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24.05.2019

06:00

Reuters

„Ich kann Ihnen versichern, wir sind zu harten Einschnitten bereit.“

Morning Briefing

Denkzettel für Deutsche Bank-Spitze

Von: Sven Afhüppe

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


die Führung der Deutschen Bank hat auf der gestrigen Hauptversammlung ihr persönliches Waterloo erlebt. Die Schwindsucht bei den Gewinnen, übertrieben hohe Bonuszahlungen und ein Aktienkurs auf Rekordtief haben bei den Anlegern Frust aufgebaut. Der entlud sich vor allem gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Ihn wollten nur 71 Prozent der Aktionäre entlasten. Das Abstimmungsergebnis ist ein Weckruf für die Bank-Spitze: „Kein Weiter-so!“

Reuters

„Ich kann Ihnen versichern, wir sind zu harten Einschnitten bereit.“

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hat den Ernst der Lage erkannt und einen größeren Umbau der Bank angekündigt. „Ich kann Ihnen versichern, wir sind zu harten Einschnitten bereit“, versprach Sewing den Aktionären. Vor allem die Investmentbank soll „noch mehr auf ihre Stärken“ ausgerichtet werden. Jetzt müssen den Worten nur noch Taten folgen. Sewing muss wissen: Vertrauen entsteht nur langsam, es ist die Summe positiver Erfahrungen.

Das Brexit-Chaos geht in die nächste Runde. Nach Berichten britischer Medien könnte Großbritanniens Premierministerin Theresa May heute den Zeitplan für ihren Rücktritt vorlegen. Die jüngste Niederlage bei dem Versuch, doch noch im britischen Unterhaus eine Mehrheit für ihren Brexit-Deal zu organisieren, war eine Niederlage zu viel. May hat offenbar verstanden, dass sie nicht mehr die Richtige ist, um den Brexit zu Ende zu bringen.

Die Europawahl droht so zur Abrechnung der Briten mit Tories und der Labour-Partei zu werden. In jüngsten Umfragen kommt die Partei von Theresa May nur noch auf sieben Prozent, bei der Europawahl vor fünf Jahren erreichten die Tories noch 23 Prozent. Das politische Establishment in London hat in den Augen vieler Briten nicht nur enttäuscht, sondern schlicht versagt.

dpa

Wohin steuert Europa?

Die Stimmung in Großbritannien könnte beispielhaft für den drohenden Absturz der Volksparteien in Europa stehen. Die Video-Affäre in Österreich, der ungelöste Handelskonflikt mit den USA und die schwelende Flüchtlingskrise haben die Bürger weiter vom Projekt Europa entfernt. Bei der Europawahl steht viel auf dem Spiel. Wenn künftige Generationen stolz auf ihre europäische Heimat sein sollen, müssen jetzt die notwendigen Reformen angepackt werden. Europa ist unsere Zukunft und unsere Verantwortung. Meinen Leitartikel zur Europawahl lesen Sie hier.

Den Wahlabend möchten wir gemeinsam mit unseren Lesern in der Zentrale der Handelsblatt Media Group in Düsseldorf verbringen. Zur Wahlanalyse haben wir unter anderem Professor Bert Rürup, Dominik Hierlemann von der Bertelsmann Stiftung und BCG Chairman Carsten Kratz eingeladen. Außerdem schalten wir zu unseren Korrespondenten ins europäische Ausland: Paris, Italien, Österreich, London, und natürlich nach Brüssel und Berlin. Eine Handvoll Karten konnte ich beiseitelegen. Lust, dabei zu sein? Dann schreiben Sie mir: [email protected]

Dieter Zetsche hat den Autokonzern Daimler geprägt wie kaum ein anderer Vorstandschef vor ihm. Nun steht Ola Källenius an der Spitze des Unternehmens. Offen, freundlich, integer: Mit diesen Eigenschaften hat es Källenius bei Daimler ganz nach oben gebracht. Jetzt muss er den Konzern zum effizienten Mobilitätsdienstleister umbauen. Aber besitzt der Mustermanager genug Härte, Vision und Veränderungswillen? Meine Kollegen Anna Gauto und Franz Hubik sind dieser Frage mehrere Monate lang nachgegangen. Herausgekommen ist unsere heutige Titelgeschichte über den neuen Daimler-Boss: „Anschnallen, bitte!“

Und dann ist da noch Norbert Bisky. Der Kunst-Weltstar war 18 Jahre alt, als vor 30 Jahren nicht nur die Mauer einstürzte, sondern sein Staat, die DDR, gleich mit. Über dieses Den-Boden-unter-den-Füßen-Verlieren, Instabilität als Normalfall – darüber haben wir für die neue Ausgabe des Handelsblatt Magazins mit dem Berliner gesprochen. Es wurde eine Deutsch-Stunde der besonderen Art, etwa als Bisky verriet, wann er sich für seine ostdeutschen Landsleute schämt. Zur weiteren Inspiration hat der Künstler mit dem Handelsblatt sogar eine eigene Edition aufgelegt. Für Bisky gilt der Satz von Leonardo da Vinci: „Geniale Menschen beginnen große Werke, fleißige Menschen vollenden sie.“

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende.

Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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