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10.08.2022

06:00

Morning Briefing

Causa „Wasserabfuhr“: Donald Trump soll Unterlagen vernichtet haben

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon ein bisschen her, dass Bücher über Donald Trump viel Wirkung hatten. Mit „Confidence Man: The Making of Donald Trump and the Breaking of America“ der „New York Times“-Journalistin Maggie Haberman könnte es Anfang Oktober jedoch wieder so weit sein. Über den „Trickbetrüger“ und die mit ihm einhergehende „Zerstörung Amerikas“ verbreitet sie brisante Fotos. Sie beweisen angeblich, dass der Mann mit der roten Baseballkappe während seiner Präsidentschaft verbotenerweise im Weißen Haus und in der „Airforce One“ Unterlagen per Toilettenspülung in den Orkus befördert hat – was Trump und Co bestreiten.

Das FBI jedenfalls sicherte Dokumente, auch Geheimes, als es am Montag bei einer Razzia in Trumps Anwesen Mar-a-Lago 15 Kisten mit Papier abtransportierte und sogar einen Safe öffnen ließ. Das Prinzip „panta rhei“, alles fließt, hat die US-Bundespolizei nicht weiter interessiert. Trumps Unterstützer sehen bereits „Deep State“ am Werk: eine Verschwörung gegen Trump, der sein Comeback plant.

USA

Mutmaßliche FBI-Razzia gegen Donald Trump

USA: Mutmaßliche FBI-Razzia gegen Donald Trump

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Erstmals könnte die Causa „Wasserabfuhr“ für die US-Justiz kein Griff ins Klo sein. Die bisherige Bilanz ist bei Gott trübe. Aus Ermittlungen gegen Trumps Hotel-Organisation, die vom Staat für Veranstaltungen zur Amtseinführung Trumps viel zu viel Miete kassiert haben soll, ist selbst nach fünf Jahren nichts erfolgt. Auch stocken zwei Untersuchungen in Manhattan und im Bundesstaat New York, wonach Trump in der Steuererklärung bewusst falsche Angaben zum Wert seiner Immobilien gemacht haben soll – das reduzierte Steuern und sicherte Kredite.

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    In Georgia wiederum geht es um Wahlbetrug: Trump soll am 2. Januar 2021 per Telefon den Innenminister des Bundesstaats aufgefordert haben, fehlende Stimmen für einen Wahlsieg Trumps zu „finden“. Die meiste Aufmerksamkeit gibt es schließlich für Untersuchungen, ob Trump rund um den Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 einen Putsch befürwortet oder sogar geplant habe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

    Im Rechtsstreit um die Herausgabe seiner Steuerunterlagen an einen Ausschuss des Repräsentantenhauses muss Trump jetzt allerdings erneut eine Niederlage einstecken. Ein Berufungsgericht des District of Columbia entschied: Der Ex-Präsident muss die fraglichen Unterlagen herausgeben.

    Fazit: Noch steht auch in den USA offenbar keine Einzelperson über dem Gesetz.

    IMAGO/photothek

    Olaf Scholz: An die Inhalte der Gespräche mit den Warburg Bankern will sich der heutige Bundeskanzler nicht mehr erinnern.

    Wenn es um Ermittlungen der Justiz gegen wichtige Politiker geht, bewegt sich Deutschland glücklicherweise auf einem anderen, niedrigeren Niveau. Aber auch wir haben eine veritable Affäre: Cum-Ex. Banken und reiche Investoren schröpften den Staat – und in Hamburg hatte die SPD in Sachen Cum-Ex ein dampfendes Näheverhältnis zur Warburg-Bank.

    214.800 Euro im Bankschließfach des Genossen Johannes Kahrs aus der Elite der hanseatischen Sozialdemokratie lassen ebenso aufhorchen wie die Information, dass Cum-Ex-Ermittler für den Zeitraum 2015 bis 2018 die gesamten E-Mails des einstigen Stadtoberhaupts Scholz durchsucht haben. Der SPD-Politiker hat Erinnerungslücken, wenn er auf seine Gespräche mit den Verantwortlichen von Warburg angesprochen wird.

    Auch in diesem Polit-Finanzthriller gibt es übrigens ein enthüllendes Buch, das im Oktober erscheint: „Die Akte Scholz“ des Journalisten Oliver Schröm. Es sei der Scholz-Parteifreund Kahrs gewesen, der den Warburg-Bankern bei Cum-Ex half und ihnen „den Weg ebnete zur Finanzaufsicht, zum Bundesfinanzministerium und zu Scholz selbst“, erklärt der Autor. Warburg selbst dementiert jede Geldzahlung an Kahrs im Zusammenhang mit Cum-Ex.

    Wie viel angenehmer war für Scholz am Montag ein Besuch in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bunds (DFB)! Es handelt sich bekanntlich um eine archaische Organisation, die die in ihrem Auftrag kickenden Männer und Frauen höchst unterschiedlich bezahlt. Da wirkt der Regierungschef leicht menschlich und schnell reformerisch.

    „Equal Pay“ forderte Scholz und kritisierte, dass die jüngst so furios bei der Europameisterschaft auftretenden Nationalspielerinnen nach einem Sieg im Finale jeweils nur 60.000 Euro erhalten hätten, die Herren in diesem Falle 2021 jedoch auf je 400.000 Euro gekommen wären. Dass TV-Übertragungsgelder und damit die Märkte enorm differieren, thematisiert der Kanzler nicht. Vox populi gebietet anderes. „Ich finde, das ist etwas Politisches, deshalb macht es schon Sinn, dass man über gleiche Prämien diskutiert“, sagte Scholz nach seinem DFB-Ausflug, und: „Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden.“

    Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gibt einen realistischen Hinweis auf Angleichung der Honorare – „bei den Männern vielleicht ein bisschen weniger, bei den Frauen ein wenig mehr“.

    Grafik

    Zuletzt konnte man glauben, eine Airline wie die Lufthansa verwende intern für ihre operativen Operationen den Codenamen „Sparbrötchen“. Aber nein, alles ganz anders: So soll zum Beispiel die in der harten Coronazeit heruntergefahrene Bordverpflegung auf ganz neue Art aktiviert werden. Es spricht Erdmann Rauer, Chef der Lufthansa-Tochter LSG Group: „Catering ist mehr als das Tablett vor jedem Fluggast. Die Vision, sein Essen zu konfigurieren, wird Realität.“

    Es handelt sich um einen Wachstumsmarkt, für den weltweit nach 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2020 schon 21,8 Milliarden Euro im Jahr 2027 erwartet werden. Und da will auch die Lufthansa künftig, so wie die Air France, nachhaltig produzierte Lebensmittel und gutes Essen bieten. Nach all den Minderleistungen des Konzerns sagt man sich: Hier muss der Appetit beim Essen kommen.

    Es gibt einige heimische Fintechs wie Raisin aus Berlin oder WebID Solutions, die ihr Glück in den USA versuchen. Es ist ein schwieriges Terrain. Andererseits: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, ließen uns die Gebrüder Grimm wissen. Erwischt hat es in der Hauptstadt das Finanz-Start-up Nuri (500.000 Kunden) mit Chefin Kristina Walcker-Mayer, die gestern Insolvenz anmeldete. Zuvor schon war der US-Partner, die Kryptobank Celsius, gescheitert.

    Die Guthaben der Kunden seien nicht in Gefahr, teilt die Firma Nuri mit, das gelte auch für Kryptowährungen in digitalen Geldbörsen sowie die digitalen Investmentvehikel Nuri Pots. Offenbar schauen sich Banken und andere Fintechs genau an, was beim Pleitier zu verwerten ist – der im Übrigen selbst überhaupt keine Banklizenz hat, sondern mit Solaris kooperiert.

    Und dann ist da noch Serena Williams, 40, eine Kampf- und Umsatzmaschine des Tennis, die in 27 Jahren auf der Profitour ein Preisgeld von fast 100 Millionen Dollar eingespielt hat. Was also lag näher für die amerikanische Top-Sportlerin, die 23-mal bei Grand-Slam-Turnieren siegte, als den Abschied im Edel-Journal „Vogue“ anzukündigen: „Ich habe mich geweigert zuzugeben, dass ich mit dem Tennisspielen aufhören muss. Es ist wie ein Tabuthema“, schrieb sie: „Es kommt zur Sprache, und ich fange an zu weinen.“ Es sieht ganz so aus, als werde Williams bei den US Open (ab 29. August) in New York den letzten großer Auftritt haben.

    US-Tennisstar

    Serena Williams verkündet Rückzug aus dem Profisport

    US-Tennisstar: Serena Williams verkündet Rückzug aus dem Profisport

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    Von „Ruhestand“ wolle sie nicht reden, lieber von „Evolution“, und die trägt sie zu mehr Familie und zum Geschwisterkind für ihre Tochter Alexis Olympia. Neben der Familie kümmert sich Williams als Investorin um „Serena Ventures“ in San Francisco. Sie hat über ihre 2014 gegründete Plattform schon 77 Investments in Start-ups getätigt. 60 Firmen wie Send Wave, Master Class and Daily Harvest gehören zum Portfolio.

    Was die neue Karriere von Mrs. Williams angeht, wollen wir uns an Mark Twain halten: „Das Geheimnis des Erfolgs ist anzufangen.“

    Ich wünsche Ihnen einen glücklichen Tag mit vielversprechenden Anfängen.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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