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22.10.2019

06:19

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

er ist jung, charismatisch, tolerant, liberal. Und damit automatisch ein Gegenprogramm zu Donald Trump, US-Präsident aus Washington. Doch der Plan des Justin Trudeau ist gescheitert, bei den kanadischen Parlamentswahlen einen großen Sieg einzufahren und erneut als souveräner Ministerpräsident anzutreten. Heute Morgen um vier Uhr MEZ zeichnete sich ab, dass die Liberalen zwar eine Mehrheit der Sitze erreichen, ob es aber auch für eine absolute Mehrheit reichen wird, blieb zunächst unklar.

Laut ersten Prognosen sieht es so aus, dass der liberale Trudeau allenfalls eine Minderheitsregierung anführen könnte. Sein Gegenkandidat, der Konservative Andrew Scheer, hatte dem Premier bereits im Wahlkampf zugesetzt. Offenbar kam es bei den Wählern nicht gut an, dass Trudeau Ermittlungen gegen den Konzern SNC-Lavalin wegen Bestechung unterdrücken wollte und dass er sich vor 20 Jahren mit dunkel geschminktem Gesicht als „Aladdin“ in der Öffentlichkeit abbilden ließ, was in Kanada als rassistisch gilt. „Das Image ist ein geborgtes Gesicht“, formulierte Thornton Wilder einmal.

Gut möglich, dass der nächste israelische Ministerpräsident Benny Gantz heißt. Er hatte ja mit seiner Blau-Weiß-Partei ohnehin bei der letzten Parlamentswahl in Israel leicht vorne gelegen, aber mit dem Regierungsauftrag bedachte Präsident Reuven Rivlin zunächst den Amtsinhaber Benjamin Netanjahu. Der meldete sich gestern frustriert über den Gang der Dinge: Sein Plan einer Regierungsübernahme mit Verbündeten ist zum zweiten Mal gescheitert. Benny Gantz stellte sich nie für ein Gespräch zur Verfügung. Dafür macht der Rivale nun Druck: „Die Zeit des Sich-im-Kreisdrehens ist vorbei, nun kommt die Zeit für Action.“ Er sei jedenfalls bereit, eine „Liberale Einheitsregierung“ zu bilden.

AFP

Angesichts wachsender Kritik will Facebook verstärkt gegen Propaganda und Falschnachrichten vorgehen.

Einst wollte Mark Zuckerberg nicht glauben, dass seine Schwindel-Schleuder Facebook Wahlen beeinflussen kann. Jetzt, nach Trump und Cambridge Analytica, ist alles anders. Der Silicon-Valley-Konzern gibt bekannt, ein von Russland aus gesteuertes Netzwerk stillgelegt zu haben, das über gefälschte Instagram-Konten operierte. Es gebe Verbindungen zur russischen Organisation IRA und Hinweise auf politische Manipulationsversuche. Auch seien drei iranische Netzwerke enttarnt worden. Zuckerberg gibt sich ordnungsliebend wie ein Medienanstaltsdirektor und will nun auch staatlich kontrollierte Medien wie „Russia Today“ als solche kenntlich machen. Die Abteilung Desinformation dürfte ihm noch viel Arbeit bereiten.

Dass sie doch weltpolitikfähig ist, beweist ihre Entwicklung nach einem Jahr Parteivorsitz: Annegret Kramp-Karrenbauer („AKK“) hat nach Alltagsreden, Karneval-Nummern und gelegentlichen rhetorischen Unfällen jetzt erstmals einen Vorschlag gemacht, der die internationale Politik umgestalten könnte. Die CDU-Chefin mischt sich direkt in den Syrien-Konflikt ein und regt eine international kontrollierte Sicherheitszone an der Nordgrenze des Landes an – genau in jenem Gebiet also, das die Türken nun erobern und aus dem viele Kurden geflüchtet sind. „AKK“ weiß: Der Weg zum Bundeskanzleramt führt über den Umweg Außenpolitik, eine Pepita-Karriere mit lauter kleinen Karos hilft nicht.

Haben Sie schon einmal von „Taxonomie“ gehört? Mit dem Begriff will die EU per Gesetz regeln, was nachhaltige Finanzanlagen sind. „Grüne“ Investments boomen derzeit, der Rahmen aber ist noch unbestimmt. An der Taxonomie à la Brüssel ist misslich, dass es fast ausschließlich um Umweltaspekte geht. „Nachhaltigkeit umfasst aber die drei Dimensionen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung“, moniert Matthias Stapelfeldt von der Fondsgesellschaft Union Investment in unserer Titelgeschichte. Zudem setzte Frankreich ausgerechnet Atomenergie auf die Liste nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten – für die Bundesregierung und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies ein „No-Go“. Aus Taxonomie soll schließlich keine Toxizität werden.

Wer ein Problem lösen will, schafft zuweilen ein neues – manchmal ist genau das der Unterschied zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“. So hatte die Bundesregierung jüngst die Idee, Online-Marktplätze zur Kasse zu bitten, falls Händler aus China oder Macau weder Umsatzsteuer bezahlen noch eine Steuerbescheinigung vorlegen. Da diese Regelung aber auch für Händler aus dem EU-Raum gilt und zudem die Papierlösung zu bürokratisch sei, hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Binnen zweier Monate sei Abhilfe zu schaffen – was wiederum das Bundesfinanzministerium empört. Das Lieblingswort zur Lage heißt hier: Widerstand.

ZkSystems

Ihre Blockchain-Technologie könnte das Geschäft mit Maschinen und Anlagen revolutionieren.

Zu den produktivsten Arbeitstreffen gehören Gespräche zwischen prämierten Start-up-Unternehmen und gestandenen Managern, also dem Mittelstand von morgen mit dem Mittelstand von heute. So etwas organisiert „Weconomy“ seit 13 Jahren – eine Initiative der Wissensfabrik in Kooperation mit „UnternehmerTUM“ an der TU München und dem Handelsblatt. Meine Kollegin Larissa Holzki beschreibt, wie am vorigen Wochenende Diana Rees, 30, und Amine Ünal, 23, in Ludwigshafen ihr Unternehmen ZkSystems präsentierten und sich vernetzten. Die beiden bieten ein System an, bei dem Maschinen via Blockchain künftig nicht mehr verkauft, sondern vermietet werden – mit „Pay as you use“. BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht gab den anwesenden Jungunternehmern einen praktischen Rat: schon beim Aufstieg an den Abstieg denken.

Und dann ist da noch Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, der aufgrund seiner Verstrickung in die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi weltweit einen ziemlich üblen Ruf genießt. Da wird ihm vermutlich auch der kolportierte Versuch nicht helfen, den englischen Fußballklub Manchester United für mehr als drei Milliarden Euro zu kaufen. Dass Manchester City, Erzrivale von „ManU“, seit elf Jahren der Herrscherfamilie von Abu Dhabi gehört, bringt zusätzliche Brisanz in die Sache. Der CEO von Manchester United erklärt, keine konkreten Anzeichen zu haben, dass die US-Familie Glazer die Eigentümerschaft abgibt. Für die Scheich-These spricht vor allem, dass der Klub hochverschuldet ist (knapp 240 Millionen Euro) und in der Tabelle kurz vor den Abstiegsplätzen rangiert.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag mit guten Akquisitionen, wenn sie denn anstehen. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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