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27.08.2019

17:59

Kommentar

Warum Kiel für CRRC zum Brückenkopf für Eisenbahnmärkte werden könnte

Von: Dieter Fockenbrock

Der Angriff aus China kommt. Auch wenn die EU das nicht glauben mag. Bis der Drache gefährlich wird, dauert es aber noch.

Das Werk in Kiel wurde von einer chinesischen Firma übernommen. Vossloh

Vossloh-Technologien

Das Werk in Kiel wurde von einer chinesischen Firma übernommen.

Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, dass die EU-Wettbewerbskommission unter Führung von Margrethe Vestager den Fusionsplan von Siemens Mobility und Alstom Transportation stoppte. Die beiden europäischen Bahntechnikkonzerne hatten ihren Zusammenschluss unter anderem damit begründet, sich gegen den riesenhaften chinesischen Konkurrenten CRRC wappnen zu müssen.

Denn der sei auf dem Sprung in den europäischen Markt. Bei Signaltechnik und Hochgeschwindigkeitszügen sah die Kommission aber keine Gefahr. Ein Grund für Vestager, die Fusion zu untersagen.

Nun übernimmt eine Tochtergesellschaft der CRRC den kleinen Lokomotivbauer Vossloh in Kiel. An sich keine allzu aufregende Sache, zumal sich Dieselloks schon seit einiger Zeit kaum noch verkaufen lassen. Vossloh Locomotives war eher ein Ladenhüter. Doch der kleine Deal könnte große Wirkung entfalten.

Dann nämlich, wenn es CRRC schafft, aus Kiel einen Brückenkopf zu machen, um Europas verschlossene Eisenbahnmärkte aufzurollen. CRRC kauft im schlimmsten Fall nur das Know-how ein, wie man Eisenbahnfahrzeuge in Deutschland, Frankreich und wo auch immer in Europa zugelassen bekommt.

Aber das ist entscheidend für den Erfolg. Allzu oft haben die Chinesen schon erfahren müssen, dass es auf dem alten Kontinent nicht so einfach ist, eine Lok oder womöglich einen Hochgeschwindigkeitszug zu verkaufen. Zuletzt scheiterte CRRC mit dem ambitionierten Vorhaben, für die private österreichische Westbahn gleich einige Dutzend Züge zu bauen.

Aber die Übernahme des Kieler Vossloh-Werks zeigt, dass die Chinesen geschickt zweigleisig vorgehen. Was die EU-Kommission im Fusionsfall Siemens-Alstom offenbar noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Wenn CRRC auf Anhieb schon keine Züge aus chinesischer Produktion in großem Stil loswird, dann kaufen sich die Lokbauer aus dem fernen Osten eben eine Firma in Europa, die das Bahngeschäft beherrscht.

Die EU lag bei ihrer Entscheidung gegen den deutsch-französischen Eisenbahnchampion nicht falsch, aber die Entwicklung war eben nicht zu Ende gedacht. Und sie hängt auch von Zufällen ab.

So viele Lok- und Waggonhersteller stehen nun mal nicht zum Verkauf. Schon wird diskutiert, ob sich CRRC auch um die angeschlagene polnische Pesa bemühen wird. Das wäre der schnelle Durchbruch für die Chinesen, so wie es der gescheiterte Kauf von Skoda Transportation vor zwei Jahren in Tschechien gewesen wäre. Nun geht es also etwas langsamer voran. Denn Kiel kann bislang nur Dieselloks. Noch. Die Strategie ist jedenfalls eindeutig: CRRC lässt sich nicht aufhalten.

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