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23.08.2019

06:24

Pro und Contra

Negativzinsen: Krieg gegen den Sparer oder purer Populismus?

Die Politik prüft ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer. Thomas Sigmund fordert den Schutz, der Sparer werde kalt enteignet. Jan Hildebrand hält die Debatte für populistisch.

Die Meinung zum Verbot von Negativzinsen für Sparer ist gespalten. dpa

Negativzinsen

Die Meinung zum Verbot von Negativzinsen für Sparer ist gespalten.

Pro: Krieg gegen den Sparer

Banklobbyisten und Ökonomen sind entsetzt über ein Verbot von Negativzinsen für Kleinsparer. Gerade die Volkswirte müssten sich jedoch an ihren Gründervater Adam Smith erinnern. Der bezeichnete Verschwender als Staatsfeinde und jeden Sparer als öffentlichen Wohltäter. Diese Wahrheit haben diese Ökonomen vergessen. Sie vertreten mit den Interessenvertretern der Geldinstitute das Gegenteil. Man kann es auch so sagen: Die Banken wollen Kasse machen.

Dabei sollten alle an die Akzeptanz von Entscheidungen in der Bevölkerung denken. Der Staat profitiert von der Nullzinspolitik der EZB seit einem Jahrzehnt. Die Zeche zahlen bis heute die Sparer, die kalt enteignet werden. Jetzt wird ihnen mit den Negativzinsen endgültig der Krieg erklärt. Die Geldprofis sagen schlau, die Bürger hätten ihr Erspartes ja in Aktien investieren können.

Manchmal sind es dieselben, die vor zehn Jahren wertlose Lehman-Zertifikate empfohlen haben. Die deutsche Sparkultur spielt da keine Rolle mehr. Die bevorzugt Sparbücher, Tagesgeld und Lebensversicherungen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Schuljunge mein erstes Sparbuch bekommen habe. Es war ein „Jeans-Sparbuch“ der Volksbank. Jeden Monat ging ich auf die Bank, und der Mitarbeiter trug meine Taschengeldbeträge feinsäuberlich mit Kugelschreiber in das mit Jeansstoff versehene Büchlein ein. So etwas prägt sich in die persönliche DNA ein – und viele, viele andere dürften ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Trotzdem wollen Wissenschaftler wie der DIW-Ökonom Marcel Fratzscher aus dem Elfenbeinturm heraus im Eilverfahren das Verhalten ganzer Volkswirtschaften umkrempeln. Klar, es wäre schöner, wenn der Zinsmechanismus wieder greifen würde und man nicht an den Symptomen kurieren müsste. Bis es aber so weit ist, sollten Politiker wie Markus Söder oder Olaf Scholz sich Gedanken darüber machen, wie sie einen Schutzschirm für den Sparer aufspannen. Schutzschirme für Banken gab es bereits, warum also nicht für den Steuerzahler, der hier alles finanziert.

Die Bürger fragen sich zu Recht: Wo bleiben wir? Otto Normalverbraucher versucht, alles richtig zu machen. Er legt, wie von allen Seiten eingefordert, sein sauer verdientes Geld fürs Alter auf die hohe Kante. Jetzt soll er dafür bestraft werden. Nebenbei gesagt: Die Banken verdienen sich schon mit den Kontoführungsgebühren eine goldene Nase. Wenn die Politik auf die Negativzinsen jetzt nicht reagiert, muss sie sich nicht wundern, wenn die Bürger das an der Wahlurne tun. Thomas Sigmund

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Naumann

23.08.2019, 09:33 Uhr

Kennen Sie noch den Hit "und jetzt wird wieder in die Hände gespuckt"? Wenn Sie Arbeiter oder Kleinunternehmer sind tun Sie es nicht! In diesem Land werden Sie nämlich dafür bestraft. Die Politik der EZB enteignet mit Niedrigzinsen alle Sparer. Private Altersversorgungen werden zestört. Die Immobilienpreise explodieren. Die Target 2 Salden der Bundesbank belaufen sich fast auf eine Billion Euro und unser Finanzminister führt genau die Arbeit weiter die Herr Schäuble begonnen hat. Bringen Sie das sauer ersparte in sichere Häfen weil das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht! Es sei denn Sie haben 1.000 Euro Rente pro Tag???

Herr Helmut Metz

23.08.2019, 09:45 Uhr

Sowohl Herr Sigmund als auch Herr Hildebrand haben Recht. ;-)
Herr Hildebrand deshalb, weil die Politik den "Schwarzen Peter" der EZB alleine zuschiebt.
Aber sich dermaßen verschuldet, dass man die vom Markt geforderten Zinsen nicht mehr bezahlen kann, wenn die Zentralbank nicht "intervenieren" würde, das hat nun einmal die Politik getan (bzw. die Regierungen vieler Euro-Staaten).
Die Alternative zu Niedrig- bis Negativzinsen für die Zentralbank heißt auf gut Deutsch: "drucken". Dazu müsste dann aber wiederum die Politik u.a. den Euro-Stabilitätspakt und die Maastricht-Kriterien abschaffen. Das aber will man auch nicht - obwohl man sowieso schon fast alle EU-Abkommen gebrochen hat. ;-)

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