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10.11.2022

09:55

Kommentar

Weshalb der Markt besser funktioniert als jeder Gaspreisdeckel

Von: Christoph Herwartz

Vor Europas Terminals warten Flüssiggas-Tanker auf höhere Preise. Das hilft den Gaskunden.

LNG-Tanker vor Frankreich REUTERS

LNG-Tanker vor Frankreich

In einigen Wochen werden die Reeder mehr Geld für ihr Flüssiggas bekommen können.

Es wirkt erst einmal absurd: Europa befindet sich in einer Energiekrise und auf der Nordsee fahren Tanker im Kreis, voll bis obenhin mit Flüssiggas. Die Reeder warten auf einen besseren Preis für ihr Gas. Denn derzeit wird es für nur 60 Euro pro Megawattstunde gehandelt. Im August lag der Kurs mehr als viermal so hoch.

Aktuell niedriger Gaspreis durch volle Gasspeicher

Verdienen da Spekulanten an der Not der Europäer? Muss man das verbieten? Das Gegenteil ist richtig. Die wartenden Schiffe zeigen, dass der Markt funktioniert. Das kommt den europäischen Verbrauchern zugute.

Denn was den Preis derzeit so stark drückt, sind die vollen Speicher. Diese haben schon so viel Gas aufgenommen, dass es immer schwieriger wird, noch mehr Gas hineinzupressen. Solange die Temperaturen in Europa mild sind, wird das auch so bleiben. Die wartenden LNG-Schiffe fungieren in dieser Zeit als eine Speichererweiterung – sie vergrößern die in der EU verfügbare Menge an Gas.

Gasmarkt: Vollbeladene Tanker federn künftige Preisanstiege ab

Sobald es kälter wird und mehr Europäer ihre Heizungen anwerfen, wird der Gaspreis steigen. Die Händler an den Gasbörsen erwarten, dass er sich ungefähr verdoppeln wird. Die LNG-Tanker werden dann ihre Ladung löschen und damit den Preisanstieg abfedern.

Dass Reeder ihr Verhalten so sensibel am Gaspreis ausrichten, ist nicht verwunderlich. Immerhin transportiert jedes Schiff Gas im Wert von vielen Millionen Euro. Der richtige Zeitpunkt zum Verkaufen kann einen großen Unterschied in der Bilanz des Händlers machen.

Dieses Verhalten sollten alle verstehen, die darüber sprechen, den Gaspreis zu deckeln. Die EU-Staaten haben sich kürzlich auf einen „Marktkorrekturmechanismus“ geeinigt, der Preissprünge verhindern soll. Einige wollen für Importe einen Höchstpreis festlegen.

Glücklicherweise haben die Reeder diese Diskussion nicht zu ernst genommen. Sonst hätten sie ihre Schiffe abgezogen, anstatt darauf zu warten, die Europäer mit Gas versorgen zu dürfen.

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