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23.05.2019

06:00

FILE PHOTO: The financial district with the headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank , is photographed on early evening in Frankfurt, Germany, January 29, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo Reuters

FILE PHOTO: The financial district with the headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank , is photographed on early evening in Frankfurt

FILE PHOTO: The financial district with the headquarters of Germany's largest business bank, Deutsche Bank , is photographed on early evening in Frankfurt, Germany, January 29, 2019. REUTERS/Kai Pfaffenbach/File Photo

Morning Briefing

Die Deutsche Bank übt Demut

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Kosten senken ist eine schöne Übung, aller Ehren wert. Aber was ist, wenn die Erlöse ebenfalls verfallen? Mit diesem Problem ist die Deutsche Bank vor ihrer Hauptversammlung konfrontiert. Als Emergency Zone erweist sich dabei ein früherer Glanzbereich, das Investmentbanking, wo Gewinne sprudelten, aber auch Boni und Strafzahlungen. Als Demutsgeste gegenüber den dauerfrustrierten Aktionären darf eine Aussage von Finanzchef James von Moltke in unserer aktuellen Ausgabe gedeutet werden: „Uns ist klar, dass wir noch viel tun müssen, um den Wertpapierhandel profitabel zu machen.“ Die Titelstory über das Geldhaus ist ein Baustellenreport.

dpa

Ein Bezirksgericht in New York wies die Bemühungen Trumps und seiner Familie zurück, die Herausgabe von Bankunterlagen an den US-Kongress zu unterbinden.

Man kann leicht den Überblick verlieren über all die Prozesse und Rechtsverfahren rund um Donald Trump. Es kokelt an vielen Stellen. Prekär für den US-Präsidenten könnten zwei aktuelle juristische Entscheidungen sein. Einmal erlaubt ein Bundesrichter der Deutschen Bank, Kreditunterlagen über ihren Kunden Trump – wie verlangt – dem US-Repräsentantenhaus zu übergeben. Und dann spricht der Gesetzgeber des Staates New York dem von den oppositionellen Demokraten beherrschten Gremium das Recht zu, Trumps Steuererklärungen einzusehen. Die Finanzbehörden dürfen die Unterlagen aushändigen. Die Entzauberung dieses Präsidenten ist ein langer bürokratischer Akt, dessen Happy End Transparenz ist.

Vom Putsch einiger Konservativer gegen die britische Premierministerin Theresa May ist wieder einmal die Rede. Doch diesmal scheint ihr politisches Ende tatsächlich nur eine Frage weniger Tage zu sein. Sichtbares Zeichen war gestern der Rücktritt von Parteifreundin Andrea Leadsom – kurz vor Beginn der Europawahlen. Die Vorsitzende des Unterhauses, zuständig für Parlamentsfragen, glaubt einfach nicht mehr, dass Mays Manöver noch zu einem EU-Austritt führen. Die gescheiterte Regierungschefin muss sich an George Bernard Shaw halten: „Die besten Reformer, die die Welt je gesehen hat, sind die, die bei sich selbst anfangen.“

Fake News sind einfach weitaus mehr sexy als Fakten – so begründet EU-Justizkommissarin Věra Jourová im Handelsblatt-Interview das Erstarken nationalistischer Parteien in Europa. „Deren Inhalte treiben den Adrenalinspiegel nach oben, deshalb bekommen sie mehr Aufmerksamkeit und werden öfter geteilt“, findet sie. Die liberale Tschechin hofft, dass die „Ibiza-Affäre“ der österreichischen FPÖ den Menschen die Augen öffne: Dann würden sie die schmutzigen Methoden jener sehen, die vorgeben, ihre Heimat zu verteidigen – und die doch bereit seien, ihre Heimat „zum eigenen Vorteil an fremde Mächte zu verkaufen.“

Im Streit der Bayer-Tochter Monsanto mit US-Zivilklägern wegen Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat drängt ein Richter in San Francisco auf gütliche Einigung. Vince Chhabria, bei dem hunderte Klagen gebündelt sind, bestellt hierzu den renommierten Mediator Kenneth Feinberg, der auch von VW im „Dieselgate“-Skandal beauftragt wurde. Zwei Glyphosat-Krebs-Prozesse hat Bayer bereits verloren. Und nun stellt sich auch noch heraus, dass auf schwarzen Listen über Monsanto-Kritiker in Deutschland rund 300 Namen von Politikern, Umweltaktivisten und Journalisten stehen, wie das Handelsblatt erfuhr. Es habe sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben, aber sich auf das Schlechte zu verlassen, wusste der große Aphoristiker Alfred Polgar.

dpa

FIFA-Chef Gianni Infantino wollte das Teilnehmerfeld der WM 2022 von 32 auf 48 Mannschaften aufstocken. Doch der Plan ist gescheitert.

Mit dem Friedensnobelpreis wird Gianni Infantino, Chef des Weltfußballverbands Fifa, nicht mehr ausgezeichnet werden. Sein Plan, die Weltmeisterschaft 2022 um 16 auf dann 48 Teams aufzustocken, ist gescheitert. Gastgeberland Katar hätte das Turnier mit verfeindeten Nachbarländern wie Saudi-Arabien oder Bahrain teilen sollen – ein Verständigungsprojekt für den Fifa-Chef, der sich als „Brückenbauer“ positioniert. Ein solcher Vorschlag sei jetzt aber nicht zu verwirklichen, erklärt der Verband desillusioniert. Das ist wohl auch eine Reaktion auf barbarische Akte in Saudi-Arabien sowie die Weigerung des Oman, WM-Spiele auszutragen. Vielleicht hat Infantino in Wahrheit ja auch Geld gemeint, wenn er von Frieden redete.

Eine gute Redaktion ist so etwas wie die perfekte Mischung aus fahrender Kapelle und United Artists. Moderner Ausdruck der wünschenswerten Vielfalt sind Podcasts. Und so entwickelt das Handelsblatt in diesen Wochen eine Kette solcher Audio-Angebote. Fragen der Führungskultur erörtern dabei meine Kolleginnen Carina Kontio und Andrea Rexer in ihrem Podcast „Handelsblatt Mindshift“ – ein Talk mit Anders-, Quer- und Neudenkern sowie Regelbrechern. Den Anfang macht Justizministerin Katarina Barley (SPD), in der nächsten Folge wird Douglas-CEO Tina Müller zu Gast sein.

Und dann ist da noch Eurowings, das Armenhaus der stolzen, gutverdienenden Lufthansa. Vom 4. Juni an wird es bei Deutschlands größter Billigfluglinie in der Economy Class nichts mehr gratis zu essen und zu trinken geben. Das gilt auch für Passagiere, die den teureren Tarif „Smart“ gebucht haben. Die Tage der „Verpflegungskombination“ (Getränk plus Snack) sind endgültig gezählt. Wer eine Flasche Wasser will, zahlt drei Euro. Im Cockpit sitzt Herr Schmalhans, der über solche Gleichbehandlung wacht.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag – mit Dienstleistern, die nicht nur Geld sparen wollen. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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