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08.07.2022

11:36

Leserdebatte

Diese Entlastungen befürworten Handelsblatt-Leser

Ideen zur Abmilderung der hohen Inflation gibt es viele. Die Handelsblatt-Leserschaft debattiert, welche am sinnvollsten sind und warum. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

Wie können die Auswirkungen der hohen Inflation für die Menschen abgemildert werden? dpa

Der Blick aufs Geld

Wie können die Auswirkungen der hohen Inflation für die Menschen abgemildert werden?

Sollten sich die Teilnehmer der „konzertierten Aktion“ demnächst wieder zusammenfinden, hätte die Handelsblatt-Leserschaft schon ein paar Vorschläge, wie die Bundesregierung die Auswirkungen der Inflation abschwächen könnte.

So schreibt ein Handelsblatt-Leser: „Meines Erachtens würde das Einfrieren der Lohnsteuer und die Beendigung der Besteuerung auf Lebensmittel und Medikamente etwas bringen.“ Letzteres würde vor allem die Bedürftigen erreichen, ergänzt ein anderer Leser.

Daneben befürworten einige, dass der Staat bei den Energiepreisen eingreifen sollte. Ein Leser plädiert für das Ende der Besteuerung auf Energie, ein anderer findet, die Regierung sollte auch Maßnahmen unterstützen, die zu einer Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen führt.

Alles in allem erachten viele vor allem Steuersenkungen in verschiedenen Bereichen als sinnvoll. So könne „dem Problem der Menschen entgegengewirkt werden“, findet ein Leser. Ein anderer Leser ergänzt zu diesem Punkt: „Bleibt mehr Netto vom Brutto, verkraften die Haushalte Preissteigerungen erheblich besser.“

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    Aus den unterschiedlichen Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

    Bei Energiepreisen eingreifen

    „Eine Einmischung des Staates bei Tarifverhandlungen etc. halte ich für nicht zielführend!

    Anders als bei Konsumgütern kann man als privater oder geschäftlicher Verbraucher auf die Energieversorgung in Form von Gas oder Öl nur bedingt verzichten und ist insofern gezwungen, Öl und Gas zu jedem Preis abzunehmen und die höheren Preise auch zu bezahlen. 

    Erst, wenn die Preise für Gas und Öl wieder fallen, wird auch die Inflation zurückgehen – insofern sollte der Staat bei den Energiepreisen eingreifen und die betreffenden Verbraucher hier gezielt unterstützen und Maßnahmen, die zu einer Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen führen, schleunigst stärker, unbürokratischer und wirksamer fördern!

    Da aktuell der Einbau einer Luft-Wärmepumpe z.B. immer noch mehr als doppelt so teuer ist wie der Einbau einer neuen Gasbrennwertheizung, rechnet sich der Einbau trotz gestiegener und auch gegebenenfalls weiter steigender Gaspreise für mich als Verbraucher immer noch nicht. Insofern sollte auch hier die Beschaffung der benötigten Materialien massiv unterstützt werden, um die Nachfrageseite bedienen zu können und auch so die Preise wieder auf ein adäquates Niveau bringen zu können.“
    Michael Biedermann 

    Einzige Lösung: Zinsen stark erhöhen

    „Nein, die Regierung sollte sich aus allem heraushalten und keinen Personen- oder Firmenkreis unterstützen. Die einzige Lösung besteht darin, die Zinsen stark zu erhöhen und die Ausgaben stark zu reduzieren. Sollten einige Firmen das nicht überstehen, dann muss man sie in die Insolvenz gehen lassen, damit der Markt bereinigt wird.“
    Jürgen Wachholz 

    Wer stets Wasser predigt, sollte es auch selbst mal trinken

    „Meines Erachtens würde das Einfrieren der Lohnsteuer, und die Beendigung der Besteuerung auf Lebensmittel und Medikamente etwas bringen. Ebenso das Ende der Besteuerung auf Energie. 

    Und auch die Parlamentarier könnten solidarisch auf einen Teil ihrer Tantiemen verzichten, wer stets Wasser predigt, sollte es auch selbst mal trinken. Prosit Zukunft.“
    Thomas Lamberty

    >> Lesen Sie dazu: Eine Auswertung von 600.000 Kassenbons zeigt, wie stark teure Lebensmittel deutsche Haushalte belasten

    Neun-Euro-Ticket beibehalten

    „In Anbetracht der Uniper-Malaise und dem Katz-und-Maus-Spiel der Tankstellenkonzerne mit ihrem Auf und Ab der Preise gegen die Autofahrer und Herrn Lindners ‚Steuergeschenk‘ empfehle ich die Aufwertung des Bundeskartellamtes zu einem effektiven Regulierungsinstrument im Energiemarkt. Hier ruht meines Erachtens die größte soziale Sprengkraft.

    Auch das Neun-Euro-Ticket hätte als 20-Euro-Ticket noch seinen Charme behalten; vielleicht als dauerhafte Anregung für die Gesellschaft ab September 2022.“
    Heiko F. E. Förtsch

    Temporäre staatliche Steuersenkungen sind sinnvoll

    „Temporäre staatliche Steuersenkungen auf Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs sind sinnvoll, diese erreichen die Bedürftigen und senken die Staatsquote. Das Neun-Euro-Ticket erweitern bis Jahresende, das unterstützt den neuen Mobilitätsmix.

    Das wird reichen.“
    Martin Hecher

    Keine Entlastungen

    „Ich persönlich wünsche mir keine Entlastungen in Bezug auf meine Person. Ich wünsche mir lediglich, dass es in dieser Legislaturperiode zu keiner weiteren Erhöhung der Lohnsteuer sowie der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, zur Pflegeversicherung und zur Rentenversicherung kommt. Dann komme ich auch mit meinem Lohn klar.

    Die Regierung soll das Geld zusammenhalten, keine weiteren Schulden aufnehmen und vernünftig haushalten. That’s it.“
    Thomas Vierhaus

    Zeit für Aufbruch und Fokussierung auf das Wesentliche!

    „Die gute Nachricht: Alle Länder stehen bei der aktuellen Krisenbewältigung vor ähnlichen Herausforderungen, da die Hauptursache globalen Ursprungs ist: Pandemiebedingte Störungen belasten die Weltwirtschaft mit ihren Lieferketten und führen durch Knappheit zu Inflation. Für Deutschland kommt erschwerend die Verknappung der Gaslieferungen aus Russland hinzu.

    Daneben, aber nicht unabhängig, laufen lang anhaltende Megatrends, deren positive und negative Wirkungen zunehmend sichtbar werden, wie zum Beispiel Digitalisierung, Automatisierung, demografischer Wandel, Urbanisierung, weltweiter Klimawandel und geopolitische Konflikte.

    Allein aus der Fülle der verschiedenen Entwicklungen wird klar, dass es keine ‚One Size Fits All‘-Lösung geben kann, sondern nur einen Kanon aus kurz-, mittel- und langfristig umzusetzenden Einzelmaßnahmen. Und deren Verantwortung liegt bekanntlich in der Hand unterschiedlicher Player. Wichtig ist, Maßnahmen aufeinander abzustimmen und nach ihrer Wirksamkeit und Effizienz zu priorisieren.

    Exemplarisch hier einige Dos und Don’ts für kurzfristige Lösungsansätze des Staates. Dos: Energieangebot kurzfristig steigern, um Knappheit zu beseitigen und damit Kosten in Unternehmen und Privathaushalten zu senken; marktwirtschaftliche Prinzipien beachten, nur Rahmenbedingungen durch den Staat; Lohnsteuer und -nebenkosten senken, um Berufstätige bei Bewältigung der Inflation zu unterstützen; Fokus auf wirtschaftlich vulnerable Bevölkerungsgruppen mit passgenauen Einzelmaßnahmen.

    Don’ts: Am Markt gebildete Preise durch staatliche Eingriffe anpassen, da diese dann ihre Steuerungswirkung verlieren; Tarifautonomie missachten: Die Verhandlung von Löhnen und Gehältern ist und bleibt Sache der Tarifparteien; Einstieg in Planwirtschaft. Krisenzeiten sind auch immer Chancen für Neues! In diesem Sinne sollten Maßnahmen jetzt zügig angegangen werden.“
    Sebastian Heckler

    Grafik

    Energiekosten steuerlich absetzbar machen

    „Vielleicht sollte der Staat mal darüber nachdenken, auch für private Haushalte die Energiekosten (Gas, Öl, Benzin, Strom) steuerlich absetzbar zu machen. Nur für diejenigen, die keine Steuererklärung (Lohn, ESt) oder Verluste machen, könnte dann gegebenenfalls finanzielle Unterstützung gewährt werden. Tarifvereinbarungen sollten nur in Maßen getroffen werden.“
    Reiner v. Haehling

    Das Geschrei nach höheren Gehältern

    „Folgende Entlastung halte ich für sinnvoll:

    Bevor der Staat nach höheren Gehältern schreit, müssten die Steuern der Unternehmer gesenkt werden! Ohne steuerliche Entlastungen für Unternehmer ist eine Erhöhung von Gehältern kaum möglich.

    Die Krise hat uns vollumfänglich erfasst, die Insolvenzquote steigt und immer mehr Unternehmer müssen Kurzarbeit anmelden. Wie soll es da für mittelständische Unternehmen möglich sein, die Gehälter so zu erhöhen, wie die Inflationsrate ist.

    Das Geschrei nach höheren Gehältern aus der linken Politik (auch SPD) ist laut, aber dass das dazu führen würde, dass noch mehr Unternehmer in Schieflage geraten, wird natürlich nicht bedacht.

    Mit einer vorübergehenden Steuersenkung von Einkommensteuer bis zu Steuer auf Konsum kann dem Problem der Menschen entgegengewirkt werden.“
    Nico Gläser

    Bitte keine kurzfristigen Rabatt-Almosen

    „Eine Regierung, die ihre Bürger:innen ermächtigen will, sich selbstbestimmt gegen die Inflation zu stellen, sollte höhere Löhne ermöglichen und somit Reallohnverluste begrenzen helfen.

    Eine Lohn-Preis-Spirale ist an Bedingungen geknüpft. Die Furcht vor ihr bleibt unbegründet, wenn der Staat durch beispielsweise smarte Energie-Deals dabei unterstützt, das knappe Güterangebot auszuweiten. Flankiert durch die steigenden Zinsen der EZB, verringert sich zunächst die Geldmenge und damit auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.

    Also bitte keine kurzfristigen Rabattalmosen, sondern nachhaltige staatliche Unterstützung, die diesen Namen verdient!“
    Sebastian Düren

    Spürbare Erhöhung des Grundfreibetrags

    „Ich plädiere für eine spürbare Erhöhung des Grundfreibetrags in Höhe von 5000 Euro, da die Energiepreiserhöhung langfristig bleiben wird und auch für den angestrebten Klimawandel notwendig ist. Einmalzahlungen helfen nur kurzfristig. Lohnerhöhungen führen zu einer Inflationsspirale.“
    Hans Josef Lauck

    Die Bundesregierung sollte sich mehr zurückhalten

    „Ich würde mir wünschen, dass sich die Bundesregierung in Deutschland wieder mehr zurückhält. Keine ‚Einmalzahlungen‘, kein ‚Neun-Euro-Ticket‘ und keine ‚Deckel‘ auf egal welche Posten (Mieten, Gas, usw.). Der Staat sollte einfach seine Ausgaben reduzieren und die ‚Ersparnis‘ an die Steuerzahler weitergeben: Entlastung für wertschöpfende Arbeitnehmer und auch Unternehmer.

    Eine Senkung der Beitragszahlungen für Sozialversicherungen und das Senken von Steuern (bzw. die Abschaffung verschiedenster Steuerarten) wäre die größte Hilfestellung für die Menschen in Deutschland. Dabei möchte ich keinesfalls die vollkommene Abschaffung des Sozialstaats, im Gegenteil: Wirklich Bedürftige Menschen (alleinerziehende Mütter/Väter, Rentner, Behinderte usw.) sollen volle Unterstützung bekommen.

    Bleibt mehr Netto vom Brutto, verkraften die Haushalte Preissteigerungen erheblich besser. Die Allokation der Güter und des Geldes ist in individueller Hand besser als in der eines ‚planenden Staates‘.“
    Benjamin Schumacher

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