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15.03.2020

18:51

Kommentar

Wirecard-Anleger hatten viel Geduld – jetzt muss der Konzern liefern

Von: Felix Holtermann

Die Sonderprüfung der Wirecard-Bilanzen dauert länger. Das ist ein Warnsignal. Der Zahlungsdienstleister muss endlich einen neuen Umgang mit der Öffentlichkeit finden.

Wirecard: Jahresabschluss verschiebt sich imago images/Sven Simon

Wirecard-Firmenzentrale

Der Zahlungsdienstleister muss sich Betrugsvorwürfen erwehren.

Wirecard ist eine besondere Firma. Ihr Vorstandschef Markus Braun hat eine Vision: elektronische Zahlungen mit digitalen Daten zu vernetzen und so einen Technologiekonzern von Weltrang zu formen. Fast 20 Jahre ging es nur nach oben. Das Start-up aus einem Münchner Vorort stieg in den Dax auf, ist heute mehr wert als die Deutsche Bank. Das erklärt das große Vertrauen, das viele Investoren in Wirecard setzen. Doch ihre Geduld ist endlich.

Der Geschäftserfolg hat Wirecards Führung blind gemacht für einfache Wahrheiten des Kapitalmarkts. Ja, einer Wachstumsfirma wird viel verziehen. Aber der Vorwurf der Bilanzfälschung wiegt so schwer, dass ein simples Weiter-so ausgeschlossen ist. Ja, auch die renommierte „Financial Times“ (FT) kann irren. Aber ihre Fragen nach dubiosen Buchungen und ungeprüften Geschäftspartnern abzubügeln, wäre töricht. Und ja, die laufende Sonderprüfung bietet die Chance, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Aber nur, wenn mit ihrem Ergebnis vernünftig umgegangen wird.

Konzernchef und Großaktionär Braun hat kritische Nachfragen bisweilen als eine Art Majestätsbeleidigung behandelt. Intern kaum kontrolliert und extern schlecht beraten, hat er Wirecard mit dem Verdacht, hinter jedem kritischen Artikel steckten gierige Shortseller, auf einen abschüssigen Pfad geführt. Der Konzern hat die FT verklagt, Journalisten zu Gegnern gestempelt. Er hat eine Sonderprüfung wiederholt abgelehnt, dann vorschnell ihr Ende verkündet. Und er hat die erneute Verlängerung der Prüfung am Spätabend eines Börsencrashs veröffentlicht. All das hat seinem Bild in der Öffentlichkeit einen Bärendienst erwiesen.

Die Folgen: Die erhoffte nachhaltige Kurserholung ist ausgeblieben. Neue Partner zögern, mit Wirecard in Verbindung gebracht zu werden. Und der Jahresabschluss verschiebt sich erneut, ein gefundenes Fressen für Shortseller. Die Konzernführung muss, unterstützt durch den neuen Chefaufseher Thomas Eichelmann, einen glaubhaften Neustart hinlegen. Sie sollte den Bericht der Sonderprüfer in Gänze veröffentlichen und diskutieren. Sie sollte Drittpartner, die KPMG den Einblick verwehrt haben, abstoßen. Und sie sollte Transparenz endlich als Chance begreifen, nicht als Pflichtübung. Die Alternative, Wirecard bliebe auf Dauer der Skandalwert im Dax, wäre der denkbar schlechteste Ausgang.

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