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28.11.2022

17:02

Kommentar zu Kryptowährungen

Die EZB sollte den digitalen Euro stoppen

Von: Frank Wiebe

Die Kryptokrise wäre ein guter Anlass, sich von dem überflüssigen Projekt zu verabschieden. Ihre Faszination haben die digitalen Währungen längst eingebüßt.

EZB und Kryptowährungen dpa

Europäische Zentralbank in Frankfurt

Die EZB sollte ähnliches Selbstbewusstsein zeigen wie die US-Institutionen.

Kryptowährungen sind spätestens seit der Erfindung des Bitcoins 2008 ein Aufregerthema. Doch ihre Faszination haben die digitalen Währungen längst eingebüßt. Als Zahlungsmittel hatten sie nie wirklich Relevanz für legale Geschäfte in funktionierenden Staaten. Als Geldanlage sind sie mit den Skandalen um Stablecoins und die Plattform FTX und den damit verbundenen Preiseinbrüchen entzaubert. Die dezentrale Technik der Blockchain war immer problematisch, zum Teil mit irrsinnigem Energieaufwand verbunden, zum Teil auch einfach schwerfälliger als zentrale Lösungen.

Daher sollten Notenbanken ihre Pläne für Central Bank Digital Coins (CBDCs) am besten eindampfen, die Europäische Zentralbank (EZB) also den digitalen Euro stoppen. Deren Pläne waren zu einem großen Teil getrieben von der Angst, Kryptowährungen könnten eine nennenswerte Konkurrenz zu staatlichem Geld werden. Den Höhepunkt erreichte diese Sorge, als Facebook 2019 Pläne für eine private Währung bekannt gab, von der inzwischen nicht mehr viel zu hören ist. Eine andere Sorge war, den Anschluss an eine Zukunftstechnologie zu verpassen. Beides hat sich jetzt weitgehend erledigt.

Dann gab es den Einwand, dass man China bei CBCDs nicht zu viel Vorsprung überlassen wollte. Aber China ist nicht das Maß aller Dinge und verfolgt mit den eigenen Plänen wohl auch das Ziel, die landeseigenen Tech-Riesen wie Tencent nicht zu mächtig werden zu lassen.

Kryptowährungen: Mehr Risiken statt Nutzen

Was es für CDBCs nie gab, war ein klar erkennbarer Nutzen. Digital bezahlen kann man heute schon, in einigen Ländern wie Großbritannien spielen Scheine und Münzen im Alltag praktisch keine Rolle mehr. Ein gängiges Argument war auch, mit dem Schwund von Bargeld bekämen die Bürger immer weniger „Zentralbankgeld“ in die Hand – also Geld, das durch die Bilanz der EZB abgesichert sei. Die meisten Bürger interessiert das aber nicht, sie vertrauen auf die gesetzlich geregelte Einlagensicherung.

Was es im Zusammenhang mit CBDCs immer gab, waren Sorgen wegen der Risiken für das Finanzsystem. Und die sind berechtigt. Wenn die Notenbank den Geschäftsbanken Konkurrenz im Zahlungsverkehr und bei Kundeneinlagen macht, kann das schwerwiegende Konsequenzen haben. Eine Möglichkeit, diese Risiken abzufedern, wäre, die verfügbaren CBCD-Beträge in irgendeiner Form zu deckeln. Aber das würde ihren Nutzen noch weiter einschränken.

Die Amerikaner waren gegenüber CBDC-Konzepten immer relativ skeptisch. Sie vertrauen auf ihren Dollar in der gewohnten Form. Die EZB sollte ähnliches Selbstbewusstsein zeigen. Die Gefahr ist allerdings, dass das Konzept weiterläuft, weil es schon so weit gelaufen, ist. Doch ein Sprichwort lautet: „Wenn dein Pferd tot ist, steig ab!“

Erstpublikation: 25.11.22, 17:33 Uhr.

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