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10.06.2019

15:56

Kommentar

Warum Bankenfusionen in Europa derzeit unwahrscheinlich sind

Von: Andreas Kröner

Auf lange Sicht sind große Zusammenschlüsse von Banken unausweichlich. Doch aktuell sind die Risiken meist größer als die Chancen.

Die Commerzbank muss aus eigener Kraft besser und vor allem profitabler werden, meint unser Autor. dpa

Commerzbank-Hauptversammlung

Die Commerzbank muss aus eigener Kraft besser und vor allem profitabler werden, meint unser Autor.

Im europäischen Finanzsektor ist das Fusionsfieber ausgebrochen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben wochenlang über einen Zusammenschluss verhandelt und sich letztlich gegen eine Großbankenhochzeit entschieden.

Doch in der Branche wird munter über andere Kombinationen diskutiert: Könnte die Deutsche Bank mit der Schweizer UBS zusammengehen? Und wird die Commerzbank von einem ausländischen Institut geschluckt – entweder von Unicredit aus Italien oder der niederländischen ING?

Für alle diese Deals gibt es eine lange Liste von Vorteilen. Die UBS und die ING, die beide in vergleichsweise kleinen Staaten beheimatet sind, könnten durch einen Zukauf in Deutschland auf einen Schlag einen zweiten, deutlich größeren Heimatmarkt hinzugewinnen.

Unicredit würde die Abhängigkeit vom krisenanfälligen italienischen Markt deutlich verringern. Zudem ist Größe für Banken grundsätzlich von Vorteil. Denn mit vielen Kunden fällt es tendenziell leichter, Investitionen in IT und neue Technologien zu stemmen und die steigenden Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

Auf lange Sicht sind große Bankenfusionen in Europa deshalb unausweichlich, wenn die Institute verhindern wollen, dass der Abstand zu den Konkurrenten aus den USA und Asien immer größer wird. Doch auf kurze Sicht sind solche Deals unwahrscheinlich Denn aktuell ist die Liste der Nachteile und Risiken bei den meisten potenziellen Verschmelzungen länger als die der Vorteile.

Viele Banken haben selbst noch offene Baustellen und würden geschwächt in einen kräftezehrenden Zusammenschluss gehen. Und die Integration nach einer Fusion würde die Institute jahrelang lähmen. Eines der größten Probleme in Europa ist darüber hinaus, dass es nach wie vor sehr viele unterschiedliche Regeln gibt.

Das macht es für Banken schwer, einheitliche Produkte zu entwickeln und länderübergreifend Geschäfte zu machen. Auch Liquidität und Kapital dürfen Institute nicht nach Belieben über Ländergrenzen hinweg verschieben. Effizientes paneuropäisches Banking ist somit aktuell schlicht unmöglich.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die ING nun beschlossen hat, auf absehbare Zeit die Finger von der Commerzbank zu lassen und sich stattdessen auf andere Wachstumsmöglichkeiten zu konzentrieren. Denn solange es keinen wirklich einheitlichen europäischen Bankenmarkt gibt, wäre eine grenzüberschreitende Übernahme ein großes Wagnis.

Die Commerzbank muss sich nun darauf konzentrieren, aus eigener Kraft besser und vor allem profitabler zu werden. Nur so kann sie sich eine bessere Ausgangsposition für den Tag erarbeiten, an dem es tatsächlich mit der Konsolidierung des europäischen Bankensektors losgeht.

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