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23.05.2018

01:56

Kommentar

Warum Mark Zuckerberg im EU-Parlament alles richtig gemacht hat

Von: Johannes Steger

Vor den EU-Parlamentariern sollte der Facebook-Chef Rede und Antwort stehen. Geantwortet hat er wenig, geredet aber viel. Die richtige Strategie.

Facebook-Chef im EU-Parlament

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Schon zu Beginn des Treffens von Mark Zuckerberg und den Fraktionschefinnen und -chefs des EU-Parlaments wurde deutlich: Ein netter Plausch in Ehrfurcht vor einem der mächtigsten CEOs, den immer die Silicon-Valley-Atmosphäre einer besseren Welt zu umgeben scheint, würde es nicht werden.

Und tatsächlich waren die versammelten Parlamentarier im Anschluss so gar nicht zimperlich. Die Reaktion Zuckerbergs: ablenken und ausweichen. Völlig nachvollziehbar.

Zu Beginn war der Ton von Parlamentspräsident Antonio Tajani zwar noch sehr freundlich: Er bedankte sich für das Erscheinen des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg und den damit verbundenen Respekt für das europäische Parlament. Dann jedoch wurde er deutlich.

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In einem Jahr würden knapp 400 Millionen Europäer frei über die Zusammensetzung des Parlaments entscheiden – das Beispiel um den Datenmissbrauch von Cambridge Analytica sei alarmierend und eine Warnung: „Unsere Bürgerinnen und Bürger sind es wert, gehört zu werden – ich erwarte, dass auch alle anderen digitalen Plattformen mit uns zusammenarbeiten“, so Tajani.

Daten sollten niemals genutzt werden, um illegal einen demokratischen Prozess zu beeinflussen und die Demokratie dürfte niemals zu einer Marketingaktion umgewandelt werden. Man erwarte klare Aussagen, was der Chef und das Unternehmen zu tun gedenken, sagte der Politiker.

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Die sich anschließenden Fragen der versammelten Parlamentarier hatten es dann auch in sich: Ob der Datenskandal um Cambridge Analytica nicht doch nur die Spitzes des Eisberges gewesen sei? Habe Zuckerberg nicht die Kontrolle verloren?

Eine der härtesten Fragen kam vom liberalen Politiker Guy Verhofstadt: Wie sich die Welt an den Facebook-Gründer erinnern sollte, ging er Zuckerberg an: Als jemand, der die Welt dank Technologie bereichert hat oder ein digitales Monster geschaffen hat? Das saß.

Nachdem jeder Politiker seine Fragen durch hatte, antworte Zuckerberg. In einem Monolog – und auf die Fragen, die ihm augenscheinlich passend erschienen.

Routiniert berichtete er davon, wie modernste Technologie schon jetzt dabei hilft, Fake-Profile im Netz aufzuspüren. Und warum er weiter in solche Technologien investieren wolle, die langfristig dazu führen werden, auch Hass und Propaganda auf der Plattform aufzuspüren und zu beseitigen.

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Auf die Monopolstellung des Netzwerkes angesprochen, antwortete er, dass es viele andere neue Dienste gebe, die Facebook täglich Konkurrenz machen würden – und das Unternehmen seine Produkte weiter entwickeln müsste. Dass das oft mit Aufkaufen und Kopieren von anderen Diensten geschieht, blieb dabei natürlich unerwähnt. Stattdessen verwies Zuckerberg darauf, wie seine Plattform kleinen und mittleren Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffe und wie viele Investitionen in Europa geplant seien.

Aber wen wundert das wirklich? Wenn direkte Nachfragen nicht möglich sind und keine Pflicht auf Antwort herrscht, warum sollte sich ein Unternehmenschef direkt in die Konfrontation begeben? Die kritischen Nachfragen zu Beginn konnte Zuckerberg so getrost außer Acht lassen.

Selbst wenn Unternehmen aus dem Silicon Valley gerne einmal selbst so tun, als wären sie moralische Instanzen, darf sich die Öffentlichkeit nicht davon blenden und sie schon gar nicht mit dem Anspruch eines Wohlfahrtsvereins behandeln: Es sind Unternehmen wie jedes andere auch – und als Vertreter eines solchen hat Zuckerberg das einzig Richtige getan: Den Versuch einer Schadensbegrenzung.

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