Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2019

06:00

President Donald Trump speaks at a campaign rally in Bossier City, La., Thursday, Nov. 14, 2019. (AP Photo/Gerald Herbert) AP

President Donald Trump speaks at a campaign rally in Bossier City, La., Thursday, Nov. 14, 2019. (AP Photo Gerald Herbert)

President Donald Trump speaks at a campaign rally in Bossier City, La., Thursday, Nov. 14, 2019. (AP Photo/Gerald Herbert)

Morning Briefing

Die Anti-Trump-Show

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

live zur Primetime läuft derzeit im US-Fernsehen aus dem Repräsentantenhaus ein parlamentarisches Indizienverfahren zur Ukraine-Affäre. Es lässt Präsident Donald Trump als „Frank Underwood in echt“ erscheinen, als skrupellosen Strippenzieher wie der Regierungschef aus der TV-Serie „House of Cards“. Außenpolitik war bei ihm Innenpolitik, die Regierung in Kiew sollte offenbar mit avisierter Militärhilfe gefügig gemacht werden, gegen den Trump-Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu ermitteln. Den Anfang in der Reality-TV-Politshow machten nun zwei Top-Diplomaten, die von einem Parallelnetzwerk berichteten und vom Kommunikationschaos, das Trumps Anwalt Rudy Giuliani hinterließ. Trump habe im Kampf gegen Biden versucht, „Dreck aufzuwühlen“. Am schönsten hat einmal Henry Kissinger solche Politik karikiert: „Das Illegale erledigen wir sofort, das Verfassungswidrige dauert etwas länger.“

dpa

Günther Oettinger hat offenbar sein Interesse bekundet, Präsident des Autoverbandes VDA werden zu wollen.

Wenn es so kommt, wie meine Kollegen recherchiert haben, müsste die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) eine heikle Aufgabe bewältigen. Sie könnte dem scheidenden EU-Kommissar und Parteifreund Günther Oettinger per Sondergenehmigung erlauben, eine Abkühlphase von 18 Monaten für neue Industrie-Jobs zu umgehen. Dann wäre der Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg sofort frei, Daimler und Porsche aus dem Ländle sowie den anderen deutschen Autokonzernen zu helfen. Oettinger hat offenbar nach vorherigen Absagen doch sein Interesse bekundet, Präsident des Autoverbandes VDA zu werden. Zuletzt sah es so aus, als würde die frühere Staatsministerin Hildegard Müller (ebenfalls CDU), vorher Vorständin von Innogy, den Posten bekommen. Irgendwie fällt einem bei der neuen Volte der Titel eines Hits von James Brown ein: „It’s a Man’s World“.

Dieter Zetsche, das war ein älterer Mann, der immer jünger wirkte. Jeans, Sneakers, offenes Hemd, ein plötzliches Faible für die digitale Welt. Problemblöcke wie Abgas-Manipulationen oder Kartellbildung wurden da mikroskopisch klein. Ola Källenius, das ist ein jüngerer Mann, der immer älter wirkt. Anzug, zurückhaltender Auftritt, Rechenschieber-Management. Heute wird der Zetsche-Nachfolger in der CEO-Rolle bei Daimler den Investoren und Analysten konkrete Sparpläne enthüllen, wie Franz Hubik in unserer Titelstory erzählt. Beim Kapitalmarkttag in London muss der Schwede jenes Misstrauen ausräumen, das entsteht, wenn das mittelfristige Renditeziel von acht Prozent aktuell um fünf Punkte verfehlt wird. Statt Zetsche-Pop ist nun die hohe Schule des Betriebsabrechnungsbogens gefragt.

Die nächsten drei Texte hängen miteinander zusammen. Das Thema – die Klimafrage – prägt die westlichen Industriegesellschaften immer stärker. Die Warnungen der Wissenschaftler kommen parallel zur beschleunigten Erderwärmung in immer kürzeren Abständen. Aktuell sind es die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris, die mit ihrem neuen Weltenergiebericht aufrütteln wollen. Demnach ist der Ausstoß von Kohlendioxid – energiebedingt – so stark gestiegen wie 2018, nämlich um 1,9 Prozent. 70 Prozent des Zuwachses gehen auf das Konto von China und den USA. „Wie mit einem Laser“, findet IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol, „muss die Welt den Brennpunkt dringend auf die Verringerung der weltweiten Schadstoffemissionen richten“.

Man kann dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte nicht vorwerfen, dass er in solchen Fragen untätig bleibt. Anders als die Deutschen, die selbst Tempolimit 130 überfordert, führt sein Land zur Reduktion der Luftverschmutzung tagsüber Tempo 100 auf der Autobahn ein. Das sei nötig, um den Ausstoß von Stickoxiden zu senken, referiert der rechtsliberale Politiker. Okay, es sei „eine beschissene Maßnahme“, aber hier gehe es „echt um höhere Interessen“. Das höchste Gericht des Landes hatte im Mai große Bauvorhaben blockiert, weil die anhaltend hohen Emissionen von Stickoxid die EU-Grenzwerte sehr deutlich übersteigen.

AP

Teile Venedigs sind unter Wasser.

Für Luigi Brugnaro, Bürgermeister von Venedig, steht fest, was der Klimawandel mit mehr Starkregen und stark steigendem Meeresspiegel in seinem Leben anrichtet. Das Rekord-Hochwasser in der Lagunen-Stadt (in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch stieg es auf 1,87 Meter) nennt er „mehr als außergewöhnlich“, das sei eine „Katastrophe“. Er rief den Notstand aus. Vier Fünftel der Fläche sind unter Wasser, selbst in den Markusdom dringt Wasser ein, das Theater „La Fenice“ sagt Konzerte ab. Stühle und Tische treiben durch die Straßen, mindestens 60 Schiffe sind beschädigt. In dieser Apokalypse nimmt Venedig wieder Anstrengungen auf, ein Flutschutzsystem zu errichten, glaubt aber an seine Spruchweisheit: „Sterben ist die letzte Dummheit, die wir begehen.“

Und dann ist da noch Oliver Bierhoff, der den raumgreifenden Titel „Direktor Nationalmannschaften und Akademie“ trägt, und doch höchst betrübliche Nachrichten von der Publikumsfront überbringt. Die EM-Qualifikationsspiele der Fußballer am Samstag gegen Weißrussland und drei Tage später gegen Nordirland sind wieder nicht ausverkauft. Nach einer Reihe von Minderleistungen sind Coach Joachim Löw und seine Nationalelf offenbar Kassengift. Und Bierhoff muss nun auch Fehler bei der Vermarktung einräumen: „Wir haben das, ja, ein bisschen überdreht.“ Die Idee, „Die Mannschaft“ wie einen Müsliriegel zu verkaufen, endet auf dem Wertstoffhof.

Ich wünsche Ihnen einen produktiven Tag mit dem richtigen Gefühl für Selbstmarketing.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×