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27.06.2022

17:57

Kommentar

Was der Ausstieg von Prosus bei Tencent über die Märkte sagt

Von: Frank Wiebe

Die Niederländer schütten lieber Geld aus, als in Tech zu investieren. Ein Misstrauensvotum.

Misstrauensvotum. Reuters

Tencent-Logo

Misstrauensvotum.

Die niederländische Tech-Holding Prosus hat, gemessen an einem Kurssprung um mehr als 13 Prozent am Montagmorgen, erneut bestätigt, dass sie eine clevere und an ihren Aktionären orientierte Strategie fährt. Das Konzept, die Anteile an der Tech-Holding Tencent nach und nach zu verkaufen und das Geld in Aktienrückkäufe zu stecken, kommt an der Börse offenbar gut an.

Prosus und die Muttergesellschaft Naspers gehen damit ein schon lange existierendes Problem an: Ihr eigener Aktienkurs spiegelt nicht den Wert ihrer Anlagen wieder. Unterstellt man, dass die Investoren die etwas komplizierten Beteiligungsverhältnisse des Konzerns durchschauen, lässt sich das auch als Misstrauensvotum der Börse deuten: Sie trauet dem Management nicht zu, wirklich Mehrwert zu schaffen. Insofern war es höchste Zeit, diese Bewertungslücke zu schließen.

Die zweite Frage lautet aber: Was sagt dieser Schritt über die zuletzt arg gebeutelten Tech-Märkte aus? Das Unternehmen ist mit seinen gut 100 Milliarden Euro Bewertung einer der größten Tech-Investoren weltweit. Vor allem ist die Holding mit knapp 30 Prozent Großaktionär beim chinesischen Tech-Riesen Tencent, daneben aber weltweit an anderen Techfirmen im konsumnahen Bereich engagiert.

Auffällig ist: Jetzt soll der Tencent-Anteil, einst der Stolz der Holding, weiter abgebaut werden, der bisher schon etwas verringert worden ist. Prosus sieht die Schwäche der chinesischen Tech-Werte also nicht als Chance aufzustocken.

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    Tencent wird offenbar als noch schlechter eingeschätzt als andere Tech-Werte. Umgekehrt gilt aber: Der Cash-flow aus den Verkäufen wird nicht für neue Erwerbungen eingesetzt, sondern für zeitlich unbegrenzte Rückflüsse an die Aktionäre. Somit zeigt sich hier ein doppeltes Misstrauen: gegenüber Tech-Werten allgemein und China speziell. Überraschend ist beides nicht angesichts hoher Renditen und der mitunter schwer einzuschätzenden Politik Chinas gerade gegenüber Tech-Unternehmen.

    Aber Prosus sendet zusätzlich die Botschaft: Der Augenblick für einen Wiedereinstieg ist nicht Sicht. Zwar betont das Management, weiter an die Perspektiven von Tencent zu glauben. Aber hier muss man doch vermuten, dass die Tat mehr zählt als das Wort.

    Diese Botschaft wiegt um so schwerer, als Prosus sich bei den Firmen im eigenen Portfolio relativ stark engagiert, nach eigenem Anspruch jedenfalls deutlich mehr also etwa ein konventionelles Fondsmanagement. Hinzu kommt die Betonung der Langfristigkeit: Damit verträgt es sich eigentlich nicht, gerade in einer akuten Marktkrise, die Tech-Werte besonders trifft, von Ausstieg zu reden, es wäre naheliegender durchzuhalten. Das unterstreicht, wie negativ das Umfeld gesehen wird.

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