MenüZurück
Wird geladen.

03.06.2019

06:00

HANDOUT - 02.06.2019, Berlin: Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler und stellvertretender Parteivorsitzender spricht in der ARD-Talkshow «Anne Will» zum Thema «Nach Nahles-Rücktritt - wie geht es weiter mit der GroKo?». Foto: Wolfgang Borrs/NDR Presse und Information/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die genannte Sendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ dpa

«Anne Will»

HANDOUT - 02.06.2019, Berlin: Olaf Scholz (SPD), Vizekanzler und stellvertretender Parteivorsitzender spricht in der ARD-Talkshow «Anne Will» zum Thema «Nach Nahles-Rücktritt - wie geht es weiter mit der GroKo?». Foto: Wolfgang Borrs/NDR Presse und Information/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über die genannte Sendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Morning Briefing

Der Fall Nahles als Fall Scholz

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

mit verlässlicher Präzision hat das Sägewerk der SPD den politischen Total-Exit ihrer bisherigen Parteiheldin Andrea Nahles herbeigeführt. Noch vor den Stimmen der Wähler hatte die Frau, die einst Kanzlerin werden wollte, intern die nötige Autorität verloren.

Ihr Abschied ist zwangsläufig, aber allein war sie nicht. Ihr Misserfolg ist auch der des Bundesfinanzministers und Vizekanzlers Olaf Scholz. Ihre gemeinsame Formel sah Klientelismus in Perfektion vor, soziale Wohltatsgesetze für einzelne Gruppen, die diese an der Wahlurne belohnen würden. Es ist diese Kleinteiligkeit, dieses politische „Pepita“, die an diesem Sonntag gescheitert ist. Die Leute wollen, zurecht, große Antworten auf die großen Fragen dieser Zeit.

Ostpolitik oder „Demokratie wagen“ waren einst große Antworten der SPD. Dass die Partei seit 1990 sage und schreibe 15 Vorsitzende hatte, drei kommissarisch, einer (Franz Müntefering) wirkte zweimal, steht symbolisch für die Verlorenheit der Sozialdemokraten. Und wenn sie einmal ein großes Thema hatten (Agenda 2010) zerredeten sie es.

Nun tagt die SPD heute im Vorstand und am Dienstag in der Fraktion, man wird Angela Nahles rotrosig danken und sich irgendwie darüber hinwegmogeln, dass die Personalreserve für die Chefposition bei Lichte betrachtet auf zwei Personen (Manuela Schwesig, Stephan Weil) geschrumpft ist. Vizekanzler Scholz lehnt mit Verweis auf Arbeitsüberlastung ab – was irgendwie drollig ist, da zum Beispiel die früheren Chefs Willy Brandt und Gerhard Schröder nebenbei Bundeskanzler waren.

dpa

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wird als Nachfolgerin für Andrea Nahles gehandelt.

Kommissarisch darf man sich auf Rolf Mützenich (Fraktion) und Malu Dreyer (Partei) einstellen. Inhaltlich wollen die Genossen ein Klimaschutzgesetz forcieren, bei dem sie derzeit jedoch nur versprechen können, dass es kommt. Wie es aussieht, ob etwa eine CO2-Bepreisung kommt, hängt ganz vom Wohlwollen der Union ab. Schon Leonardo da Vinci wusste: „Die meisten Probleme entstehen bei ihrer Lösung.“

Die Privatisierung der Andrea Nahles lenkt natürlich erheblich von den Problemen der CDU und ihrer Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ab. In einer Vorstandsklausur sucht man heute bei den Christdemokraten nach Erhellung nach all den jüngsten Dämpfern; der erste Reflex reicht nur zur Versicherung, die Große Koalition auf jeden Fall fortzusetzen zu wollen („Verantwortung“).

Die Rezension zur Regierungsarbeit kommt von BDI-Präsident Dieter Kempf im Handelsblatt-Interview: Die Koalition stehe „für das mutlose Abarbeiten kleinteiliger Sozialarbeit, fokussiert sich viel zu stark aufs Umverteilen“, urteilt er. Scholz dürfe den enormen Druck, unter dem Industriebetriebe durch den scharfen Steuerwettbewerb stehen, „nicht länger ignorieren“. Man kann es auch wie mein Kollege Klaus Stratmann, auf ein klares Fazit bringen: „Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass die Große Koalition platzt.“

Geradezu in Begeisterung redet sich Porsche-Chef Oliver Blume, wenn die Sprache auf sein im September startendes E-Auto „Taycan“ kommt: Es erfülle die eigenen Maßstab, dass sich ein neuer Porsche immer so gut wie der Klassiker „911“ fahren lassen müsse. Davon habe er sich auf der Rennstrecke in Italien überzeugen können, sagt der Manager unseren Reportern: „Das Fahrzeug liegt noch satter auf der Straße.“ Wollen wir hoffen, dass es eines Tages auch „noch satter“ in der Bilanz stehen möge.

Satte 18 Jahre existiert im Apple-Imperium „iTunes“. Einst galt der Dienst als Rettung der Musikindustrie, aber das war vor Spotify und der Radikalität des Streamings. Spotify verbucht inzwischen fast 220 Millionen Nutzer und 100 Millionen zahlende Abonnenten, ein Erfolg aus „Old Europe“, wohingegen Apple nur 56 Millionen Kunden schafft.

AP

Beyoncé veröffentlichte 2013 ihr fünftes Album im Apple-Musikstore exklusiv. Es wurde in wenigen Tagen mehr als 800.000 Mal verkauft.

Nun wird Konzernchef Tim Cook in dieser Woche auf der „Worldwide Developers Conference“ in San Jose wohl das Ende des Angebots ankündigen, wie die Agentur Bloomberg berichtet. Es soll künftig drei verschiedene neue Apps für Musik, TV und Podcasts geben. Irgendwie ist es schon wieder triste Vergangenheit, dass Beyoncé 2013 ihr fünftes Album im Apple-Musikstore exklusiv in wenigen Tagen mehr als 800.000 Mal verkauft hat.

Vermutlich ist es weniger Respekt, als vielmehr eine gewisse Nachsichtigkeit aus eigenem Geschäftskalkül, die Medientycoon Rupert Murdoch gegenüber Donald Trump pflegt. Jedenfalls gibt der US-Präsident den Murdoch-Medien gerne strategische Interviews – wie jetzt anlässlich des heutigen Großbritannien-Besuchs in der „Sunday Times“, wo der Gast zum Brexit ohne Deal riet. In „The Sun“ wiederum bezeichnete der Amerikaner die Trump-Kritikerin Meghan Markle – inzwischen als Frau von Prinz Harry Teil der Royal Family – als „nasty“, also „fies“. Da der Präsident mittlerweile den Satz bestreitet, hat die „Sun“ die Audioaufnahme veröffentlicht. Wahrheit ist unser kostbarster Besitz, wusste Mark Twain, „lasst uns sparsam mit ihr umgehen“.

Deutschland debattiert über Klimaschutz und Klimapreise, aber was genau sollen erneuerbare Energien leisten? Was sind wir bereit, hierfür zu zahlen und wer sind die Profiteure des nötigen Wandels? Und wo sind rote Linien? Darüber diskutiere ich am Dienstag in der alten Revierstadt Bochum mit Frank Peter von Agora Energiewende und Deutsche-Bank-Anlagestratege Dirk Steffen. Moderator Markus Koch, Experte von der Wall Street, steht danach für ein Gespräch zur Verfügung. Sie wollen dabei sein? Schreiben Sie mir bitte eine Mail ([email protected]).

Und dann ist da noch Jürgen Klopp, deutscher Fußball-Trainer in Diensten des FC Liverpool, der nach sechs verlorenen wichtigen Endspielen nun das siebte gewann. Sein Team wurde nach einem 2:0 gegen Tottenham Hotspur am Wochenende Champions-League-Sieger, was natürlich sofort Begehrlichkeiten und den Marktwert enorm steigen ließ. Der FC Liverpool, der den vielen sozial Schwachen der Hafenmetropole jenes „Opium“ bietet, das einst die Religion für das Volk war, will nunmehr rasch Klopps Vertrag verbessern. Zumal schon einer wie Franz Beckenbauer, Ehrenpräsident des FC Bayern München, öffentlich erklärt, so einer wäre der Richtige für seinen Klub.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche, mit Marktwerten, die ganz Ihren Talenten entsprechen.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×