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12.05.2022

12:11

Leserdebatte

Homeoffice oder Büro – was favorisiert die Handelsblatt-Leserschaft?

Zurück in die Firma für den Austausch mit den Kollegen oder weiterhin ungestört von daheim arbeiten? Eine Auswahl an Kommentaren zeigt, wie Handelsblatt-Leser zu dem Thema stehen.

Seit der Coronapandemie ganz normal. Unternehmen sind aber nicht mehr dazu verpflichtet, Mitarbeitern dies zu erlauben. imago images/Westend61

Arbeiten in der heimischen Küche

Seit der Coronapandemie ganz normal. Unternehmen sind aber nicht mehr dazu verpflichtet, Mitarbeitern dies zu erlauben.

Das Büro sei „das Lagerfeuer unserer Zeit“, schreibt ein Handelsblatt-Leser, und ohne dieses fehle ein Ort für echten Kontakt und Austausch, fehle Bindung und gemeinsame Spontaneität bei der Arbeit. Daher favorisiert er eine Mischung aus Homeoffice und Büro.

In den Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft erzählen viele Leserinnen und Leser nach unserem Aufruf, dass sie derzeit in genau solch einem Mischmodell arbeiten. Dabei betonen die meisten vor allem die Vorteile des Homeoffice. So schreibt ein Leser, das mobile Arbeiten verschaffe ihm die Möglichkeit, das Großraumbüro mit dem dazugehörigen Geräuschpegel zu vermeiden und seine Aufgaben konzentrierter bearbeiten zu können. Für andere fällt durch das Arbeiten daheim der mühselige Weg zur Arbeit weg, „eine willkommene Entlastung“ für eine Leserin.

Ein Leser berichtet, dass seine Kollegen am Anfang der Pandemie noch keine Fans des Homeoffice waren. Mittlerweile sei es aber so, „dass die wenigsten überhaupt noch regelmäßig vor Ort arbeiten möchten“. Daher glaubt er, dass die angestrebte „hybride Zukunft“ eine Illusion sei.

Ein Leser hat aus seinem Grundsatz, das Homeoffice sei für ihn ein Muss, bereits die Konsequenzen gezogen. Als sein Arbeitgeber im vergangenen Jahr wieder eine Büropflicht einführen wollte, sah er die Zeit für einen Arbeitgeberwechsel gekommen. Aus den Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

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    Mobiles Arbeiten ist „Must-have“

    „Aktuell bin ich zwei Tage die Woche im Büro, den Rest der Woche mobil, bedeutet unter anderem zu Hause, jedoch auch an anderen Orten, dies ist in einer Betriebsvereinbarung geregelt.

    Aus meiner persönlichen Sicht und auch für meine Tätigkeit ist eine Anwesenheit im Büro nicht zwingend erforderlich, der persönliche Austausch mit den Kollegen wäre einmal monatlich für meine Aufgabe mehr als ausreichend.

    Alle Kollegen arbeiten zwei Tage im Büro, drei Tage mobil. Der Austausch mit den Kollegen erfolgt täglich via Teams und bei den Präsenztagen im Büro.

    Das mobile Arbeiten verschafft mir die Möglichkeit, das Großraumbüro mit dem dazugehörigen Geräuschpegel zu vermeiden und meine Aufgaben konzentrierter und mit deutlich verringertem Stresslevel abarbeiten zu können. Bedeutet, das mobile Arbeiten ist für mich jetzt und zukünftig ein ‚Must-have‘.

    An den mobilen Tagen, an denen ich von zu Hause aus arbeiten kann, ist es für mich persönlich ein unbezahlbarer Mehrgewinn, gemeinsam mit meiner Familie die Pausen verbringen zu können.“
    Andreas Emde

    Sowohl als auch

    „Nicht ‚entweder oder‘, sondern ‚sowohl als auch‘. Ohne Homeoffice fehlt Flexibilität. Ohne Büro fehlt das Lagerfeuer unserer Zeit, fehlt der Ort für echten Kontakt und Austausch, fehlt Bindung und gemeinsame Spontanität.“
    Thomas Gohrke

    Grafik

    Gute Arbeit leisten bei maximaler Flexibilität

    „Ich arbeite seit dem 13.3.2020 Vollzeit ausschließlich von zu Hause aus. Projektleitung, Schulung neuer Kunden und vieles weitere mehr klappen sehr gut. Bis dahin bestand mein Alltag aus ungefähr diesem Ablauf: morgens ins Büro geradelt, mittags zum Schwimmen und am Nachmittag bis Abend weiterarbeiten. Ich arbeitete in dieser Weise circa 20 Jahre.

    Der Auslöser war, dass ich allein mit Kind nur zu diesen Bedingungen sinnvoll hätte arbeiten können. Gute Arbeit leisten bei maximaler Flexibilität. Das galt nicht nur für mich, sondern auch andere Kollegen nutzten diese Möglichkeit. Irgendwann war das Kind groß genug, aber die Ergebnisse zeigten, dass diese Art zu arbeiten ein Gewinn für beide Seiten war, und die Regelung wurde fortgesetzt.

    Wie es weitergeht, weiß keiner, da jetzt neue Regelungen kommen sollen und mehr Formalität in die Situation gebracht werden soll, die bisher mehr oder weniger über Absprachen funktionierte. Die Verhandlungen laufen noch, und wie es ausgeht, weiß keiner.

    Ins Büro zurück wollen die wenigsten, die allerdings sind schon seit Wochen wieder dort. Begründung zum Teil, dass sie Arbeit und Privatbereich nicht gut trennen können oder keine gute Arbeitssituation haben. Einigen fehlt die Arbeitsatmosphäre auch als soziales Umfeld.

    Mir haben die letzten zwei Jahre in vielerlei Hinsicht in Bezug auf meine Arbeit gutgetan, die Vernetzung wurde verbessert, und ich habe auch über andere Arbeitsbereiche mehr erfahren als vorher. (Trotzdem hätte ich gern darauf verzichtet, da die anderen Bereiche des Lebens sehr beeinträchtigt wurden.)“
    Christiane Herwig

    Zeit effizienter einteilen

    „Ich arbeite nun seit circa zwei Jahren im Homeoffice. Da ich Werkstudent bin, macht mir das nicht sonderlich viel aus. Ich gewinne zudem auch sehr viel Zeit, da die Wegzeit wegfällt. Somit kann ich meine Zeit effizienter einteilen und habe mehr Zeit zum Lernen und mehr Freizeit.“
    Philipp Prokoptschuk

    Ach, wie schön ist das Homeoffice

    „‚Ich bin eine Geschäftsfrau, schön angezogen und lief in hohen Schuhen im Kleidchen durch die Hallen des Tower 185 in Frankfurt. Mit einem Lächeln begrüßte ich meine Kollegen aus der Abteilung, auf dem Weg zur Kaffeemaschine im ersten Stock.

    Begeistert fanden die Mitarbeiter inzwischen schon zu zweit am Tisch Platz, weil das Office für 1500 statt für 3600 Kollegen ausgelegt war. 

    Das allgemeine Zusammengehörigkeitsgefühl wird besonders durch die gemeinsame Arbeit am Bildschirm gestärkt. Wenn der Kollege Fischer im Videocall über Kollegin Braun direkt gegenüber sprach, konnte man das Echo hören wie auf einem Wanderausflug der Firma. 

    Und dann wachte ich aus meinem kleinen Nickerchen am Tisch in der Küche auf und schaute verträumt auf meinen Abwasch. Ach, wie schön ist das Homeoffice.

    So viel zu meiner Erfahrung, dass die allgemein gelöste Stimmung innerhalb der deutschen Bevölkerung zwar neue Ausgehlaune weckt, aber nicht unbedingt bei der Arbeit.“
    Carmen Preiss

    Homeofficequote null

    „In unserer Firma beträgt die Homeofficequote null. Nur im allgemeinen Krankheitsfallverdacht arbeiten wir zeitweise, nämlich bis zur subjektiven Gesundung, daheim.“
    Martin Hecher

    Hybride Zukunft ist eine Illusion

    „Während der Coronapandemie wurde in meinem Unternehmen die Homeoffice-Regelung auf ein 60/40-Modell umgestellt: Maximal 60 Prozent der Arbeitszeit dürfen im Homeoffice verbracht werden, an 40 Prozent der Tage soll man ins Büro kommen.

    Aktuell ist diese Regelung noch außer Kraft gesetzt, und ich und die meisten meiner Kolleg*innen arbeiten ausschließlich von zu Hause aus. Und während das viele am Anfang der Pandemie noch bedauert haben, hat sich nun die Stimmung dahin gedreht, dass die wenigsten überhaupt noch regelmäßig vor Ort arbeiten möchten.

    Ich denke, die angestrebte ‚hybride Zukunft‘ ist eine Illusion. Mittelfristig bewegen wir uns zu freier Wahl des Arbeitsplatzortes – schon allein, damit die Unternehmen Zugriff auf einen überregionalen Talentpool haben.“
    Philipp Walther

    >> Auch interessant: Inside Valley – Folge 2: Google rückt vom Homeoffice ab

    Drei Gründe für das Homeoffice

    „Ich gehöre zu den älteren Arbeitnehmern über 60 Jahren. Ich finde es gut, dass Homeoffice weiterhin genutzt wird.

    Grund 1: Corona hat bewiesen, dass man nicht unbedingt zum Arbeiten ins Büro muss. Ein Umdenken in den Führungsebenen hat stattgefunden.

    Grund 2: Die Strategie zur Gesundheitspolitik von Herrn Lauterbach ist so was von inkonsequent, dass man nicht weiß, welche Strategie eigentlich verfolgt wird. Wenn die Quarantänepflicht nur noch fünf Tage ist und ein Test danach nicht Pflicht ist, dann kann ein Infizierter völlig legal andere Menschen wieder anstecken. Es wird zwar empfohlen, weiterhin Masken zu tragen, aber sonst sieht es danach aus, als wenn auf die Herdenimmunität gesetzt wird, oder wie soll man es bewerten.

    Grund 3: weniger Spritverbrauch.“
    Ralph Seidel

    Moderne Unternehmen setzen schon länger auf Heimarbeit

    „Homeoffice mache ich eigentlich so viel wie vor der Coronazeit: an ein bis zwei Tagen in der Woche. Es hat den Vorteil, dass man konzeptionelle Arbeiten deutlich effektiver – inhaltlich und insbesondere zeitlich – erledigt bekommt.

    In den wenigen wirklich modernen Unternehmen in Deutschland hat man das schon lange vor Corona erkannt und es den Mitarbeitern freigestellt, wann sie von zu Hause aus arbeiten wollen.“
    Simon Barth

    Eine Umgebung geben, die Mitarbeiter fördert

    „Working from home (WFH) zeigt ganz deutlich, ob wir unseren Mitarbeitern wirklich die Umgebung geben, die sie fördert: Haben wir klare, konkrete Ziele? Wirkliche Visionen? Gute Kommunikation? (Heißt: Haben wir eine echte ‚Company Culture‘?) Nur wenn wir unseren Mitarbeitern einen Rahmen UND Flügel geben, klappt das. WFH oder nicht.“
    Ilona Ludewig

    Eine willkommene Entlastung

    „Ich halte es wunderbar zu Hause aus – nach inzwischen über 30 Jahren täglicher Pendelei ist es eine willkommene Entlastung.

    Insbesondere, da Mehrarbeit sehr oft an der Tagesordnung ist/war und dann noch die Hin-/Rückfahrt zeitlich ,on top‘ kommt/kam.
    Mein Arbeitgeber hat inzwischen leider auf 40/60 umgeschwenkt, sodass ich nur noch an zwei Tagen pro Woche in den Genuss komme.“
    Andrea Gehrig

    Grund zum Wechsel

    „Das Homeoffice ist inzwischen ein ganz wichtiger Punkt für Arbeitsbedingungen. Wenn sich ein Arbeitgeber als flexibel beschreibt, ist Homeoffice ein Muss.

    Als mein alter Arbeitgeber voriges Jahr der Meinung war, im Sommer wieder eine Büropflicht zu fordern für mehr Spirit, war das auch ein Grund zum Wechsel für mich. Warum soll ich den Weg ins Büro fahren, der mich Zeit und Geld kostet, um dort einige wenige Kollegen zu sehen, mit denen man dann was Privates redet, und in der anderen Zeit am PC arbeitet oder telefoniert. Das geht auch von zu Hause aus. Lieber habe ich auch Kollegen, die weniger krank sind, weil sie nicht ins Büro kommen müssen und dann zwar nur halb arbeiten anstatt gar nicht.

    Für mich auf jeden Fall ein Grund zum Wechsel: neuer Arbeitgeber in Stuttgart, circa eine Stunde Arbeitsweg und gutes Gehalt. Dafür gehe ich nur einmal die Woche ins Büro – wie alle anderen auch. Eine Pause unter Kollegen zu Mittag. Ansonsten PC mit Teams von zu Hause aus, und alle Kollegen an mehreren Standorten sind immer ganz nah.“
    Marcel Sicker

    Wenn Sie sich zu diesem Thema im Handelsblatt zu Wort melden möchten, schreiben Sie uns einen Kommentar, entweder per E-Mail an [email protected] oder auf Instagram unter @handelsblatt.

    In der vergangenen Woche debattierte die Handelsblatt-Leserschaft, ob ein Ölembargo gegen Russland sinnvoll wäre. Lesen Sie eine Auswahl der Kommentare.

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