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09.08.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die deutschen Unternehmen produzieren in diesen Tagen vor allem negative Nachrichten. Handelskrieg, Brexit und digitale Transformation belasten nicht nur die Stimmung in den Firmen, sondern auch die Bilanzen. Gewinnwarnungen wie bei Daimler, BASF oder Thyssen-Krupp gehören zur neuen Normalität der Unternehmenskommunikation. Wo es noch schlechter läuft, werden Entlassungen angekündigt. Im schlimmsten Fall droht – wie beim Anlagenbauer Eisenmann – die Insolvenz. Die Optimisten nennen den Zustand konjunkturelle Delle, die Pessimisten Krise.

dpa

Adidas wird unter Kasper Rorsted immer profitabler.

Firmen, die ihre Anleger überzeugen, gibt es nur wenige. Adidas gehört dazu. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach steht unter Konzern-Chef Kasper Rorsted noch besser da: Der Umsatz ist um fünf Prozent auf 5,5 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn im zweiten Quartal um zehn Prozent auf 462 Millionen Euro. Nach oben ging es auch mit der operativen Marge – um 0,4 Prozentpunkte auf 11,7 Prozent. Rorsted bestätigte mit dem Rückenwind dieser Zahlen die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Auch wenn die Aktie gestern nachgab: Rorsted ist offenbar ein Manager, der verdient, was er verdient.

Die Aussichten am Konjunkturhimmel verdüstern sich derweil. Seit China die heimische Währung auf ein Elf-Jahres-Tief hat fallen lassen und die USA der Volksrepublik „Währungsmanipulation“ vorwerfen, sorgt sich der Rest der Welt vor einem Abwertungswettlauf. Ein solches Schreckensszenario hat es bereits Anfang der 30er Jahre gegeben, die wirtschaftlichen und politischen Folgen waren katastrophal.

Der neue kalte Krieg: Die USA und China befinden sich seit fast einem Jahr im Handelsstreit.

Die Handelsblatt-Titelgeschichte „Der neue kalte Krieg“ beschreibt den Kampf zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping um die technologische, ökonomische und politische Vorherrschaft in der Welt. Ob die beiden Protagonisten rechtzeitig die Bremse ziehen, bevor die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzt, ist völlig ungewiss. Vernunft scheint schon lange nicht mehr der Ratgeber in Washington und Peking zu sein. Und dann ist da noch die Warnung von Mahatma Gandhi: „ Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“

Mit dem Zustand der Welt hat sich auch der Weltklimarat beschäftigt. Der zentrale Befund des Sonderberichts: Die Massentierhaltung beschleunigt den Klimawandel. Und dieser wirke sich durch steigende Erderwärmung und Extremwetter auf die Nahrungsmittelsicherheit aus. Die Empfehlung des Weltklimarats: Eine ausgewogene Ernährung, die verstärkt auf Gemüse und Getreide setzt. Man muss den Bericht der Klimaforscher nicht mögen, aber ernst nehmen.

Neue Hiobsbotschaften aus Deutschland: Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) laufen 19 von 96 Regionen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. In der Kategorie Wirtschaft sind vor allem Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven abgeschlagen. In der Kategorie Infrastruktur weisen Emscher-Lippe, Trier, Westpfalz, Altmark, Magdeburg und Halle/Saale die größten Probleme auf. Das Demografie-Problem ist besonders ausgeprägt in Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald und Oberlausitz-Niederschlesien.

Das Ergebnis der Studie bestätigt das Ungerechtigkeitsempfinden der Menschen. Die gleichwertigen Lebensverhältnisse, die das Grundgesetz vorgibt, gibt es in der Realität nicht. Deutschlands Regionen zerfallen – und damit der Zusammenhalt der Gesellschaft. Der Befund ist nicht nur schockierend, sondern Nährboden für die AfD. Es ist Zeit für einen Masterplan für Deutschland.

dpa

Olaf Scholz gerät innerhalb seiner Partei unter Druck, die Schwarze Null aufzugeben, um Mehrausgaben für die Klima- und Bildungspolitik zu finanzieren.

Nach Informationen meiner Berliner Kollegen hat das Bundesfinanzministerium verschiedene Vorschläge zur Finanzierung des Klimapakets der Bundesregierung erarbeitet. Ein Vorschlag sieht offenbar die Aufnahme neuer Schulden vor. Demnach soll der Energie- und Klimafonds die Erlaubnis bekommen, Kredite aufzunehmen. Die Idee klingt wie ein moderner Schildbürgerstreich: Verschuldung durch die Klima-Hintertür. Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) reagierte beschwichtigend: „Es gibt keine Entscheidung, den ausgeglichenen Haushalt aufzugeben.“ Irgendwie klingt der Satz nach Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Bleiben Sie zuversichtlich.

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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