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24.04.2019

06:00

Senior Editor

Hans-Jürgen Jakobs

Senior Editor

Morning Briefing

Der nächste Deal der Deutschen Bank

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

bei der Deutschen Bank haben sie derzeit eine Art geografischen Tick, wenn es um brisante Verhandlungen geht. Und so wählte man in Frankfurt den schönen Codenamen „Pacific“ für die bis gestern Abend geheimen Kooperationsgespräche, die CEO Asoka Wöhrmann von der börsennotierten Fondstochter DWS mit der Großbank UBS aus Zürich führt. Dabei würden die Schweizer ihre Vermögensverwaltung, deren Volumen 693 Milliarden Euro beträgt, in die DWS (662 Milliarden) einbringen und mit Aktien belohnt werden. Die „Deutsche“ bliebe mit 40 Prozent größter Gesellschafter. Der Deal habe derzeit allerdings nur eine Wahrscheinlichkeit von 50:50, erfuhren wir aus Bankkreisen. Das ist ungefähr das Level, auf dem sich auch das Eheprojekt zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank bewegt. Doppelhochzeiten sind etwas für das alte Hollywood, nicht für die moderne Finanzwelt.

AP

Joe Biden: Der frühere Vize-Präsident (76) zielt aufs Weiße Haus. Sein größter Rivale im eigenen demokratischen Lager: Bernie Sanders (77).

Auf das Weiße Haus zielt der frühere Vizepräsident Joe Biden, 76, also auf die Nachfolge des dort amtierenden Immobilien-Nabob und Entertainers Donald Trump, 72. Spätestens für den morgigen Donnerstag wird in Washington eine entsprechende Erklärung des Demokraten erwartet. Fragt sich nur, wie Biden an das nötige Budget kommt, um eine Kampagne als „Middle-Class-Joe“ tatsächlich Mr. President zu werden. Der größte Rivale im eigenen Lager, Bernie Sanders, 77, verfügt über fast 27 Millionen Dollar. Für die zu erwartenden Schlammschlachten der Seventy-Somethings schwingt sich Biden schon mal ein: Vor einigen Tagen beschied er Gewerkschaftern: „Wall-Street-Banker und CEOs bauten Amerika nicht auf – Ihr wart das!“

Bei all der Häme und Nicht-Achtung, die US-Präsident Trump täglich zu spüren glaubt, hilft eine Nachricht aus Israel dem Ego. Danach will sich der jüngst bei den Parlamentswahlen wieder erfolgreich zum Premier gewählte Benjamin Netanjahu für eine Wahlkampfhilfe des Freundes aus Washington bedanken. Da Trump drei Wochen vor dem Urnengang publicity-trächtig die Golan-Höhen als israelisches Territorium anerkannte, will Netanjahu nun eine Ortschaft dort nach dem Amerikaner benennen: Trump Town wird Realität. Im pfälzischen Kallstadt dagegen, von wo aus Trumps Großeltern einst in die USA auswanderten, kann der Mann aus dem Weißen Haus solche Ehrerbietung nicht erwarten: Hier ist man vom „The-Donald“-Rummel nur genervt.

In Sri Lanka ist die Angst vor weiteren Terroranschlägen nicht gebannt. Terroristen sollen mit Sprengstoff unterwegs sein. Kaum beruhigend wirkt da die Botschaft des Präsidenten Maithripala Sirisena, es werde wichtige Änderungen im Sicherheitsapparat geben. Auch aufgrund indischer Geheimdienst-Informationen verdichtet sich das Bild, dass die islamistische Terrororganisation IS zusammen mit zwei lokalen Gruppen für die Oster-Anschläge verantwortlich ist, die bisher 321 Todesopfer brachten. Die Morde an 50 Muslimen in Moscheen des neuseeländischen Christchurch durch einen rechtsextremen Australier fand auf der schönen Ferieninsel im Indischen Ozean eine blutig-perverse Entsprechung.

Ausblick auf die Hauptversammlung von Bayer am Freitag: Wo früher Bienenzüchter gegen Pflanzenschutzmittel kämpften, wettern jetzt Investoren. Wo einst Biologie zu retten war, ist nun die Finanzökonomie bedroht. Und so könnten Vorstand (CEO: Werner Baumann) und Aufsichtsrat (Chef: Werner Wenning) in zwei Tagen herbe Abstimmungs-Flops erleiden. Unsere Titelstory zeigt, wie etliche Großfonds gegen ihre Entlastung für 2018 stimmen oder sich enthalten wollen. Der Bayer-Kursverlust nach Kauf der US-Firma Monsanto polarisiert, Glyphosat wirkt hier wie ein Renditevernichtungsmittel. Von „Fehltritt“ und „einem Desaster für Aktionäre“, spricht Ingo Speich vom Sparkassenfonds Deka. Bei solchem Kopfschmerz hilft nicht mal Aspirin.

Die ganz große Fantasie beim aufquellenden Thema „Autonomes Fahren“ ist abgekühlt, Realismus zieht ein. So erklärt Thomas Sedran, Chef der Nutzfahrzeuge bei VW, nun im Handelsblatt-Interview, wieso die neue, sehr kostspielige Technik erst einmal nur etwas für Mobilitätsdienste sei (etwa Moia aus dem eigenen Haus) sowie für Busse und Lkw: „Menschen zu ersetzen, ist sehr schwierig.“ Bei Privatnutzern rechnet der Manager erst nach 2030 mit größeren Verkaufszahlen – vorher müsse die Technologie günstiger werden. Mit Georg Christoph Lichtenberg wissen wir: „Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.“

dpa

Hannelore Elsner: Die „letzte Diva“ starb im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in München.

Deutschland trauert um die Schauspielerin Hannelore Elsner, eine Frühberufene und Späterkannte, die bereits 1959 – mit 17 – zum Film gefunden hatte, an der Seite von Freddy Quinn in „Freddy unter fremden Sternen“. Das war Auftakt zu einer Karriere im deutschen Jux-Kino, ehe sie in den 1970er-Jahren im Fernsehen Fuß fand, später sehr erfolgreich als „Die Kommissarin“. Zum Triumphzug wurde ihre Rückkehr auf die große Leinwand in „Die Unberührbare“ (2000) über die Schriftstellerin Gisela Elsner. Es folgten Meisterwerke wie „Mein letzter Film“ oder „Kirschblüten – Hanami“. Am Ostersonntag ist die Münchnerin, die sie in den Feuilletons jetzt „Die Berührbare“ oder „Die letzte Diva“ nennen, im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Und dann ist da noch die saarländische Hauptstadt Saarbrücken, in deren Verwaltung Feuer unter dem Dach ist. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) scheiterte wiederholt vor Gericht mit dem Plan, ihren Chef der Feuerwehr loszuwerden. Um Josef Schun, 42, tobt seit zehn Jahren ein erbitterter Kampf, der offenbar mit einem schlechten Führungsverhalten des Beamten zu tun hat. Das Vertrauensverhältnis ist erschüttert. Zuletzt signalisierten sogar 90 von 200 Feuerwehrleuten, offenbar aus Unmut über ihren Chef jäh vom Morbus Schun erfasst, sie seien krank. Und dann meldete sich der Feuerwehrchef gestern Nachmittag, wenige Stunden nach Dienstantritt, ebenfalls kurzfristig krank. Auch an der Saar ereignen sich bedeutende Vorgänge zweimal: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.


Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Tag ohne größere Brandherde. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
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