten, sich an die unbekannten Kundenwünsche heran zu tasten. Davon hält VW nichts. Naßforsch werden große Stückzahlen geplant, Produktionsanlagen errichtet und dabei natürlich hohe Milliardenbeträge versenkt.

Aber eine Verschlehterung der Ertragssituation will VW mit aller Macht verhindern. Deshalb betreibt man bei den Diesel- und Benzinfahrzeugen in großem Stille ein upgrade. Sei es beim Modellmix oder bei der Austattung der einzelnen Fahrzeuge. So kostet beispielsweise ein Golf GTI in der Grundausstattung bereits rund 37 000 Euro. Aus meiner Sicht sind die Preisschrrauben schon heute an vielen Stellen überdreht.

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