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10.01.2019

06:00

Donald Trump warnt vor langem „Government Shutdown“ Reuters

Donald Trump

Wegen des „Shutdowns“ sind Hunderttausende Regierungsbedienstete im Zwangsurlaub oder müssen vorerst ohne Gehalt arbeiten.

Morning Briefing

Der Wut-Präsident – Trump bricht Treffen mit Demokraten ab

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


eine Kamera wäre schon schön gewesen bei dem Treffen, das Donald Trump gestern mit seinen Opponenten von der Demokratischen Partei im Weißen Haus hatte. Sie hätte gezeigt: einen veritablen Wutanfall des Präsidenten mit anschließender Fluchtbewegung. Repräsentantenhaussprecherin Nancy Pelosi hatte die 5,7 Milliarden Dollar für die Mauer zu Mexiko schlicht verweigert. Streit und Shutdown eskalieren somit in Washington weiter, Hunderttausende Beamte bleiben wegen der Haushaltssperre ohne Lohn. Trump besucht jetzt die mexikanische Grenze und droht offiziell damit, den nationalen Notstand auszurufen. „Make America Great Again“ wirkt in diesem Gerangel wie der Titel einer Realsatire.

In den nächsten Tagen werden auch die Brexit-Debatten im britischen Parlament für weitere Konfusion sorgen. Diese begann schon gestern mit der knappen Entscheidung des Unterhauses, wonach Premierministerin Theresa May nächste Woche innerhalb von 72 Stunden einen Plan B präsentieren muss, falls ihr EU-Brexit-Vertrag durchfällt. Unterdessen wird das Chaos bei einem Hard Brexit ohne Vertrag immer klarer erkennbar. Wir beschreiben das in zwei Geschichten. Da ist zum Beispiel der EU-Status der spanischen Airline Iberia in Gefahr, die mit British Airways zur Holding IAG gehört. Und Airbus könnte die Flügel für seine Jets auch nicht mehr ohne Weiteres aus dem Vereinigten Königreich beziehen. „Überlegen macht überlegen“, wusste der Flieger Antoine de Saint-Exupéry.

Wirtschaft liebt nicht nur Fakten, sondern auch Fabeln. Sonst wären Investoren nicht so erpicht auf das Zauberwesen „Einhorn“, das sich bekanntermaßen durch einen (angenommenen) Firmenwert von mindestens einer Milliarde auszeichnet. In diese finanz-zoologische Abteilung hat es jetzt – als erster deutscher Fintech-Betrieb – die junge Smartphonebank N26 mit ihren 2,3 Millionen Kunden gebracht. Das Start-up hat bei der jüngsten Finanzierungsrunde nach Handelsblatt-Informationen die Rekordsumme von 260 Millionen Euro eingesammelt, auch von Allianz, GIC und Earlybird. Der Gesamtwert liegt damit, einhorngemäß, bei 2,3 Milliarden Euro.

dpa

Werner Mauss, Ex-Agent mit den Tarnnamen „Richard Nelson“ und „Claus Möller“.

Noch einmal ist Werner Mauss, 78, in den Medien ein Thema, der Meisterspion früherer Jahre, der als Phantom durch die deutsche Politik und Medienlandschaft geisterte. Heute verkündet der Bundesgerichtshof sein Urteil über Revisionen im Steuerstrafverfahren gegen den deutschen James Bond außer Dienst. Sowohl Mauss als auch die Ankläger waren mit der Mild-Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung des Landgerichts Bochum aus dem Oktober 2017 unzufrieden. Der Ex-Agent mit den Tarnnamen „Richard Nelson“ und „Claus Möller“, der im Hunsrück wohnt, war auch durch hohe Spenden an die CDU Rheinland-Pfalz aufgefallen.

Die Deutsche Bank ist finanzstärker, als viele sie machen, doch sie hat ein paar Skandale zu viel durchlebt. So muss sich das Institut wegen Geldwäsche-Vorfällen seit September einer Art „betreutem Banking“ stellen, sie wird dabei intern begleitet von KPMG, dem Sonderbeauftragten der Aufsichtsbehörde Bafin. Die Bank muss nun bis Sommer ihre 20.000 riskantesten Kunden (Firmenklientel, Investmentbanking) aufs Neue scannen und fehlende Informationen einholen, wie unsere Redakteurin Yasmin Osman erfahren hat. Der Finanz-Nacktscan ist nur eine von acht Vorgaben der Aufseher.

Eine weitere unangenehme Geschichte für die Deutsche Bank wird von Hamburg aus ausgelöst. Dort sitzt die Privatbank Warburg, die beim Landgericht Frankfurt nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR eine Klage eingereicht hat. Der Casus ist kompliziert, handelt vom Cum-Ex-Steuerskandal und hat zum Inhalt, dass es die „Deutsche“ als Depotbank bei Aktiendeals „pflichtwidrig“ versäumt habe, fällige Steuern an den Fiskus abzuführen, argumentiert Warburg. Von der hanseatischen Bank wiederum fordert das Finanzamt mindestens 47 Millionen Euro zurück, gegen Aufsichtsratschef Christian Olearius und weitere Beschäftigte ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft. So viel Ungemach ist für die „besten Kreise“ ziemlich degoutant.

Hollywoods Frauen sind entsetzt: Der in der #MeToo-Affäre auffällige Top-Manager John Lasseter füllt wieder einen wichtigen Job aus. Im Disney-Konzern hatte der Mitgründer des bekannten Animationstudios Pixar gehen müssen, nachdem er Fehlverhalten gegenüber Kolleginnen einräumte. Nun darf er Skydance Animation leiten, eine Tochterfirma des Produzentenreichs von David Ellison, dessen Vater Larry als Oracle-Milliardär bekannt wurde. Man sei sicher, so Ellison Junior, dass Lasseter wertvolle Lektionen gelernt habe. Die Antidiskriminierungs-Organisation Time's Up dagegen ist überzeugt: Die Beförderung bestätige ein „kaputtes System, das mächtigen Männern erlaubt, ohne Konsequenz zu handeln.“

AP

Jeff Bezos und Ehefrau MacKenzie wollen sich nach 25 gemeinsamen Jahren scheiden lassen.

Und dann ist da noch Jeff Bezos, Amazon-Gründer und reichster Mann der Welt, der theoretisch mit einem Schlag die Hälfte seines XXL-Vermögens von 137 Milliarden Dollar einbüßen könnte. Der 54-Jährige und seine Noch-Frau MacKenzie wollen sich nach 25 gemeinsamen Jahren scheiden lassen. Eine solche Konstellation hat schon manchen Wohlstand vernichtet. Im Hause Bezos aber soll ein Rosenkrieg vermieden werden, das Paar demonstriert Eintracht in der Trennung. MacKenzie Bezos, eine Schriftstellerin, hatte in der Gründungszeit des Online-Konzerns offenbar eine tragende Rolle gespielt.


Ich hoffe, Sie werden nicht von Schneemassen und Lawinengefahr in Südbayern und Österreich drangsaliert und wünsche Ihnen einen harmonischen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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