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05.12.2018

10:13

Kommentar zum Treffen mit Autobossen

Trump kann den Niedergang der US-Autoindustrie nicht stoppen

Von: Markus Fasse

Der US-Präsident ringt den Chefs der deutschen Autokonzerne Zugeständnisse ab. Die sind aber nur vage. Die Zukunft der Branche entscheidet sich ganz woanders.

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Donald Trump hat seinen Willen bekommen: Brav sind am Dienstag die Spitzen der deutschen Autoindustrie in Washington erschienen, um seinem Handelsminister Wilbur Ross die Aufwartung zu machen. Die Absicht des Manövers war bereits vor dem Treffen klar: Unter der Androhung, neue Zölle einzuführen, sollen Daimler, BMW und Volkswagen zu neuen Investitionen in den USA gezwungen werden.

Die immer noch hohe Exportabhängigkeit der deutschen Autoindustrie ist ein gutes Druckmittel in den Verhandlungen mit der EU über ein neues Handelsabkommen. Doch die Ergebnisse sind vage, Daimler und BMW preisen ihre Autowerke in Alabama und South Carolina, Volkswagen stellt immerhin eine vertiefte Zusammenarbeit mit Ford in Aussicht. Und auch die US-Regierung hält sich offen, ob sie die angedrohten Zölle nun fallen lässt.

Tatsächlich offenbart sich einmal mehr die Schwäche der US-amerikanischen Industriepolitik. Denn trotz neuer Zollhürden gelingt es auch der Regierung Trump nicht, den Niedergang der eigenen Autoindustrie aufzuhalten. Erst vergangene Woche verkündete General Motors, fünf Werke in den USA zu schließen. 15.000 Jobs sind verloren.

Auch Ford droht den Anschluss zu verlieren und lebt nur noch vom Heimatmarkt. Dort hält Trumps Politik der billigen Energie die Verkäufe von bulligen Pick-ups am Laufen. Exportfähig sind diese Gefährte nicht, denn sie vertragen sich weder mit den Klimavorgaben der EU noch mit der Elektrostrategie Chinas. Die Folge: In der Antriebstechnik drohen die beiden größten amerikanischen Autohersteller den Anschluss zu verlieren.

Weniger die Zölle, sondern die Vorgaben in der Antriebstechnik lenken die Zukunftsinvestitionen in der Autoindustrie. China schreibt der Branche verbindliche Quoten für die Einführung von Elektroautos vor und zwingt die Hersteller zu hohen Investitionen vor Ort. In Europa müssen die Autohersteller ab 2021 zwingend massenweise Hybrid- oder Elektroautos einführen, um die Klimavorgaben zu erfüllen.

Gipfeltreffen: Autobosse optimistisch nach Gespräch mit Trump – VW will mehr in US-Markt investieren

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Die deutschen Autobosse hoffen, dass die angedrohten Zölle abgewendet werden können. VW-Chef Diess zeigt sich zudem zu mehr Investitionen in den USA bereit.

Die Folge ist ein hoher Druck auf die Konzerne, neue Technologien zu entwickeln. Für den US-Markt gilt das nur bedingt. Volkswagen-Chef Herbert Diess erklärte nach seinem Treffen mit der US-Regierung, nun auch in den USA große bullige Pick-ups bauen zu wollen, womöglich gemeinsam mit Ford.

Zum Einsatz käme eine Technik, die der Konzern bereits abschreibt. Denn im heimischen Wolfsburg schaut man schon weiter in die Zukunft: Auf dem Handelsblatt-Autogipfel erklärte VW-Strategiechef Michael Jost, dass der Konzern ab 2026 die Entwicklung von Verbrennungsmotoren einstellen will.

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

05.12.2018, 15:39 Uhr

Sehr geehrter Herr Fasse,

gibt es überhaupt einen Niedergang der amerikanischen Autoindustrie, den Donald Trump angeblich nicht aufhalten kann? Oder ist es nicht so, dass die amerikanischen Autofirmen an Ihren SUVs und Pick up´s prächtig verdienen?

Und halten Ihre Visionen zur Elekrifizierung der Fahrzeuge dem Realitätstest statt? Ist es wirklich so, dass die Autoflotten aller bedeutenden Industrieländer in 10 oder 15 Jahren zu 100 % aus Elektrofahrzeugen bestehen werden? Oder wird es vielleicht je nach Verwendungszweck ein sinnvolles Nebeneinander von Verbrennungs- und Elektroantrieben geben?

Macht es Sie nicht hellhörig, dass die angebotenen Elektrofahrzeuge in allen großen Märkten dieser Welt bislang nur sehr zögernd Anklang finden und nur ein Nischendasein führen? Und macht es Sie nicht hellhörig, dass die großen Hersteller mit Ausnahme von VW ihr Angebot an Elektromodellen nur auf Sicht und in überschaubarem Rahmen ausweiten? Oder wissen Sie vielleicht einfach besser als die Herren in den Vorstandsetagen, in welchem Unmfang und in welchem Tempo sich die neue Technologie ausbreiten wird?

Herr Volker Kobelt

06.12.2018, 12:35 Uhr

Frau Kah liegt nicht falsch . Man sollte Politik nicht mit grüner Ungeduld und grünem Scheinwissen betreiben! Dann löst man auch nicht mit dem Ausstieg aus der CO2-freien "Atomindustrie" das sog. Problem des Klimawandels … oder etwa doch???

Herr Trump schadet der amerikanischen Wirtschaft mehr als dass er ihr hilft. Herr Trump denkt betriebswirtschaftlich und erzeugt manchmal wenn überhaupt, dann mur Strohfeuer. Für die Politik benötigt er volkswirtschaftliches Denken und volkswirtschaftliche Maßnahmen , dann wird das Feuer langanhaltender - nachhaltiger!


Mit einer Schutzzollpolitik - wie im neunzehnten und zwenzingsten Jahrhundert in Europa oder weltweit üblich, schafft man nur kurzfristige Erfolge, nach den "goldenen 20er Jahren", der große Zusammenbruch und schließlich Kriegg und Zerstörung. Nach dem Krieg wurde das "deutsche Wirtschaftswunder" maßgeblich durch die Senkung und schließlich Abschaffung der Schutzzölle erreicht. Herr Trump lullt seine Autoindustrie durch den vermeintlichen Vorteil seiner Zölle ein und die europäische Autoindustrie kann und wird nur durch technischen Fortschritt die Konkurrenz besiegen




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