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10.03.2022

12:54

Leserdebatte

Wie sollte ein Sondervermögen für die Bundeswehr genutzt werden?

Ob dieses überhaupt sinnvoll ist und wofür das Geld eingesetzt werden sollte, darüber diskutiert die Handelsblatt-Leserschaft. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

Mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro soll die Bundeswehr gestärkt werden. Aber wie sollte das Geld am besten genutzt werden? dpa

Bundeswehr

Mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro soll die Bundeswehr gestärkt werden. Aber wie sollte das Geld am besten genutzt werden?

„Wie will man mit Charakteren wie Putin verhandeln, wenn man keine funktionierende Armee hat?“, schreibt uns ein Leser und befürwortet damit ebenso wie viele andere Handelsblatt-Leser ein Sondervermögen für die Bundeswehr. „Nur eine sehr gut ausgestattete und gut organisierte Bundeswehr ist in der Lage, unsere Demokratie, unsere Freiheit und unser Leben vor Bedrohungen von außen zu schützen“, meint ein anderer Leser.

Nur wie genau dieses Geld am besten eingesetzt werden sollte, darüber herrscht Uneinigkeit. So plädiert ein Leser dafür, „einen beachtlichen Teil in die Cyberabwehr“ zu investieren, ein anderer mahnt davor, das Sondervermögen für Berater und Marketingzwecke einzusetzen, andere erachten auch grundlegende Reformen innerhalb der Bundeswehr zunächst als nötig.

Abgesehen von einer besseren Ausstattung glauben einige Handelsblatt-Leser, dass sich auch die Einstellung der Gesellschaft zur Bundeswehr ändern sollte. Hingegen finden einige Leser, dass nur durch die Schaffung einer EU-Truppe „eine Verteidigung wirtschaftlich sinnvoll aufgebaut werden“ kann.

Aus den unterschiedlichen Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

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    Verhältnis zur Bundeswehr muss sich grundlegend wandeln

    „Unser gesellschaftliches Verhältnis zur Bundeswehr muss sich grundlegend wandeln. Wir müssen zur Bundeswehr eine positive gesellschaftliche Einstellung entwickeln, so wie England und Frankreich zu ihren Armeen. Und wir müssen die Armee so organisieren und ausstatten, dass sie auch funktioniert. Wie will man mit Charakteren wie Putin verhandeln, wenn man keine funktionierende Armee hat? Und sich nur auf die Verbündeten zu verlassen kann mit einem amerikanischen Präsidenten wie Donald Trump auch in die Hose gehen.“
    Thomas Kamprath

    Cyberabwehr stärken

    „Als junger Softwareentwickler verfolge ich neben dem derzeitigen gewalttätigen Krieg auch den aktuell herrschenden Cyberkrieg mit großem Interesse. Die 100 Milliarden Euro der Bundesregierung für Investitionen in die Bundeswehr sollten meiner Meinung nach zu einem beachtlichen Teil in die Cyberabwehr fließen.

    Ich sehe als Softwareentwickler immer wieder IT-Security-Risiken und kann mir sehr gut vorstellen, wie schnell ein einziger Hacker ein Unternehmen handlungsunfähig machen kann. Neben den Risiken für unsere Infrastruktur kann das Unternehmen und damit uns alle sehr empfindlich treffen. Diese Investition würde von einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer historischen Erfahrung zeugen.“
    Steffen Knödler

    Nicht einfach die Schuldengrenze umgehen

    „Zuerst wurde die Bundeswehr, auch unter Olaf Scholz als Finanzminister, totgespart, das Verteidigungsbudget war sogar unter den Anforderungen der Nato. Jetzt, als ein Krieg zwei Flugstunden entfernt ausbricht, haben wir eine nicht funktionierende Armee, und urplötzlich gibt es eine Möglichkeit, horrende Summen herbeizuzaubern.

    Ja, neues Geld ist nötig und auch richtig, es sollte aber nicht Neuverschuldung sein und vor allem nicht einfach die Schuldengrenze umgehen. Bevor solche Summen in eine Geldverbrennungsmaschine namens Bundeswehr geworfen werden, sollte man unser Militär erst einmal reformieren. Außerdem ist es mir unbegreifbar, dass zum Beispiel nie genug Geld für den Ausbau der erneuerbaren Energien oder die Modernisierung der Schulen da ist, aber auf einmal hundert Milliarden Euro Neuverschuldung kein Problem zu sein scheint, obwohl man zuvor auf die meiner Meinung immer noch wichtige Schuldengrenze verwiesen hat.“
    Carl-Philipp Brehm

    Aufbau einer kleineren, aber feinen Armee

    „1. Kurzfristig sollten die 100 Milliarden ausgegeben werden für ‚im Kampf erprobtes‘ (Waffen-)Material, keine europäischen Neuentwicklungen à la A400M, damit wir uns und andere jederzeit verteidigen könnten.

    2. Strategischer Aufbau einer kleineren, aber feinen Armee, bestehend aus Berufssoldaten, wo nur das potenziell kämpfende Personal bestmöglich sozialversicherungstechnisch abgesichert ist.

    3. Reduzierung der bundeswehrinternen Verwaltung auf ein notwendiges Minimum nach dem Motto ‚Wasserkopf ade‘.

    4. Schießübungen auch für Zivilisten gegen Kostenbeteiligung anbieten, damit wie im derzeitigen Ernstfall jeder, der will, mithelfen kann.

    5. Als Kieler Jung' sage ich: ‚Verkauf der Gorch Fock an den Höchstbietenden, bringt circa 100 Millionen Euro.‘“
    Dirk Förster

    Ausrüstung und nicht Aufrüstung

    „Zunächst einmal sollte das Sondervermögen nicht für Berater und nicht für Marketingzwecke ausgegeben werden. Die Überschrift Ausrüstung und nicht Aufrüstung ist sicherlich richtig. Es gilt, die Bundeswehr modern auszustatten und dafür zu sorgen, dass Selbstverständlichkeiten vorhanden sind, wie Winterstiefel, wetterfeste Kleidung und Gewehre, die geradeaus schießen. Die Bundeswehr sollte auch dadurch zu einem modernen Arbeitgeber werden, bei dem sich junge Menschen gern bewerben. Die Soldaten und Soldatinnen haben Hochachtung verdient, dass sie bereit sind, uns und unsere Partner zu verteidigen.

    Als ehemaliger Wehrdienstverweigerer halte ich es für Unfug, über eine Wiedereinführung des Wehrdienstes nachzudenken. Was wir benötigen, ist eine Berufsarmee von 200.000 oder mehr Personen.“
    Markus Klode

    Geld allein wird nicht reichen

    „Geld allein wird nicht reichen, um die großen Probleme in der Bundeswehr zu beheben, doch es ist ein guter Anfang. Die Zeiten des Euro-Fighters sind vorbei, und die Zeit der modernen Kriegsführung mit zum Beispiel der F35 hat begonnen. Auch wenn die Idee weit hergeholt ist, könnte ein Flugzeugträger der Marine und Luftwaffe helfen, wichtige Seerouten für Handelsschiffe zu schützen und Deutschlands militärische Präsenz in der Welt zu zeigen.

    Als eine Person, die lange Zeit in den USA gelebt hat, kann ich Ihnen sagen, dass die Deutschen unseren tapferen Soldaten mehr Respekt und Dankbarkeit entgegenbringen müssen und sie nicht als Kriegstreiber sehen sollten. Hier hilft schon ein kleines ‚Danke für ihren Dienst‘ beim Treffen auf einen Soldaten im täglichen Leben.“
    Ben Winkler

    Eine EU-Truppe schaffen

    „Nur durch Schaffung einer EU-Truppe, mit einheitlichen in der EU gefertigten Waffensystemen kann eine Verteidigung wirtschaftlich sinnvoll aufgebaut werden. Damit verbleiben in den Ländern nur noch Einheiten für die innere Sicherheit.

    Es wird Zeit, dass die EU diese Aufgabe in Angriff nimmt. Nicht immer nur davon reden und nebenbei die Waffensysteme, zum Teil mit EU-Mitteln, vorwiegend aus Amerika beziehen.“
    Wolf-Dieter Talkenberger

    Grafik

    Verhältnis zur Bundeswehr überdenken

    „‚Sie können mit einem Tiger nicht verhandeln, mit Ihrem Kopf in seinem Maul.‘ Dieses Zitat aus dem Film ‚Darkest Hour‘ beschreibt die aktuelle Situation, sowohl zum Ukrainekrieg als möglicherweise auch zu zukünftigen Konflikten mit anderen autoritären Staaten, sehr gut. Nur eine sehr gut ausgestattete und gut organisierte Bundeswehr ist in der Lage, unsere Demokratie, unsere Freiheit und unser Leben vor Bedrohungen von außen zu schützen. Das gilt für Deutschland als auch seine Verbündeten. Wir sollten daher unser Verhältnis zur Bundeswehr überdenken und unseren Soldaten, Soldatinnen und Angestellten der Bundeswehr für ihren Einsatz in Zukunft mehr Wertschätzung entgegenbringen.“
    Sebastian Riedel 

    Zeit, erwachsen zu werden

    „Die Bundeswehr wird seit Jahrzehnten in unserer Rosa-Welt-Gesellschaft (durch den zum Glück langfristigen Frieden in Europa – bisher) als fast überflüssig angesehen, was sich durch die grundsätzlich unrichtige Abschaffung der Wehrpflicht noch beschleunigt hat. Denn dadurch war die Bundeswehr in der Breite, sprich in den Familien, kein Thema mehr. Musste ja auch nicht sein, denn wir könnten ja im Notfall einfach die Hand zum Papa USA ausstrecken, die würden es schon für uns richten.

    Wir sind aber kein Kind mehr!!! Wir, die BRD, sind mittlerweile über 70 Jahre alt, da wird es endlich Zeit, erwachsen zu werden und Eigenverantwortung zu übernehmen. Ich kann nur hoffen, dass diese ‚Zeitenwende‘ sich auch vollzieht, vor allem in der deutschen Politik, deren fast grenzenlose Handlungsunfähigkeit und -trägheit fast zum Himmel schreit. Die Bundeswehr MUSS schnellstmöglich einsatzfähig sein beziehungsweise gemacht werden.“
    Frank Lang

    Neuerliches politisches Totalversagen

    „Dieser 100-Milliarden-Ansatz wird sich bei aller Berechtigung und Notwendigkeit als neuerliches politisches Totalversagen herausstellen.

    Nicht der Betrag ist entscheidend, sondern eine konsistente Strategie, abgestimmt mit Europa sowie der Nato, und am Ende können es gegebenenfalls 50 Milliarden oder auch 120 Milliarden sein.

    Generell sollte Verteidigung und deren Organisation (hier Bundeswehr) nicht mehr national, sondern für die gesamte EU einheitlich gedacht, organisiert und auch bezahlt werden, schon allein um die Interoperabilität der technischen Systeme und Streitkräfte zu gewährleisten. Das würde ebenfalls die Politik entlasten, die offenbar erhebliche Probleme mit diesem gesamten Themenkomplex hat, allen voran Frau Lambrecht.“
    Hanno C. L. Dittrich

    Zu lange geträumt, dass Putin friedlich bleibt

    „Die Bundeswehr ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten kaputtgespart worden. Sie ist nicht mehr voll funktionsfähig. Wir haben zu lange geträumt, dass Putin friedlich bleibt.

    Dabei soll doch unsere Bundeswehr einen wichtigen Teil der Nato-Kampfkraft darstellen. Nun muss sie organisatorisch und technisch neu aufgestellt und aufgerüstet werden. Nichts anderes wird Putin davon abhalten, auch in die Nato zu marschieren.“
    Michael Stöffler

    Si vis pacem para bellum

    „Cicero wird der Satz ‚Si vis pacem para bellum‘ zugeschrieben. Stand heute sind wir genau an diesem Punkt, dass nur eine koordinierte Verteidigungsstrategie in Verbindung mit einem sichtbaren militärischen Potenzial dazu führen wird, unseren östlichen Nachbarn an den Verhandlungstisch für Friedensgespräche zu führen. Positive Erkenntnis des 24.2. ist: Die Nato und das westliche Bündnis funktionieren, und in enger Koordination mit unseren Partnern gilt es nun, die freigesetzten Gelder in eine sinnvolle Verteidigung zu investieren, die auch für moderne Angriffe gewappnet ist. Deutschland darf hier gern wieder eine führende Rolle übernehmen.“
    Christoph Hartnig

    In der vergangenen Woche debattierte die Handelsblatt-Leserschaft darüber, wie erfolgsversprechend die Reaktion des Westens auf den Ukrainekrieg ist. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

    Wenn auch Sie sich im Forum zu Wort melden möchten, schreiben Sie uns einen Kommentar zu dem Wirtschaftsthema, das Sie diese Woche am meisten beschäftigt. Per E-Mail an [email protected] oder auf Instagram unter @handelsblatt.

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