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26.07.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Überraschung aus Wolfsburg: Während Daimler und BMW mit Absatzproblemen kämpfen, hat Volkswagen seinen Gewinn gesteigert. Konzern-Chef Herbert Diess gelang das Kunststück, den Betriebsgewinn in den ersten sechs Monaten um zehn Prozent auf knapp neun Milliarden Euro zu verbessern. Grund für die positive Nachricht sind die erfolgreichen Effizienzprogramme und die Verkleinerung der Modell-Palette. Mit Blick auf die schwächelnde Konkurrenz kann man nur sagen: Respekt!

Doch auch im VW-Reich könnte die Champagnerlaune schnell verfliegen. Branchenexperten rechnen mit einem Rückgang der Autoproduktion von fünf Prozent in diesem Jahr. Nach Jahren der Sonderkonjunktur steht die Autobranche weltweit vor schweren Zeiten. Konjunkturflaute und technologische Transformation werden nur Konzerne mit hoher Anpassungsfähigkeit überleben. Es gilt der Satz von Charles Darwin: „Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern eher diejenige, die am ehesten bereit ist sich zu verändern.“

dpa

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hat niedrigere Zinsen und mögliche Zukäufe von Anleihen in Aussicht gestellt.

Die düsteren Konjunkturaussichten und eine schwache Inflation zwingen auch die Europäische Zentralbank umzusteuern. Nach der Sitzung des EZB-Rats sagte Notenbank-Präsident Mario Draghi: „Alle Instrumente sind auf dem Tisch.“ Wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung und der internationalen Handelskonflikte seien „signifikante geldpolitische Impulse“ notwendig.

Die Ankündigung ist für Banken und Sparer in Europa eine Drohung: Die EZB-Politik der Null- und Negativzinsen in Kombination mit einem großangelegten Kaufprogramm von Staatsanleihen wird in den nächsten Jahren fortgesetzt – oder sogar verschärft. Die anhaltende Umverteilung zwischen Schuldnern und Gläubigern droht mehr und mehr zum Spaltpilz in Europa zu werden. Draghi wird nicht nur der erste EZB-Präsident sein, der die Zinsen in seiner achtjährigen Amtszeit nicht ein einziges Mal angehoben hat. Er wird seiner Nachfolgerin Christine Lagarde, die noch Chefin des Internationalen Währungsfonds ist, auch ein schweres Erbe hinterlassen.

Boris Johnson wird sich mit Blick auf die Dauer-Krise in Europa in seinen Plänen eines schnellen Brexit bestätigt fühlen. In seiner ersten Parlamentsrede als Premierminister kündigte er Verbesserungen in vielen Bereichen an. Seine Aufgabe sei es, das Vereinigte Königreich „zum großartigsten Land der Erde“ zu machen. Im Jahr 2050 könne Großbritannien die am kräftigsten florierende Wirtschaft Europas sein. Die Sätze passen zur Alles-oder-nichts-Rhetorik des Boris Johnson. Wahrscheinlich glaubt er sogar daran, dass er bis 2050 regiert.

Schlechte Nachrichten für die Energiewende: Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Deutschland so wenige Windräder gebaut wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Nur 86 Anlagen sind neu hinzugekommen, 82 Prozent weniger als im Vorjahr. Abzüglich der zurückgebauten Windräder schrumpft der Neubau auf 35 Anlagen zusammen. Grund für die Flaute sind vor allem Klagen. Das Problem gibt es auch bei anderen Infrastrukturprojekten. Der Befund ist wenig ermutigend: Deutschland blockiert sich selbst.

Getty Images [M]

Moderne Gentechnik: Der riesige Markt um die Genschere Crispr.

Der Siegeszug des Menschen über Krankheiten war bisher vor allem Gegenstand cineastischer Utopien. Wie „Gattaca“, der Film von Andrew Niccol aus dem Jahr 1997, der die gesellschaftlichen Folgen von DNA-Manipulationen weitsichtig beschreibt. Mittlerweile hat sich das Editieren des Erbguts durch die Genschere Crispr zu einem rasant wachsenden Markt entwickelt. Unsere aktuelle Titelgeschichte „Der perfekte Mensch zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der neuen Gentechnologie.

Feng Zhang schwärmt von den Möglichkeiten, die Crispr bietet. Zugleich warnt der renommierte Neurowissenschaftler vor DNA-Manipulationen an Embryonen. Im Interview mit dem Handelsblatt fordert er Gesetze, die den Einsatz von Crispr für die menschliche Reproduktion streng regulieren. „Diese Technologie hat eine große ethische Relevanz. Wir müssen die Oberhand behalten und darüber nachdenken, wie wir die Technologie regulieren können.“ Der Physiker Max Planck kommt einem in den Sinn: „Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Die gute Nachricht ist: Die Hitzewelle schwächt sich ab.

Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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