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19.05.2022

12:35

Leserdebatte

Ist der große Kryptohype vorbei?

Am Kryptomarkt ging es zuletzt turbulent zu. Die Handelsblatt-Leserschaft debattiert, ob Bitcoin und Co. noch ein Investment wert sind. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

Kryptowährungen waren zuletzt heftigen Schwankungen unterworfen. Dabei haben zahlreiche Anleger viel Geld verloren. Bloomberg

Bitcoin

Kryptowährungen waren zuletzt heftigen Schwankungen unterworfen. Dabei haben zahlreiche Anleger viel Geld verloren.

„Der Kryptomarkt erlebt gerade sein ganz eigenes Jahr 2000“, schreibt ein Leser und zieht damit den Vergleich zur damals geplatzten Dotcom-Blase. Anfang des Jahrtausends erlebten viele Technologie- und Internetfirmen einen Boom und wurden an den Aktienmärkten extrem hoch bewertet. Nach einiger Zeit wurde jedoch klar, dass viele dieser Unternehmen ihre Versprechen nicht würden einhalten können. Als Folge kam es zum Einbruch am Aktienmarkt.

Auch der Kryptomarkt hat zuletzt deutliche Verwerfungen erlebt. So büßte etwa der Bitcoin zwischenzeitlich 56 Prozent an Wert ein im Vergleich zu seinem Rekordhoch im November 2021. Wir haben die Handelsblatt-Leserschaft gefragt, ob dies nun das Ende des Kryptohypes sei.

„Ein neuer Markt wird zunächst einer Feuerprobe unterzogen“, schreibt ein Leser und fügt hinzu: „Die Zeiten, in denen eine Währung bei einer Neuemission um 100.000 Prozent in fünf Stunden gestiegen ist, liegen hinter uns – wie bei einem Börsengang eines Internetunternehmens.“ Ein anderer meint, dass größere Transparenz und regulatorische Vorgaben den Markt zukünftig stabilisieren werden.

Ein anderer Leser würde eine „Überregulierung“, wie er schreibt, lieber vermeiden, um die junge und innovative Technologiebranche nicht im Keim zu ersticken. So wie er blicken viele vor allem auf die Vorteile der Technologie. Ein Leser glaubt beispielsweise, dass Kryptoprojekte unsere Art, wie wir einkaufen, Informationen konsumieren und miteinander interagieren, völlig verändern werden. Wir sollten daher „strategisch auf Krypto schauen und das Ziel des Großen und Ganzen im Auge behalten“.

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Standort erkennen

    Ein weiterer Leser findet, das Potenzial der Blockchain-Technologie sei bei Weitem noch nicht ausgereizt. Allerdings geht er auch nicht davon aus, dass die aktuellen Kryptowährungen einen festen geldpolitischen Bestand auf den Finanzmärkten haben werden.

    Es gibt auch Handelsblatt-Leser, die dem Thema noch skeptischer gegenüberstehen. So hält ein Leser Kryptowährungen „für Schabernack“ und schreibt, er habe nie verstanden, wozu Kryptos gut sein sollen. Ein anderer sieht sie als „windiges Spekulationsobjekt ohne intrinsischen Wert“. Seiner Meinung nach sind wir zu abhängig von den Zentralbanken, „die extreme Verwerfungen an den Märkten zumindest teilweise korrigieren und dadurch sowohl unsere Märkte als auch unseren Wohlstand schützen können“.

    Aus den Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

    Ein Spekulationsobjekt für Liebhaber

    „Ich sah Kryptowährungen stets als windiges Spekulationsobjekt ohne intrinsischen Wert. Eine dezentralisierte ‚freie‘ Digitalwährung schien mir nie realistisch, zu abhängig sind wir doch von den Zentralbanken, die extreme Verwerfungen an den Märkten zumindest teilweise korrigieren und dadurch sowohl unsere Märkte als auch unseren Wohlstand schützen können.

    Dass sich einige mithilfe von Kryptowährungen von genau diesen Zentralbanken lösen wollen, scheint dabei schlichtweg absurd, spüren wir doch besonders in der aktuellen geopolitischen Situation die Notwendigkeit der Währungshüter.

    Doch bedeutet das keinesfalls, dass Kryptowährungen keine Berechtigung haben. Man sollte sie jedoch als das erkennen, was sie sind: ein Spekulationsobjekt für Liebhaber und all jene Investoren, welche die Rendite im Risiko suchen.“
    Kalvin Pomplitz

    Fehlschläge akzeptieren

    „Leider wird der Begriff ‚Krypto‘ in den Medien häufig auf Bitcoin oder fehlgeschlagene Projekte reduziert, und dies wird der Realität nicht gerecht.

    Vielleicht ist Bitcoin kein idealer Wertspeicher oder ein Zahlungsmittel im Sinne einer Währung (dies zeigen die Volatilität, Gebühren und geringe Geschwindigkeit), aber der Gedanke und die Technologie hinter den verteilten Kassenbüchern sind mittlerweile gereift und sehr viel größer als die ursprüngliche Idee und das Konzept von ‚Satoshi Nakamoto‘.

    In einer innovativen Gesellschaft müssen auch Fehlschläge akzeptiert werden, denn die nächste Iteration verändert womöglich unsere Zukunft. Hier sollte und muss Europa eine Vorreiterrolle spielen, und es sollte die junge und innovative Technologiebranche durch Überregulierung nicht im Keim ersticken, denn es geht darum, Innovationen zu fördern und dauerhaftes wirtschaftliches Wachstum zu sichern. Deutschland und Europa haben dazu (noch) alle Karten in der Hand, und bei den Themen rund um das Internet der Werte sollte es sich selbst nicht auf eine passive Rolle reduzieren.“
    Martin Gräbing

    Think about the big picture

    „Viele sehen die Kryptowelt nur als höchst volatile Geldanlage, was meines Erachtens sehr kurzfristig gedacht ist. Denn Web3 und dahinterstehende Kryptoprojekte werden unsere Art, wie wir einkaufen, Informationen konsumieren, miteinander interagieren und Gaming völlig verändern. Sobald diese Anwendungsbeispiele den Massenmarkt erreichen (und wir sind auf einem guten Weg), werden die heutigen Ausschläge auf dem Wertechart kaum auffallen, da die einzelnen Coins entsprechend massiv an Wert gewinnen werden und wir in einer neuen Ära der Interaktion ankommen.

    Alles, was heute passiert (Kursstürze usw.), ist meines Erachtens panikgetrieben, und die Schlagzeilen, die wir heute sehen, gab es vor einigen Jahren schon einmal. Demnach: ,Think about the big picture‘ und lasst uns strategisch auf Krypto schauen und das Ziel des Großen und Ganzen im Auge behalten.“
    Robert Lüth

    Kryptos sind Schabernack

    „Ich habe nie verstanden, wozu Kryptos gut sein sollen.

    Für die zur Aufrechterhaltung von Kryptos (Ich spreche bewusst nicht von Währungen) notwendige Blockchain werden unfassbare Mengen Energie dafür verbraucht, dass neue Bitcoins etc. ‚geschürft‘ werden.

    Es gibt keinerlei Gegenwert, sondern nur eine undefinierte, wabernde Gemeinschaft, die offensichtlich mal mehr, mal weniger an Krypto glaubt. Ich halte Kryptos für Schabernack oder auf Englisch: It‘s a hoax. Cui bono?“
    Thomas Sauer

    >> Lesen Sie dazu: „Dies ist der Lehman-Moment der Kryptobranche“ – So geht es nach dem Terra-Crash weiter

    Feuerprobe

    „Der Hype bei den Kryptowährungen neigt sich sicher dem Ende zu, aber was bedeutet das konkret für den einfachen Krypto-Millionär?

    Ein neuer Markt wird zunächst einer Feuerprobe unterzogen – ein bekanntes Beispiel ist die Internetblase von 2000. Kleine, unbedeutende Unternehmen wie Microsoft, Apple, Amazon und viele mehr boten 2000 einen interessanten Einstiegspreis, ähnlich wie jetzt Kryptowährungen.

    Der Bedarf an anonymen Bezahlmöglichkeiten steigt, langfristig muss das auch der Kryptomarkt.

    Eines lässt sich allerdings mit großer Sicherheit sagen: Die Zeiten, in denen eine Währung bei einer Neuemission um 100.000 Prozent in fünf Stunden gestiegen ist, liegen hinter uns – wie bei einem Börsengang eines Internetunternehmens.“
    Jannis Holzwarth

    Potenzial der Blockchain-Technologie noch nicht ausgereizt

    „Das Potenzial der Blockchain-Technologie ist bei Weitem noch nicht ausgereizt. Da durch die Technologie die Möglichkeit gegeben ist, einzigartige digitale Assets und Smart Contracts zu erstellen, wird auch die Relevanz von Kryptowährungen umgebungsbedingt bestehen bleiben.

    Allerdings gehe ich nicht davon aus, dass die aktuellen Kryptowährungen einen festen geldpolitischen Bestand auf den Finanzmärkten haben werden, es sei denn, es wird eine CBDC kommen, die die Vorteile der Blockchain-Technologie konkret für alle denkbaren Anwendungsfälle nutzbar macht.

    Dennoch werden in Sparten Cyberdevisen, die durch deren Umgebung kontrollierbar sind, immer mehr an Relevanz für Finanzinstitute gewinnen. Ein Beispiel hierfür wäre eine Kryptowährung, die zur umgebungsgebundenen Finanzierung von digitalen Assets beiträgt.“
    Tim Abraham

    Die Blase ist geplatzt

    „Der Kryptomarkt erlebt gerade sein ganz eigenes Jahr 2000. Die Blase ist geplatzt, das muss jedoch nicht das Ende bedeuten, wie die Technologieblase bereits gezeigt hat.

    Kryptos, die überleben aufgrund überlegener Technologie, werden in Zukunft große Chancen haben, sich dauerhaft etablieren zu können. Das Beispiel Terra hat gezeigt, dass dabei nicht zwingend die Marktkapitalisierung oder die Stabilität entscheidend ist.

    Größere Transparenz und regulatorische Vorgaben werden dazu beitragen, den Markt zu stabilisieren und auch für risikoaverse Privatinvestoren zugänglich zu machen.“
    Sebastian Boosz

    Grafik

    Handel mit „hot air“

    „Bitcoin und Co. haben weder einen Substanzwert noch Ertragswert. Der Handel mit ‚hot air‘ muss viel stärker kontrolliert, eingeschränkt, am besten politisch untersagt werden.“
    Udo Meinecke

    Wer kennt schon die Macht hinter Bitcoin und Kollegen?

    „Das Wort Kryptowährung sagt eigentlich schon alles. Schwierig zu durchschauen und mystisch. Sicher gut gemacht, und bisher scheint niemand einen Fehler erkannt zu haben, genauso wie niemand den Urheber des Bitcoins benennen kann. Ein Hype, bei dem viele dabei sein wollen, auch eine Menge Glücksritter, die mich an die Anleger in holländische Tulpenzwiebeln erinnern, ein paar Hundert Jahre zuvor.

    Die wenigsten denken von der Basis her und sehen, dass Geld, egal ob kryptisch oder physisch, keinen Wert hat. Geld ist in Zahlen benanntes Vertrauen, morgen etwas dafür erwerben zu können, was mir heute sicher wäre. Also, bisher vertrauen wir Staaten, dass morgen unser liquides Vermögen nicht nur eine Zahl auf dem Papier ist. Diese Staaten kennen wir, mit all ihren Fehlern und Sünden.

    Doch wer kennt schon die Macht hinter Bitcoin und Kollegen? An wen wende ich mich, wenn denen der Stecker gezogen wird? Die Amerikaner schreiben auf ihre Dollarnoten ‚In God we trust‘. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
    Christian Hülsebeck

    Digitale Assets sind weit mehr als irgendwelche Coins und Token

    „Wer sich ernsthaft mit dem Thema Krypto auseinandersetzt, erkennt schnell dessen Nutzen, zum Beispiel sicherer Austausch von digitalen Assets ohne Mittelsmänner. Digitale Assets sind weit mehr als irgendwelche Coins und Token, wie sie leider oft wahrgenommen werden.

    Gerade in Zeiten, in denen das globale Vertrauen erodiert, kann Krypto auch für Unternehmen Lösungsansätze bieten, welche oft ein resilientes und vertrauenswürdiges Netzwerk benötigen.

    Die Technologie ist in der Entwicklungsphase, und ‚Unfälle‘ wie bei Terra passieren im Übrigen auch in der klassischen Wirtschaft – hieraus wird gelernt werden. Für Krypto sahen die fundamentalen Aussichten nie besser aus, was mittlerweile auch viele große Player erkannt haben.“
    Markus Horn

    Wenn Sie sich zu diesem Thema im Handelsblatt zu Wort melden möchten, schreiben Sie uns einen Kommentar, entweder per E-Mail an [email protected] oder auf Instagram unter @handelsblatt.

    Mehr: In der vergangenen Woche debattierte die Handelsblatt-Leserschaft, ob sie die Arbeit vom Büro oder vom Homeoffice aus favorisiert.

    Von

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