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21.07.2022

12:29

Leserdebatte

Wo steht Deutschland im Kampf gegen den Klimawandel?

Hat Olaf Scholz das Zeug zum Klimakanzler? Welche Folgen drohen Deutschland und der Wirtschaft? Darüber debattiert die Handelsblatt-Leserschaft. Lesen Sie hier eine Auswahl der Kommentare.

Klimawandel, Hitzewelle dpa

Ausgetrocknetes Rheinufer (Archivbild)

Der Klimawandel hinterlässt auch in Nordrhein-Westfalen seine Spuren und die könnten noch dramatischer werden.

„Wir werden keinen Zentimeter von unseren Klimazielen abweichen“, sagte Außenministerin Annalena Baerbock im Anschluss an den Petersberger Klimadialog. Doch da abgesehen von diesen mündlichen Versprechen nichts Konkretes beschlossen wurde, zeigten sich Nichtregierungsorganisationen von der Konferenz enttäuscht. Ein Handelsblatt-Leser schrieb dazu: „Eine Konferenz löst die nächste ab, eine bereitet die nächste vor und die letzte angeblich nach.“ Ergebnisse würden aber kaum erreicht.

Wenn es um die Frage geht, wo Deutschland im Kampf gegen den Klimawandel steht, blicken viele Handelsblatt-Leserinnen und -Leser pessimistisch auf den derzeitigen Stand. Ein Leser umschreibt es so: „Von zehn, die sich auf die Wanderschaft Richtung Klimaneutralität aufmachten, stehen immer noch sieben am Wegweiser und diskutieren über den vermeintlich richtigen Weg, die übrigen drei sind zum Glück schon auf dem Weg.“

Verbesserungsvorschläge gibt es einige. Ein Leser fordert etwa eine konzertierte Aktion aller Beteiligten und wünscht sich vor allem von der Wissenschaft praktikable Lösungen.

Andere fordern einen generationenübergreifenden Dialog, eine engere Kooperation mit anderen Ländern, vor allem mit den großen CO2-Emittenten, oder auch einen Politiker mit Charisma und der Fähigkeit, die Menschen auf ein gutes Ziel einzuschwören. Es gibt auch Menschen, die glauben, dass sich der Klimawandel von uns nicht aufhalten lassen wird.

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    Aus den unterschiedlichen Zuschriften der Handelsblatt-Leserschaft haben wir hier für Sie eine Auswahl zusammengestellt.

    Rückwärts gewendete Bremser

    „Wir stehen aus meiner Sicht noch ziemlich am Anfang. Das Tempo muss deutlich erhöht werden. Rückwärts gewendete Bremser müssen beiseitetreten.

    Wir brauchen eine konzertierte Aktion aller Beteiligten: Staat, Industrie, Handel und Finanzwirtschaft sowie der Bevölkerung. Die Wissenschaft ist aufgerufen, praktikable Lösungen zu erarbeiten, wie wir auch im Privaten und Kleinen vorankommen: wie richtig heizen bei Altbau, Neubau, 70er-Jahre-Bau… Wir müssen ein paar Jahre auch mit ein wenig Verzicht leben (Tempolimit, Fleischkonsum, Reisen …) – und wir brauchen eine bessere Planung für unsere Infrastruktur (Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen, wie unsere Mobilität?), auch hier ist die Wissenschaft aufgerufen, die Ideenmaschine anzuwerfen!

    Wir haben allein in Deutschland Hunderte Hochschulen und Abertausende kluge Köpfe, die hier an Projekten und Simulationen arbeiten können. Nicht alles wird gelingen, aber vieles ist möglich. Wir müssen es nur anpacken!!!

    Also wird das Wichtigste sein: Mut zur Veränderung und Tatkraft! Auf geht‘s.“
    Uwe Velten

    Aufhalten werden wir den Klimawandel nicht!

    „Die Erde hat in den vier Milliarden Jahren ihres Bestands so viele Klimawandel, -katastrophen und -veränderungen erlebt, wie der Mensch sich in seiner 300.000-jährigen Geschichte nur schwer vorstellen kann. Nun bilden wir uns ein, etwas an dieser stetigen Entwicklung der Erde ändern zu können.

    Klar haben wir zu einer gewissen Beschleunigung des aktuellen Klimawandels beigetragen. Aber aufhalten werden wir diese Entwicklung nicht! Die Erde wird es in einer Million Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit noch geben, den Menschen eher nicht. Wie es dann auf der Erde aussieht und welches Klima dann herrscht, ist eine andere Frage und der Erde egal.“
    Bernhard Derdzinski

    Eine Konferenz löst die nächste ab – ohne wirkliche Ergebnisse

    „Das Thema ist mittlerweile inflationär und ‚macht sich selbst überflüssig‘. Eine Konferenz löst die nächste ab, eine bereitet die nächste vor und die letzte angeblich nach. Ergebnisse werden kaum erreicht und wenn, dann nicht umgesetzt. Alles mit Tausenden von Teilnehmern, die eher nicht umweltschonend zu fröhlichen Gruppenfotos an- wie abreisen, Müll produzieren und Energie vergeuden.

    Deutschland verschleudert im Klimarettungswahn seine Ressourcen und hat offene, naive Ohren, wenn Vertreter bekannt korrupter Staaten mehr Geld und Schuldenerlass fordern, um garantiert erst sich und dann vielleicht das Klima zu retten.“
    Carsten Kayatz

    Wir denken zu sehr in Gründen als in Möglichkeiten

    „Wenn es uns endlich gelingen sollte, einen generationenübergreifenden Dialog zu starten – von den sich unschuldig fühlenden Großeltern über die lebensstandardwahrenden Eltern bis hin zu den zeigefingerhebenden Kindern –, dann und nur dann werden wir in der Lage sein, den Klimaschutz als größte wirtschaftliche, soziale und ökologische Chance zu begreifen, die er auch ist.

    Wer etwas ermöglichen will, der findet Möglichkeiten, wer etwas verhindern will, der findet Gründe. Von länger laufenden Kohlekraftwerken bis hin zum Artenschutz beim Ausbau der Windenergie – bisher denken wir zu sehr in Gründen, als in Möglichkeiten.“
    Michael Krieger

    Die Mehrheit der Bevölkerung wäre bereit, sich anzustrengen

    „Der Kanzler ist gut im Versprechen und Nichtssagen, er übernimmt keine Verantwortung und will es nie gewesen sein (siehe Cum-Ex-Skandal). Daraus folgt, dass Deutschland im Kampf gegen den Klimawandel seine hochgesteckten Ziele nicht erreichen wird.

    Die Mehrheit der Bevölkerung wäre bereit, sich anzustrengen, zu verzichten, wenn es alle täten. Aber dazu braucht es einen Politiker mit Charisma und der Fähigkeit, die Menschen auf ein gutes Ziel einzuschwören. Ich sehe schwarz für die Wirtschaft, die abwandern könnte wegen der überbordenden Bürokratie und des fehlenden Pragmatismus, und für den Wohlstand, an den wir uns so gewöhnt haben.“
    Anna Maria Sobizack

    >> Lesen Sie dazu: Mehr als 6,6 Milliarden Euro jährlich – so teuer sind Extremwetter für Deutschland

    Deutschland spielt den Don Quichotte

    „Meiner Auffassung nach spielt Deutschland bei der Verhinderung des Klimawandels den Don Quichotte. Mit lediglich zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes will Deutschland die Welt retten und fährt dabei die eigene Wirtschaft krachend vor die Wand.

    Ein weltweites Problem – das ich überhaupt nicht bestreite – muss auch eine weltweite Antwort bekommen. Hier kann es nur gemeinsam und in enger Kooperation mit den großen Verursachern überhaupt vorangehen. Vorbild ist ja gut, aber den ideologisch verblendeten Schulmeister Deutschland nimmt in der Welt keiner mehr wirklich ernst. Wie man sehr deutlich an dem weltweiten Neu- und Ausbau der Kerntechnik sieht.

    In Deutschland ist viel zu viel ideologisch belastet und wird zu Tode diskutiert. Anstatt sich der Aufgaben der Zukunft mit nüchternem Sachverstand und kühlem technischem Kopf anzunehmen. Die technischen Lösungen dafür gibt es, aber Deutschland schließt sich hier selbst aus.

    Wenn hier nicht schnell ein Umdenken stattfindet, dann sehe ich für den Wirtschaftsstandort Deutschland schwarz – Herrn Scholz fehlt dafür die Durchschlagskraft. Ideologie und Angst waren noch nie in der Geschichte gute Berater.“
    Peter Archinger

    Wir haben den Kampf so gut wie verloren

    „Wir haben den Kampf zur Erhaltung unserer Umwelt und des Klimas so gut wie verloren. Kaum einer ist bereit, auf irgendetwas zu verzichten. Schon gar nicht auf seine Flugreise in den Urlaub oder gar auf sein Lkw-ähnliches Auto. Ein noch so kleiner kurzfristiger Gewinn ist wichtiger als das Klima. 

    Wir verschaffen unseren Kindern ein volles Konto, aber hinterlassen eine Welt, in der sie nicht mehr leben können.“
    Karl-Josef Federlein 

    Für den Fortbestand aller

    „In der Politik sehe ich bisher niemanden, der/die klare Entscheidungen für das Klima und gegen unsere persönlichen Annehmlichkeiten trifft, denn dann wird man ja nicht wiedergewählt …

    Wie ist die Bereitschaft zu einem Wandel, der zuerst mal wie eine Verschlechterung unseres bequemen/gewohnten Lebens wirkt? Vielleicht geht es uns viel besser, wenn wir anders leben? Wie viel Mut hat die Politik, sich konsequent für den Fortbestand ALLER Menschen zu entscheiden?“
    Johanna M. Pabst

    Wie im Kindergarten

    „Ich finde es erschütternd, dass es in der Politik trotz der angespannten Lage zugeht wie im Kindergarten, wobei den Kindern mit diesem Vergleich wahrscheinlich noch unrecht geschieht.

    ‚Jede Kilowattstunde muss gespart werden.‘ Aber: Tempolimit? Fehlanzeige! (Was sind schon ein paar Millionen Liter gespartes Öl ... und CO2-Ausstoß) Atomstrom statt Gasverstromung: taktierendes Gezanke. Tausende Tote in Südeuropa und nie gekannte Waldbrände und Wasserknappheit auch in Deutschland, dennoch füllen sich die Pools in deutschen Gärten und anderswo. Ökonomisch und ökologisch nicht zu rechtfertigende Steuergeldverschwendung in Hybridfahrzeuge ... geht doch noch 'ne Weile.

    Die Reihe lässt sich fortsetzen ... nur: So wird das nichts mit dem Klimakanzler.“
    Gregor Wies

    Die Welt steht noch am Anfang

    „Das Wissen um die Klimaveränderung ist bereits mehr als 50 Jahre alt, die nötigen Technologien zu deren Bewältigung gibt es teilweise schon länger.

    Solange Deutschland und große Teile der Welt von klassischen Energiekonzernen, der Öl- und Gasindustrie und einer neoliberalen Marktreligion (Stichwort CO2-Zertifikate) ferngesteuert wird, wird sich nichts beziehungsweise nur äußerst langsam etwas in die richtige Richtung ändern.

    Meiner Meinung nach steht Deutschland wie auch der Rest der Welt noch am Anfang, und unabhängig davon, wer das Amt des Bundeskanzlers bekleidet, wird dieser aus dem vorgenannten Grund kaum zum Klimakanzler werden.

    Welche Auswirkungen die Klimaveränderung haben wird, ist hinlänglich bekannt und muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden, auch würde die Aufzählung den Rahmen der fünf Sätze sprengen.

    Für mich persönlich nur so viel: Ich empfehle meinen Kindern, sich keine eigenen zuzulegen.“
    Piero Kirchner

    Auf der Wanderschaft Richtung Klimaneutralität verirrt

    „Von zehn, die sich auf die Wanderschaft Richtung Klimaneutralität aufmachten, stehen immer noch sieben am Wegweiser und diskutieren über den vermeintlich richtigen Weg, die übrigen drei sind zum Glück schon auf dem Weg.

    Ich denke nicht, dass sich Olaf Scholz noch zum Klimakanzler entwickelt, da setze ich eher auf Habeck – vielleicht zunächst (nur) als Vize mit Empfehlung für die nächste Legislatur.

    Ich befürchte, dass es für Deutschland diesmal mehr auf Anpassungsgeschwindigkeit als auf Anpassungsfähigkeit ankommt und wir zu lange zögern. Bei der Wirtschaft erwarte ich, dass die Krisen Covid und Angriffskrieg der Russen viel der deutschen Kreativität beanspruchen, die zur Bewältigung der dritten Krise Klima gebraucht wird. 

    Ganz persönlich fürchte ich, dass meine Tochter mich irgendwann sehr energisch fragt: ‚Was war dein kreativer Beitrag zur Klimaneutralität?‘“
    Michael C. Blum

    Wenn Sie sich zu diesem Thema im Handelsblatt zu Wort melden möchten, schreiben Sie uns einen Kommentar, entweder per E-Mail an [email protected] oder auf Instagram unter @handelsblatt.

    Mehr: Welche Energiesparmaßnahmen angesichts der Gaskrise auch bei jedem persönlich möglich sind, darüber debattierte die Handelsblatt-Leserschaft in der vergangenen Woche.

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