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14.01.2022

08:27

Omikronwelle

Leserdebatte: Wie sinnvoll sind die neuen Corona-Beschlüsse?

Omikron lässt die Coronazahlen hierzulande stark ansteigen. Die Handelsblatt-Leserschaft debattiert, ob die kürzlich beschlossenen Corona-Maßnahmen die vierte Welle brechen können.

Künftig dürfen nur noch Geboosterte sowie Geimpfte und Genesene mit negativem Test essen gehen. dpa

Strengere Coronaregeln für die Gastronomie

Künftig dürfen nur noch Geboosterte sowie Geimpfte und Genesene mit negativem Test essen gehen.

3G, 2G, 2G plus – oder vielleicht sogar 1G? Die Handelsblatt-Leserschaft ist sich nicht einig, welche Maßnahme nun die richtige bei der Bekämpfung der Omikron-Welle ist. Jedoch stimmen die meisten darin überein, dass die Politik noch nicht den perfekten Weg im Kampf gegen das Coronavirus gefunden hat und es durchaus Verbesserungspotenzial gibt. Bund und Länder hatten zuletzt in der vergangenen Woche die Coronamaßnahmen verschärft.

So meinen die einen, wir müssten lernen, mit dem Virus zu leben – ohne Beschränkungen. Dahingegen wünscht sich eine Leserin 2G plus überall, um das Gesundheitssystem zu schützen. Ein anderer Leser befürwortet 1G, dass sich also alle testen müssen. Andere wiederum wünschen sich, dass die Politik die Maßnahmen besser anhand fundierter Daten begründet.

Aus einer Vielzahl an E-Mails haben wir die interessantesten Beiträge hier für Sie zusammengestellt.

Die Gastronomie als Erfüllungsgehilfin

„Als Gastronom gehen mir die 2G- und 2G-plus-Regeln entschieden zu weit! Schon das Gastrojahr 2021 ist schlechter ausgefallen als das Jahr 2020, und jetzt geht es in 2022 gleich mit dem 2G-plus-Knaller weiter ohne wirksame Hilfen. Bestenfalls wird lediglich ein Teil der Kosten ersetzt durch Kurzarbeit und Überbrückungshilfen. Minus macht man trotzdem. Und das, weil der Impfdruck auf Kosten der immer gleichen Branchen erhöht werden soll. Die Gastronomie bezahlt, was die Politik nicht geregelt bekommt.

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    Als Nächstes könnte ich mir gut ein dauerhaftes Alkoholausschankverbot am Wochenende vorstellen, um die Unfallquote im Straßenverkehr zu senken. Oder Kuchenverkauf nur noch an Personen mit einem BMI von unter 25, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Wenn die Gastronomie schon als Erfüllungsgehilfin herhalten muss, dann sollte sie auch dafür bezahlt werden, in Form von angemessenen Hilfen, die den entgangenen Gewinn berücksichtigen, von denen der Gastronom lebt.“
    Abi von Schnurbein

    Lasst uns uns nicht als Menschen gegenseitig bekämpfen

    „IMHO bedeutet ‚in my humble opinion‘. ‚Humble‘ würde ich mit ‚bescheiden‘ übersetzen, was bedeutet, wir sollten uns alle nicht so wichtig nehmen, dennoch ist die Aufrechterhaltung der persönlichen Freiheit das A und O für den Fortschritt, die Menschlichkeit und die Kreativität: die Essenz unseres Daseins.

    In diesem Sinne: Kürzere Quarantäne macht Sinn, da die neuen Virusvarianten (Omikron und Co.) schwächer sind. Eine Impfkampagne ist notwendig, dennoch würde eine Impfpflicht zu weit gehen. Bald können wir uns als Menschen gratulieren, dass das Virus überstanden ist, und nehmen als Lektion mit: Lasst uns uns nicht als Menschen gegenseitig bekämpfen, wir brauchen unseren Zusammenhalt, um die Natur zu verstehen und der Natur zu folgen. Dies ist unser einziger Weg, denn die Natur kennt keine Gnade.“
    Johanna Granda

    Mit dem Virus leben lernen

    „Wann stellt sich endlich der erste Politiker hin und sagt, dass Omikron mit seiner hohen Ansteckung, aber seiner Ungefährlichkeit auch eine gute Chance ist, aus dem Panikmodus herauszukommen? Aber wenn man weiter nur auf Inzidenzen achtet, werden wir kaum den Teufelskreis beenden. Wir werden mit dem Virus leben lernen müssen. Ohne Beschränkungen.“
    Sascha Opel

    Impfen, boostern – und alles öffnen

    „Corona ist nicht zu leugnen. Die Möglichkeit für jeden, zumindest in unserem Land, sich impfen und boostern zu lassen, auch nicht.

    Es gibt nur eine Lösung: Impfen, boostern – gegebenenfalls im Jahres- oder Halbjahresrhythmus – und alles öffnen.

    Influenza, Diabetes, Rauchen, Alkohol und ungesunde Ernährung fordern auch jedes Jahr eine nicht unerhebliche Anzahl an Todesopfern! Selbst für das Autofahren nehmen wir die jährliche Unfallopferstatistik hin. Die Gurtpflicht schränkt auch ein, aber sie hilft, Menschenleben zu retten.

    Der Mensch muss wieder lernen, dass eine gewisse Opferbereitschaft zum Leben dazugehört. Der Kampf ums ‚Überleben‘ fängt mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle an.“
    Bernhard Derdzinski



    Corona-Warn-App verpflichtend machen

    „Um eine Kontaktverfolgung, wie aber auch eine wirksame Kontrolle (Geschäfte, Restaurants) zu ermöglichen, sollte die bereits für viel Geld entwickelte Corona-Warn-App verpflichtend gemacht werden. Die Meldung an Kontakte, im Falle einer positiven Testung, sollte weiterhin automatisch geschehen, und die App muss von jedem genutzt werden können. Dieses ist zurzeit nicht möglich, da Personen mit Google-Account zum Beispiel in Kenia das Herunterladen verwehrt wird, auch wenn Sie sich in Deutschland aufhalten.

    Mir wurde durch die App mitgeteilt, dass ich mit einer Person, die verbindlich positiv war, längere Zeit Kontakt hatte. Wer das war, ist für mich nicht nachvollziehbar, und das ist auch gut so und nicht erforderlich. Aber ich habe mich aufgrund dessen isoliert und mich testen lassen. Ich bin positiv. Danke an den oder die Unbekannte für die Meldung, denn so konnte ich eine weitere Verbreitung von meiner Seite aus zumindest reduzieren.
    Und an die Politik: Wenn denn das Virus so gefährlich ist, muss der Datenschutz mal temporär ins zweite Glied treten und müssen Entscheidungen getroffen werden, die für die Allgemeinheit gut sind, auch wenn es der eigenen Klientel oder kleineren Gruppen nicht passt.“

    Rolf Köpke

    Zwei Möglichkeiten, die Pandemie zu überstehen

    „Es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten, die Pandemie zu überstehen. Impfen mit meist mildem Verlauf oder sich infizieren mit hoffentlich nicht so schwerem Verlauf. Alle anderen Regeln verlängern nur den Übergang von der Pandemie zur Endemie.
    Jetzt geht es nur darum, diesen Übergang so hinzubekommen, ohne unser Gesundheitssystem zu überlasten. Die Impfungen sind verfügbar, und jeder kann nun für sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte.“

    Magdy Suleiman

    Kein Lockdown, keine sozialen Einschränkungen für Geimpfte

    „Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit und Transparenz.

    Das Virus greift alle lebenswichtigen Organe und Systeme im Körper an, insbesondere Lunge, Herz und Nieren. Damit ist eine Erkrankung ohne Impfschutz lebensgefährlich. Bitte mehr Aufklärung auch in den Medien. Die derzeit zugelassenen Vakzine schützen vor einem schweren Verlauf, nicht aber vor der Ansteckung mit den Virusmutanten und der weiteren Übertragung!

    Wir werden dem Virus wohl alle irgendwann begegnen. Geimpft reduzieren wir das Risiko um 99 Prozent. Zum Schutz der psychischen Gesundheit aller Menschen, insbesondere der Jugendlichen und Kinder, sollte die 2G-plus-Regel (geboostert) für Erwachsene überall gelten, insbesondere im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz. Nur so kann die Gesellschaft Ungeimpfte und damit das Gesundheitssystem und die, die dort arbeiten, vor Überlastung schützen und für circa 85 Prozent der Bevölkerung endlich ein normales soziales Miteinander ermöglichen. Also kein Lockdown, keine sozialen Einschränkungen mehr für Geimpfte. Abstand und Masken sind ausreichend.“
    Corinna Moll

    Wer die Musik bestellt, zahlt

    „Impfskeptiker pochen auf ihr Recht, selbst über ihren Körper zu entscheiden. Sollen sie. Wenn diese Entscheidung Kosten einer Behandlung verursacht, müssen sie diese mit verantworten – wer die Musik bestellt, zahlt. Um dies sozial gerecht zu machen, halte ich eine Selbstbeteiligung nicht vollständig Geimpfter (vom Multimillionär bis zum Empfänger von Harz IV) an diesen Kosten in Höhe von 20 Prozent des monatlich verfügbaren Nettoeinkommens für angemessen. Geld ist eine starke Motivation. Die Impfquote wird sich deutlich verbessern.“
    Hans-Dieter Hojnacki

    1G für alle

    „Angesichts der (nicht nur zeitlich) begrenzten Wirkung der Impfstoffe ist doch eine Bevorzugung der Geimpften mit Vernunftsargumenten nicht mehr nachvollziehbar. Es reicht eine einzige Maßnahme, nämlich generell 1G, wobei dieses G für tagesaktuell getestet steht. Dies gilt dann für alle: für Geimpfte, Geboosterte, Genesene genauso wie für die (restlichen) Ungeimpften. Allerdings sollte der Staat die Überprüfung der Testergebnisse nicht mehr auf die Gastronomiebetriebe und Läden abwälzen, sondern selbst (zum Beispiel durch Bundeswehrangehörige) übernehmen oder die Kosten hierfür den Betreibern erstatten.“
    Bert Zilles

    Nur unzureichende Daten

    „Ich würde mir ausgewogene, tatsächlich nachvollziehbare und gut begründete Maßnahmen wünschen. Das ist leider nicht der Fall, da es für viele Bereiche keine oder nur unzureichende Daten gibt. Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr beim Friseur oder beim Zahnarzt? Welche Daten genau rechtfertigen den Ausschluss ungeimpfter Personen (2G)? Nach fast zwei Jahren Pandemie entscheiden Politik und Experten für viele Branchen immer noch auf Basis unzulänglicher oder nicht vorhandener Daten.

    Das Schlüsselwort für die Politik lautet Vertrauen, und das gewinnt man nicht durch schlechte Kommunikation, gebrochene Versprechen und nicht nachvollziehbare Maßnahmen.“
    Alexander Kachler

    Verkürzung der Quarantäne ist folgerichtig

    „Ja, Einschränkungen in der Gastronomie sind notwendig mit der 2G-Regel. Zudem sollte die Politik für die Branche weitere Hilfsmaßnahmen konzipieren, wenn auch bei eingeschränktem Betrieb Einbußen zu verzeichnen sind.

    Alles Mögliche muss getan werden, damit die kritischen Strukturen erhalten bleiben. Fallen diese aus, kommt zum exponentiellem Wachstum der Omikron-Variante ein exponentielles Einbrechen der Infrastruktur des Gesundheitssystems, der Feuerwehr, Polizei und anderer kritischer Systeme. Darum ist der Entschluss der Verkürzung der Quarantäne nur folgerichtig. Hoffen wir aber, dass es nicht so weit kommt.“
    Lutz Berger

    2G(-plus) als reine Schikane gegenüber Ungeimpften

    „Mittlerweile steht fest, dass selbst dreifach Geimpfte sich weiterhin mit Covid infizieren und auch andere anstecken können. Die Versprechen der Pharmaindustrie einer langjährigen oder gar lebenslangen Immunität (= Schutz vor Selbst- und Fremdansteckung) haben sich leider nicht bewahrheitet. Einziger konsequenter Schutz namentlich vulnerabler Gruppen vor einer Infektion bleibt das Testen, und zwar von Geimpften und Ungeimpften (1G = getestet). Hingegen ist 2G(-plus) als reine Schikane gegenüber Ungeimpften zu werten, um den Impfdruck weiter aufrechtzuerhalten.“
    Christian Hubatsch

    Zuletzt debattierte die Handelsblatt-Leserschaft über die Pläne der EU-Kommission, demnach Atomkraft und Erdgas als nachhaltig eingestuft werden sollen. Welche Meinungen vertreten waren, können Sie hier nachlesen

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