Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

kaum ein Thema hat Märkte und Menschen in dieser Woche so bewegt wie der Umbau der Deutschen Bank. Im Zentrum steht die Fokussierung auf Unternehmenskunden und die Entlassung von 18.000 Mitarbeitern. Ein solcher Kahlschlag ist außergewöhnlich für einen deutschen Konzern. Als wir die Zusage zum ausführlichen Gespräch mit Bank-Chef Christian Sewing bekamen, stand die Entscheidung fest, dass wir aus diesem Stoff die aktuelle Titelgeschichte fertigen. Wie entschlossen Sewing seinen Reformplan umsetzen will, sagt ein einziger Satz: „Ich darf keine Rücksicht nehmen.“

Die neue Strategie der Deutschen Bank ist ambitioniert und ebenso riskant. Konzern-Boss Sewing gibt sich optimistisch, dass die Wende gelingt: „Uns zu unterschätzen wäre ein Fehler.“ Auf die Frage, wie er sich verhält, sollten die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht werden, antwortet Sewing unmissverständlich: „Dann werde ich mich dafür verantworten. So, wie sich das gehört.“ Wie Sewing die Deutsche Bank retten will, lesen Sie im Interview.

dpa

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hat mit dem Konzernumbau eine schwierige Aufgabe vor sich.

Noch wichtiger als die Meinung des Vorstandschefs ist die der Kunden der Deutschen Bank. Die Skandale und Rechtsverstöße der Vergangenheit hat das fast 150 Jahre alte Geldhaus viel Reputation gekostet. Sewing verspricht eine neue Kultur. Dass Londoner Manager am Montag einen Schneider für Maßanzüge ins Büro bestellten, als zeitgleich Hunderte Kollegen entlassen wurden, nennt er „respektlos“. Sewing verlangt Anstand und bessere Umgangsformen. Am besten erinnert sich die Bank an ihren alten, aber klugen Werbeslogan: „Vertrauen ist der Anfang von allem.“

Nicht selten werden Entlassungen in Unternehmen durch schlechte Kommunikation noch schlimmer gemacht. Wer wissen will, wie man sich von Mitarbeitern trennt, ohne die Moral bei allen Beschäftigten nachhaltig zu beschädigen, sollte den Text „Und raus bist du!“ auf unseren Karriereseiten lesen. Gutes Trennungsmanagement ist komplex, aber nicht unmöglich. Pflichtlektüre nicht nur für den Vorstand der Deutschen Bank.

Schlechte Nachrichten für die Wirtschaft: Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat die Pläne für eine Entlastung von mittelständischen Personengesellschaften erst einmal auf Eis gelegt, wie meine Berliner Kollegen erfahren haben. Auf eine Anfrage der Grünen, welche konkreten Steuererleichterungen die Regierung für kleine Firmen und Familienunternehmen noch plane, hat Scholz‘ Ministerium nur ausweichend geantwortet: „Das Unternehmenssteuerrecht wird laufend auf Anpassungsbedarf an veränderte Rahmenbedingungen überprüft.“ Für das geplante „Unternehmensstärkungsgesetz“ heißt das: lochen, abheften, wegsperren.

dpa

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) war in dieser Woche in den Vereinigten Staaten unterwegs.

Mit dieser Entscheidung verschließt die Regierung die Augen vor der Wirklichkeit. Die Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen sollte Berlin ernst nehmen, die Schlechtwetterfront in der Weltwirtschaft wird nicht spurlos an Deutschland vorüberziehen. Jetzt kann die Wirtschaft nur hoffen, dass sich der transatlantische Handelsstreit entspannt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier zeigte sich nach seinen Gesprächen in Washington zuversichtlich. Er hält Fortschritte bis Jahresende für möglich, „wenn der politische Wille da ist“. Das Problem: Der politische Wille ist bei US-Präsident Donald Trump nur schwer vorhersehbar.

Auf die von Frankreich beschlossene Digitalsteuer auf Umsätze von Tech-Konzernen wie Google, Amazon, Facebook und Apple hat der US-Präsident wie erwartet verschnupft reagiert. Seinen Handelsbeauftragten hat er um eine Untersuchung gebeten, um festzustellen, welche Auswirkungen die Digitalsteuer auf den US-Handel haben würde. Im Zweifel drohen Frankreich Strafzölle oder andere Handelsrestriktionen. Der Schuss aus Paris droht nach hinten loszugehen.

dpa

Tennis-Legende Boris Becker bei den diesjährigen Wimbledon Championships in London.

Und dann ist da noch Boris Becker. Die Zwangsversteigerung privater Gegenstände der Tennislegende ist beendet. Beim britischen Auktionshaus kamen fast 700.000 Pfund zusammen. 2017 war Becker von einem Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Mit dem Geld aus der Versteigerung sollen Gläubiger bedient werden. Beckers Insolvenzverwalter ist zuversichtlich, dass die Tennislegende in einem halben Jahr schuldenfrei sein könnte. Beckers Kampf gegen die eigenen Schulden ist schon jetzt seit längstes und härtestes Match.

Ich wünsche Ihnen ein sportliches Wochenende. Denken Sie an Ihre Gesundheit!

Herzliche Grüße,

Sven Afhüppe
Chefredakteur

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×