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01.10.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das Gespräch zwischen den Präsidenten Donald Trump (USA) und Wolodimir Selenski (Ukraine) hat beste Chancen, zum Telefonat des Jahrzehnts ernannt zu werden. Nachdem wir gelernt haben, wie der Mann aus Washington seinen Gesprächspartner quasi nötigte, Untersuchungen gegen den Demokraten Joe Biden anzustoßen, stellt sich nun Ungeheuerliches dar: Auch Außenminister Mike Pompeo war bei der obskuren Transatlantikrunde mit dabei. Wer weiß, welche Überraschungen dieser Fall noch bietet. Der sich ausufernde Skandal ist jedenfalls eindeutig einer Situation vorzuziehen, in der die Wahrheit zu kurz kommt.

dpa

Auf dem Parteitag der britischen Konservativen ist Johnson der Star.

Einen Tag oder auch zwei darf er wieder Magic Johnson sein, der Held der Brexit-Hardliner. Blaue Kaffeebecher mit seinem Konterfei und einem Spruch („Lasst uns den Brexit durchziehen“) sind beim Parteitag der Tories in Manchester der Verkaufshit, so beschreibt es unsere Korrespondentin Kerstin Leitel. Für ein paar Stunden sind all die schweren Themen im Leben des Premiers Boris Johnson verschwunden: die Affäre mit einer US-Unternehmerin genauso wie das Bedrängen einer Journalistin oder die Opposition in Westminster. Doch schon morgen muss der Regierungschef, nach seiner Rede, wieder zurück ins feindlich gesinnte London. „Boris Johnson ist zu Kompromissen bereit“, sagt der ehemalige Staatssekretär Alistair Burt, der aus der Partei geworfen wurde – und der auf einen EU-Exit-Deal in letzter Minute hofft.

Die Kohle gegen die Kohle muss Bundesfinanzminister Olaf Scholz einsammeln. Schon am Mittwoch will das Bundeskabinett den Haushaltsentwurf mit dem neuen „Ergänzungshaushalt 2020“ beschließen, der wiederum den Energie- und Klimafonds finanzieren soll. Eingeplant ist, dass die neuen CO2-Preise für Gebäude und Verkehr bis 2023 knapp 19 Milliarden Euro bringen sollen. An der „schwarzen Null“ soll sich nichts ändern. Sie ist seit Vorgänger Wolfgang Schäuble das Heiligtum deutscher Finanzplanung und das Ärgernis mancher Ökonomen.

Im Zirkus der Eitelkeiten setzen viele Konzerne auf die Luftnummern von Bilanzakrobaten. Bei Bayer zum Beispiel war im zweiten Quartal der Gewinn vor Steuern und Zinsen um ein Drittel eingesackt – doch wenn man Abschreibungen und Sondereinflüsse hinzuaddiert, kommt eine Gewinnsteigerung um 2,5 Milliarden Euro heraus. Und das war dann die zentrale Größe, mit der der Konzern verkündete: „Bayer operativ auf Kurs.“ Im Übrigen haben von 2008 bis 2018 exakt 17 der 30 Dax-Konzerne insgesamt 104-mal ihr Ergebnis mit den Mitteln der Bilanzhilfe korrigiert. Wieder einmal beweist sich eine Erkenntnis des großen Michel de Montaigne: „Nichts wird so fest geglaubt wie das, was wir am wenigsten wissen.“

Lasst uns über neue Wege im Wirtschaftsjournalismus reden: In unserem Medienhaus in Düsseldorf vergeben wir am kommenden Dienstag die Friedrich-Vogel-Preise für Top-Arbeiten in den Kategorien Hörfunk, Print und TV. Die Festrede zum Thema „Soziale Marktwirtschaft braucht eine vielfältige und freie Medienlandschaft“ wird Armin Laschet halten, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. An der ausgedünnten Regionalpresse und der jüngsten Bild-BamS-Glotze-Initiative von Axel Springer wird er womöglich nicht vorbeikommen. Eine Handvoll Tickets konnte ich reservieren, bitte eine kurze Mail an [email protected].

Man nennt München „Weltstadt mit Herz“, früher war hier mal die „heimliche Hauptstadt“. Und jetzt? Ist sie womöglich die weltgrößte Immobilienblase. Das stellt jetzt jedenfalls im Indikativ die Schweizer Großbank UBS in ihrem „Global Real Estate Bubble Index“ fest. An der Isar sind innerhalb von zehn Jahren die Löhne um 15 Prozent und die Mieten um mehr als 40 Prozent gestiegen, die Stadt macht folglich ihre Menschen arm. Acht Jahreseinkommen für eine 60-Quadratmeter-Bude sind keine Seltenheit. In sechs anderen Städten, etwa Frankfurt und Amsterdam, ist die Blasengefahr gemäß Bubble-Index ebenfalls hoch, dafür entspannt sich die Lage in Stockholm, Sydney oder Vancouver.

dpa

Der 56-Jährige wechselt zum 1. Oktober in das Managing Board der Kölner Kanzlei des Medienanwalts Ralf Höcker.

Ralf Höcker ist einer jener prominenten deutschen Medienanwälte, von denen sich Mandanten allein schon durchs Anheuern Blendgranaten-Wirkung erhoffen. Der AfD gelang es immerhin mithilfe des Juristen, dem Bundesverfassungsschutz zu verbieten, die Rechtsaußenpartei als „Prüffall“ zu bezeichnen. Nun hat Höcker einen neuen, vielleicht überqualifizierten Mitarbeiter: Hans-Georg Maaßen. Der umstrittene Ex-Präsident des Bundesverfassungsschutzes ist dort als „Off Counselor“ tätig. In der CDU füllt Maaßen die Rolle eines Alleinunterhalters aus, der vor allem bei Werteunion und AfD Applaus maximiert.

Und dann ist da noch Gesa Felicitas Krause, die im klimatisierten Stadion von Doha gestern Abend das Wunder schaffte, eine Bronzemedaille zu gewinnen. Im schnellsten 3000-Meter-Hindernisrennen der WM-Geschichte war die Frankfurterin um mehr als vier Sekunden schneller als bei ihrem vorherigen deutschen Rekord. Die von einigen Sponsoren unterstützte Sportlerin befindet sich bis zu neun Monate im Höhentrainingslager und läuft mitunter bis zu 180 Kilometer in der Woche. Mit Sokrates applaudieren wir: „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“

Ich wünsche Ihnen einen so bewegungs- wie erfolgreichen Tag. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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