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28.11.2022

09:11

Morning Briefing

Ausweitung: Proteste gegen Corona-Politik in China eskalieren

Von: Christian Rickens

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

erst der Iran, jetzt China: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen erheben sich Menschen in einem autokratischen Regime gegen eine ideologisch motivierte und als unmenschlich empfundene Politik. Das Aufbegehren des Volkes in beiden Staaten hat auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun und auf den zweiten eine ganze Menge.

Im Iran war der Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam der Auslöser, der den angestauten Unmut in offenen Protest umschlagen ließ. In China war es offenbar der Tod von zehn Menschen bei einem Wohnungsbrand in der westchinesischen Provinz Xinjiang, die wegen der strikten Corona-Maßnahmen womöglich nicht schnell genug Hilfe bekamen.

Hunderte gingen in Shanghai, Peking und Wuhan gegen die immer neuen Ausgangssperren auf die Straße, Hunderttausende äußerten ihren Frust in sozialen Netzwerken. Auf Videos waren Rufe zu hören wie „Xi Jinping, tritt zurück!“ oder: „Kommunistische Partei, tritt zurück!“. Es waren die größten Proteste seit Jahrzehnten in China.

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    Die Gemeinsamkeit mit den Protesten im Iran: In beiden Fällen geht es um die ideologische Verbohrtheit eines Regimes, das von einem falschen Weg nicht abrücken kann, weil es damit seine eigene Fehlbarkeit eingestehen würde. Es ist diese fehlende Fähigkeit zur Selbstkorrektur, die bislang noch jede Diktatur zu Fall gebracht hat.

    dpa

    In der Hauptstadt Peking und anderen Millionenstädten gingen Demonstranten zu Hunderten auf die Straßen.

    Die Corona-Zahlen erreichen in China derweil eine neue Rekordmarke: Am Montagmorgen registrierte die nationale Gesundheitskommission mehr als 40.000 Neuinfektionen an einem Tag. Chinas Null-Covid-Politik ist offensichtlich gescheitert. Der Präsident der EU-Handelskammer in Peking, Jörg Wuttke, sieht das Land in einer „katastrophalen Situation“. Während sich die Welt öffne und zu „business as usual“ zurückkehre, sei man in China wieder in einer unsicheren Lage.

    Weltweit wächst die Furcht vor einer neuen Finanzkrise. Nach der Bundesbank, der EZB und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt nun auch die Notenbank von Singapur vor steigenden Risiken und „potenziell dysfunktionalen“ Finanzierungsmärkten. Der BIZ bereiten anders als 2008 nicht internationale Großbanken die meisten Sorgen, sondern der nichtregulierte Finanzsektor. Zu ihm zählt die BIZ unter anderem Hedgefonds und Vermögensverwalter. Dieser Bereich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

    Grafik

    Dass die Warnungen Substanz haben, zeigt der „Composite Indicator of Systemic Stress“ (CISS), ein Krisenbarometer, das die EZB entwickelt hat und das sich aus 15 verschiedenen Indikatoren zusammensetzt. Zuletzt ist der CISS deutlich über das Niveau zum Höhepunkt der Corona-Pandemie gestiegen. Höher lag er seit Beginn des Jahrtausends nur während der Finanz- und Euro-Schuldenkrise.

    Der für Finanzstabilität zuständigen Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bereitet vor allem das Zusammenspiel unterschiedlicher Risiken im Finanzsystem Sorgen. Dazu zählt Buch den Krieg Russlands gegen die Ukraine, geopolitische Risiken für die Lieferketten und die Folgen des Klimawandels. Durch diese fundamentalen Faktoren habe sich die Gefahr einer Rezession oder eines abrupten Zinsanstiegs an den Märkten erhöht. Buch: „Jedes einzelne Risiko mag beherrschbar erscheinen, aber es kann gefährlich werden, wenn mehrere zugleich eintreten.“

    Seit gestern Abend widmet sich Deutschland wieder seinem eigentlichen Volkssport Nummer Eins: Der Vorrunden-Arithmetik. Gefühlt alle zwei Jahre, wenn die Nationalmannschaft den Start in die Welt- oder Europameisterschaft verstolpert hat, geht an den Stamm- und Kantinentischen der Republik das Gerechne los. So auch diesmal: Nach dem 1:1 gegen Spanien am Sonntagabend ist Deutschland mit einem Punkt Gruppenletzter. Am Donnerstag um 20.00 Uhr trifft Deutschland auf Costa Rica und zeitgleich Spanien auf Japan. Wir kommen weiter ins Achtelfinale...

    • bei einem Sieg gegen Costa Rica, wenn zugleich Spanien gegen Japan gewinnt.
    • bei einem Sieg gegen Costa Rica mit mindestens zwei Toren Unterschied, wenn Spanien und Japan unentschieden spielen.
    • bei einem Sieg mit einem Tor Unterschied, wenn Spanien und Japan unentschieden spielen und Japan danach insgesamt weniger Tore geschossen hat als Deutschland.
    • bei einem Sieg gegen Costa Rica, wenn Spanien gegen Japan verliert und Deutschland die aktuell um acht Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber Spanien aufholt.

    Haben Sie alles problemlos verstanden? Dann sollten Sie sich vielleicht bei Ihrem Arbeitgeber für die Position des Strategiechefs ins Gespräch bringen.

    Erinnern Sie sich noch an Claus Ruhe Madsen, den dänischen Möbelhausbetreiber und Bürgermeister von Rostock, der mit seiner pragmatisch-zupackenden Corona-Politik bekannt wurde? Seit Juni ist Madsen Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein.

    Gestern haben Rostocks Bürgerinnen und Bürger über seine Nachfolge entschieden, und erstmals wird Mecklenburg-Vorpommerns größte Stadt von einer Frau regiert: Die 40-jährige Linke-Politikerin Eva-Maria Kröger setzte sich in der Stichwahl gegen ihren Mitbewerber durch – den von CDU und FDP unterstützten parteilosen Michael Ebert. SPD und Grüne hatten ihre Wähler aufgefordert, für Kröger zu stimmen.

    Am Sonntagabend war das Handelsblatt als Medienpartner dabei, als zum dritten Mal die Rangliste der 101 besten Hotels Deutschlands vorgestellt wurde. In kurzer Zeit hat sich das Ranking zum maßgeblichen Kompass der Hotellerie in Deutschland entwickelt. Dabei beruht die Liste wesentlich auf den aggregierten Gästebewertungen von Portalen wie Tripadvisor oder Booking, bietet also ein hohes Maß an Objektivität.

    Was mich als Hamburger besonders freut – zum dritten Mal in Folge steht ein Haus an der Spitze der Rangliste, das zu den ganz persönlichen Lieblingsorten in meiner Heimatstadt gehört: Das Hotel Vier Jahreszeiten, das seinen Abstand zur Verfolgergruppe sogar noch einmal ausbauen konnte.

    Auch wenn die Zimmerpreise im Vier Jahreszeiten Ihr Übernachtungsbudget womöglich ebenso sprengen wie meines, kann ich Ihnen nur empfehlen: Trinken Sie dort bei Gelegenheit ein Kännchen Tee in der hoteleigenen Wohnhalle (die heißt wirklich so). Genießen Sie die unaufgeregte Freundlichkeit des Personals, den unbezahlbaren Blick auf die Binnenalster und spüren Sie, wie Ihnen mit jedem Schluck ein bisschen hanseatischer zumute wird.

    Hoteldirektor Ingo Peters, der einst als Page im Vier Jahreszeiten begann, benannte bei der Preisverleihung im Europapark Rust ein überraschend klares Rezept, mit dem er die Spitzenposition verteidigt: „Wir überlegen jeden Tag, wie wir die Mitarbeiter begeistern, denn die brauchen wir um die Gäste zu begeistern.“

    Im kommenden Jahr machen wir den Wettbewerb noch ein bisschen härter: Dann weiten wir das Ranking auf den gesamten deutschsprachigen Raum aus. Man darf gespannt sein, ob sich das Vier Jahreszeiten auch gegen ein Hotel Sacher in Wien oder ein Baur au Lac in Zürich behaupten kann.

    Ich wünsche Ihnen einen Tag, der ohne Zögern fünf Sterne verdient.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Christian Rickens

    Textchef Handelsblatt

    PS: Energieeffizienz und Nachhaltigkeit – zwei Ziele, die nahezu jedes Unternehmen derzeit verfolgt. Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) dabei helfen? Melden Sie sich kostenlos für unser Livestream-Event an und diskutieren Sie mit führenden Expertinnen und Experten am 1. Dezember darüber, wo die KI in Sachen Nachhaltigkeit unterstützen kann und wo sie an ihre Grenzen stößt.

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