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30.09.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Temperatur auf Ibiza liegt derzeit bei rund 26 Grad, die Regenwahrscheinlichkeit bei Null, doch wenn die rechtskonservativen Liberalen Österreichs den Namen der Balearen-Insel hören, überfällt sie ein kalter Schauer. Bei der Nationalratswahl wurde die FPÖ nach der „Ibiza-Affäre“ mit fast neun Prozent Verlust regelrecht abgestraft – in der Regierung haben sie mit diesem Mager-Ergebnis nichts verloren. Schon ein kurzer Blick auf die Wahltableaus reicht, um Ex-Kanzler Sebastian Kurz und seine ÖVP (fast sieben Punkte plus auf 38,4 Prozent) und die vor allem in Wien erstarkten Grünen (plus 8,6 Punkte auf 12,4 Prozent) als klare Sieger auszumachen. Der Trend sagt, wie in Deutschland: Schwarz-Grün. Vereiteln können das nur noch die beiden Siegerparteien selbst.

Reuters

Die ÖVP von Ex-Kanzler Sebastian Kurz und die vor allem in Wien erstarkten Grünen sind die klaren Sieger bei der Wahl in Österreich.

Diese Einsicht wird Donald Trump wenig freuen: Er sehe, jedenfalls nach dem Recht der Ukraine, keinen Grund für eine Untersuchung gegen den demokratischen US-Politiker Joe Biden und dessen Sohn Hunter, erklärt der ehemalige ukrainische Generalstaatsanwalt Jurij Luzenko der BBC. Das sei eine Sache der US-Justiz, mögliche Unterschlagungen beim Gaskonzern Burisma seien zwei oder drei Jahre vor dem Engagement von Biden Junior als Aufsichtsrat passiert. Das habe er auch Trumps Anwalt Rudy Giuliani gesagt, der nach Maßnahmen gegen Biden gefragt hatte, so der Mann aus Kiew. Die Aussage klingt nicht so, als müssten die Demokraten ihr geplantes Amtsenthebungsverfahren („Impeachment“) gegen den US-Präsidenten abblasen.

Vier Jahre lang hat ein Untersuchungsausschuss des Thüringer Parlaments das Morden des NSU untersucht. Der Abschlussbericht, der heute vorgestellt wird, lässt keinen Zweifel: Polizei, Verfassungsschutz und Justiz haben demnach bei der Suche nach der Neonazi-Terrorzelle versagt. Zum Beispiel hätten Richter und Staatsanwälte keine Ahnung von Schnittmengen der rechtsextremen Szene mit einzelnen Rocker-Gruppen gehabt. Und die Verfassungsschützer machten mit Falschanalysen auf sich aufmerksam – während bei der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bundeskriminalamt offenbar sogar Daten verloren gegangen sind. Mark Twain behielt auch in solchen Versagensfällen Humor: „Es ist töricht, sich im Kummer die Haare zu raufen, denn noch niemals ist Kahlköpfigkeit ein Mittel gegen Probleme gewesen.“

Wenn Politiker etwas Gutes tun wollen, schlagen sie die halbierte Mehrwertsteuer vor. Derzeit hat das Förderinstrument wieder Hochkonjunktur, analysieren wir im Politik-Aufmacher: Egal, ob Bahnfahren, E-Books oder Tampons, für alle sollen künftig sieben statt 19 Prozent gelten. Allein 180.000 Bürger haben die Petition „Periode ist kein Luxus“ unterschrieben, was am Ende einer Frau jährlich im Schnitt 2,07 Euro mehr bringen wird.

Schon jetzt sind die Ausnahmeregelungen bei der Mehrwertsteuer so karnevalesk, dass sie für jeden Büttenvortrag taugen. Für Adventskränze aus getrocknetem Grün beispielsweise gilt der ermäßigte, für solche aus frischem Grün der volle Satz. Bei der Imbissbude wiederum kommen sieben Prozent zum Anschlag – solange sich der Kunde nicht hinsetzen kann. Denn dann handelt es sich ja um ein Restaurant und damit hundertprozentig um einen 19-Prozent-Fall.

Bei Continental in Hannover hängt der Haussegen schief. Der Plan des Vorstands, bis zu 20.000 Stellen zu kappen, bringt den Betriebsrat auf die Barrikaden. Die Führung habe „durch Managementfehler und die Fokussierung auf starkes Wachstum zur Befriedigung der Aktienmärkte“ die Krise mit verursacht, heißt es in einem Schreiben an die Belegschaft, aus dem die „Frankfurter Allgemeine“ zitiert. Die jetzt vorgeschlagenen Sparmaßnahmen könnten „in dieser Form und in der geplanten Tiefe nicht akzeptiert werden“, warnen die Arbeitnehmervertreter überaus deutlich. Dieser Konflikt wird die Republik noch beschäftigen.

Derzeit denken viele Mittelständler über die richtige Formation für die kälteren Tage des digitalen Wandels nach. Ein Modell, über das dabei oft im Ton von Zauberworten gesprochen wird: „Bosch-Stiftung“. Im großen Handelsblatt-Gespräch erklären drei Leitfiguren das komplizierte System: Familienvertreter Christof Bosch, Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach und CEO Volkmar Denner. Die Verstrickung in den Dieselskandal nennt Gründerenkel Bosch dabei eine „sehr dramatische und schmerzhafte Angelegenheit“. Ein neuer Kodex hielte fest, dass „Legalität und Bosch-Werte vor Kundenwunsch gehen“. Über allem schweben, das wird deutlich, goldene Worte des Gründers Robert Bosch. Sie belegen sowohl Moral („Lieber Geld verlieren als Vertrauen“) als auch Pragmatismus: „Der Buchstabe tötet. Der Geist macht lebendig.“

Zu den Vokabeln all der hippen Nachwuchskräfte aus „Gen Y“ oder „Gen Z“ gehören „New Work“, „Home Office“, „Purpose“ und natürlich „WLB“, Work-Life-Balance. Gesucht wird: das Glück hinter der Gehaltsabrechnung. Das Handelsblatt geht in zwei Roundtables mit Personal-Verantwortlichen und IT-Entscheidern diesen Fragen des „neuen Arbeitens“ nach. Dabei geben Manager aus Firmen wie Vodafone, Ottobock, Sipgate und Otto oder Start-up-Unternehmer wichtige Impulse. Wer am 7. Oktober in Düsseldorf (Fokus: Personal) oder am 10. Oktober in München (Fokus: IT/Digital) jeweils um 17.30 Uhr dabei sein will, schreibt mir bitte eine Mail ([email protected]). Eine Handvoll Karten habe ich zurückgelegt.

Reuters

US-Präsident Barack Obama sorgte auf der Münchener Start-up-Konferenz „Bits & Pretzels“ für Stimmung.

Und dann ist da noch der einstige US-Präsident Barack Obama, der jetzt auf der Münchener Start-up-Konferenz „Bits & Pretzels“ für Stimmung sorgte. Er monierte die Männerlastigkeit der Tech-Szene, bescheinigte Neugründungen im Markt für Klimaschutz gute Chancen („Wir brauchen alle Hände“) und mied den Namen Trump tunlichst, nicht aber Kritik am The-Donald-System: „Euch muss ich wenigstens nicht überzeugen, dass der Klimawandel real ist.“ Dann erzählte Obama noch, dass er auf Geheiß des Geheimdienstes das Oktoberfest immer noch nicht besuchen dürfe: „Also werde ich die Lederhose nur im Hotel tragen – extra für Michelle.“

Ich wünsche Ihnen einen munteren Start in die Woche, mit oder ohne Trachten-Komponente. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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