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11.10.2018

06:00 Uhr

Senior Editor

Hans-Jürgen Jakobs

Senior Editor

Morning Briefing

Der China-Coup von BMW

VonHans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Nacht, vor wenigen Stunden, glückte im nordchinesischen Shenyang ein Deal der Kategorie A, der Maßstäbe setzt. Inhalt: Erstmals darf ein deutsches Unternehmen in China die Mehrheit in einem (politisch verordneten) Joint Venture übernehmen. BMW wird so gegenüber dem lokalen Partner BMW Brilliance Automotive (BBA) Mehrheitsaktionär. Die Deutschen stocken in dem Joint Venture für insgesamt 3,6 Milliarden Euro von 50 auf 75 Prozent auf. Es wird ein weiteres, drittes Werk in China entstehen. Die Regierung in Peking verbindet mit dieser Zäsur erkennbar zwei Hoffnungen: auf mehr Produktivität bei E-Autos dank des Know-hows von BMW – und auf ein Signal der Liberalisierung, das in der deutschen Wirtschaft als Ermunterung gesehen wird.

dpa

Wird BMW-Chef Harald Krüger von Chinas Mächtigen belohnt?

Der Brilliance-Pakt ist nicht ganz so brillant für die US-Regierung. Die Deutschen wollen ihre für den Export nach China gedachten X5-Autos künftig nicht mehr im amerikanischen Spartanburg bauen, sondern direkt in China. US-Präsident Donald Trump hatte hohe Zölle erlassen. Ferner drängt sich der Eindruck auf, dass BMW-CEO Harald Krüger von Chinas Mächtigen belohnt wird, weil er für Batteriezellen einen Milliardenauftrag an die chinesische Firma CATL vergab, die wiederum ein Werk in Thüringen bauen will. Fazit: Die neue Weltordnung wird für deutsche Autobauer eindeutig „chinesischer“.

Seinen Ruf, 110-prozentig Wolfgang Schäuble zu sein, untermauert Olaf Scholz (SPD) eindrucksvoll. Kurz vor der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds warnt der Bundesfinanzminister – genau wie sein Vorgänger von der CDU – vor den hohen Schulden der Industriestaaten. Die italienische Regierung müsse „mit der hohen Staatsverschuldung umgehen“, und die auf Pump finanzierte US-Steuerreform sei nicht nachhaltig, warnt im großen Handelsblatt-Gespräch der Vizekanzler, der Kanzler werden will: „Schulden muss man sich dauerhaft leisten können.“ Geradezu vorbildlich sieht Scholz die Rolle der Deutschen als Konsolidierer. Das hatte Schäuble auch immer wieder betont.

Steigende Zinsen, ein abgewürgter Welthandel, nach unten korrigierte Konjunkturprognosen – so sehen die Ingredienzien für einen ökonomischen Giftcocktail aus. Die US-Börsianer haben es gestern Nacht begriffen und schickten den Dow Jones um mehr als drei Prozent auf Talfahrt – auf knapp 25.600 Zähler. Insbesondere die Aktien der Tech-Stars sackten ab: Amazon (minus 6,2 Prozent), Netflix (minus 8,4 Prozent), Facebook und Apple (Verlust jeweils mehr als vier Prozent). Was hier zischt, ist die heiße Luft, für die einige Maniacs der Digitalisierung gesorgt haben. Trump jedoch sieht die Schuld bei der Notenbank, sie sei „verrückt geworden“.

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Eine Zeitlang sah es so aus, als könne James Murdoch, 45, das Medienimperium seines Vaters Rupert, 87, übernehmen. Seitdem aber 21th Century Fox an Disney verkauft wurde und Sky Plc in London an Comcast ging, wartet der Sohn des Tycoons auf eine neue Herausforderung. Die könnte bei E-Autobauer Tesla auf ihn zukommen: Murdoch Jr. ist dort Favorit für den Chefposten im Verwaltungsrat, den Gründer Elon Musk nach seinem Kommunikations-Fiasko räumen musste. „Kein Ding ist gut oder schlecht, erst das Denken macht es dazu“, heißt es bei Shakespeare.

AP

Sein Verbleib ist ungeklärt, seit er vergangene Woche das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat.

Als großes Bündnis hatte US-Präsident Donald Trump das Verhältnis seines Landes zu Saudi-Arabien angelegt. Kronprinz Mohammed bin Salman galt als enger Freund in der Spannungszone. Nun hat der Chef des Weißen Hauses jedoch eine Menge Fragen, weil der regierungskritische saudische Journalist Jamal Khashoggi seit einem Besuch des Konsulats in Istanbul verschwunden ist und womöglich von einem Killerkommando ermordet wurde. Khashoggi lebte in den USA im Exil und schrieb für die „Washington Post“. Trump: „Wir wollen alles wissen.“ Washington sei „sehr enttäuscht“, man werde der Sache „auf den Grund gehen“.

Zehn Titel, bekannte Autoren, eine Keynote von René Obermann: Zum zwölften Mal verleihen Handelsblatt, Goldman Sachs und die Frankfurter Buchmesse den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Wirtschaftsbuchpreis. Es würde mich freuen, wenn einige von Ihnen mich am Freitag zu diesem besonderen Abend in den Frankfurter Hof begleiten würden. Schreiben Sie mir einfach, ein paar Tickets habe ich beiseitegelegt: jakobs@morningbriefing.de.

Und dann sind da noch die leitenden Mitarbeiter der südafrikanischen Genossenschaftsbank VBS, die umgerechnet 112 Millionen Euro von dem Geldinstitut stahlen. Rififi in eigener Sache. So kassierten der Finanzchef, Aufsichtsräte und Buchprüfer ohne Gegenleistung hohe Summen. Insgesamt 53 von 87 Personen machten krumme Geschäfte, wie die südafrikanische Zentralbank ermittelte, die nach einer Cashkrise das Geldhaus VBS unter Zwangsverwaltung gestellt hatte. Der beste Bankräuber hat offenbar eine Personalnummer.

Fundstelle in einem Essay des Schweizer Verlegers Michael Ringier über narzisstische Technokraten aus Silicon Valley vom Schlage eines Elon Musk oder Travis Kalanick von Uber: „Geld und Macht verändern nicht den Charakter – sie bringen ihn zum Vorschein.“

Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Tag, an dem sich Geld, Macht und Charakter gut ergänzen.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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