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15.11.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die deutsche Wirtschaft steckt entgegen aller Erwartungen nicht in einer Rezession. Im dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts um 0,1 Prozent gewachsen. 2019 könnte die Wirtschaft insgesamt um 0,5 Prozent zulegen – nach 1,5 Prozent im Vorjahr. Das ist nicht viel, aber ein gutes Zeichen für die Robustheit der heimischen Volkswirtschaft. Für alle Berufs-Pessimisten und notorischen Schwarzmaler sollten die überraschend guten Zahlen Anlass genug sein, ein wenig umzudenken. Wirtschaft ist, das wusste schon Ex-Kanzler Ludwig Erhard, zu 50 Prozent Psychologie.

Vor allem die Exportwirtschaft läuft besser als gedacht. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden im September 4,6 Prozent mehr deutsche Waren ins Ausland verkauft. Wenn die Sehnsucht nach deutschen Produkten anhält, könnten die Exporte in diesem Jahr die Marke von einer Billion Euro übersteigen. Fazit: Die Marke „Made in Germany“ hat – trotz Brexit und Handelskrieg – nicht an Strahlkraft und Attraktivität verloren.

Zum wirtschaftlichen Erfolg tragen immer mehr die vielen Start-ups des Landes bei. Diese Woche hat das Handelsblatt zusammen mit der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen der University Innovation Challenge die besten Ausgründungen an deutschen Hochschulen ausgezeichnet. Gewonnen haben in sechs verschiedenen Kategorien die Start-ups Aivy, Plasmion, Faaren, Uricell, m-Bee und Siut. Wer sein Geld sinnvoll und sicher investieren will, sollte auf diese jungen Unternehmen achten. Prädikat: vielversprechend.

dpa

Carsten Spohr: „Ich bin enttäuscht, dass entgegen anderslautender Ankündigungen die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer nicht für ein kraftvolles Engagement für alternative Kraftstoffe genutzt werden.“

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat gerade keinen einfachen Job. Die Klimaschutzpläne der Bundesregierung entpuppen sich als gewaltiger Stressfaktor, die Vielflieger sind sauer wegen der neuen, strengen Regeln für das Bonusprogramm Miles & More und die Streiks der Spartengewerkschaft Ufo verärgern Tausende Kunden im In- und Ausland. Bei Deutschlands größter Airline brennt es an vielen Stellen gleichzeitig.

In dieser außergewöhnlichen Situation hat sich der Lufthansa-Chef Zeit für ein Interview mit meinen Kollegen Thomas Tuma und Jens Koenen genommen. Spohr entschuldigt sich darin für die streikbedingten Flugausfälle, erklärt die Qualitätsunterschiede der Premium-Airlines und greift die Politik wegen nicht eingehaltener Versprechen an: „Ich bin enttäuscht, dass entgegen anderslautender Ankündigungen die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer nicht für ein kraftvolles Engagement für alternative Kraftstoffe genutzt werden“, sagt Spohr. Die Klimadebatte sei zudem teilweise „von Irrationalität geprägt“. Das ganze Klartext-Interview lesen Sie hier.

Boris Johnson setzt die Politik der feinen Nadelstiche gegen Europa fort. Gestern machte der britische Premierminister klar, dass er keinen britischen EU-Kommissar nach Brüssel entsenden wird – obwohl Großbritannien immer noch Mitglied der EU ist. Die Antwort aus Brüssel ließ nicht lange auf sich warten. Die EU-Kommission hat ein förmliches Vertragsverletzungsverfahren gegen die britische Regierung eingeleitet. Die erneute Konfrontation ist kein gutes Zeichen für die künftige Zusammenarbeit zwischen Europa und dem Vereinigten Königreich. Der Brexit droht mehr und mehr zum dauerhaften Bruch zwischen Brüssel und London zu werden.

Beim Thema Unternehmensteuerreform hat Finanzminister Olaf Scholz eine klare Meinung: An einem internationalen Steuersenkungswettbewerb will er sich nicht beteiligen, hat der Sozialdemokrat noch diese Woche der versammelten Wirtschaftselite auf dem Arbeitgebertag klar gemacht. Im Ministerium loten Scholz´ Beamte derweil Möglichkeiten für eine Senkung der Unternehmensteuern aus, wie meine Berliner Kollegen Jan Hildebrand und Martin Greive erfahren haben. Konkret geht es unter anderem um eine Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes von 15 auf 12,5 Prozent. Die Unternehmen würden dadurch um mehr als acht Milliarden Euro entlastet, zeigen interne Berechnungen des Finanzministeriums. Für die Diskrepanz zwischen Scholz‘ Reden und der Arbeit seiner Beamten gibt es nur zwei Erklärungen: Entweder weiß der Finanzminister nicht, was seine Beamten tun oder der Minister weiß es und lässt die Öffentlichkeit im Unklaren. Beide Varianten sind irritierend.

Die CDU ist in keiner guten Verfassung. Nicht nur die Umfragewerte der Partei sind miserabel, sondern auch die der Vorsitzenden. Seit Annegret Kramp-Karrenbauer die Führung der Volkspartei vor einem Jahr übernommen hat, gehen die Wahlen reihenweise verloren. Eine Woche vor dem CDU-Parteitag stellen sich viele Mitglieder die bange Frage „Was nun, CDU?“. Im aktuellen Freitagstitel ist das Handelsblatt dieser Frage nachgegangen. Herausgekommen ist eine dichte Analyse über eine Partei, die bevorzugt Personaldebatten führt, statt den Bürgern überzeugende Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit zu liefern. In dieser Verfassung wird es der CDU nicht gelingen, die Wähler für sich zu gewinnen – unabhängig davon, wer die Partei in die nächste Bundestagswahl führt.

AP

CDU-Politiker Friedrich Merz spricht Klartext über den aktuellen Zustand der Partei.

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht CDU-Politiker Friedrich Merz Klartext über den aktuellen Zustand der Partei. Seine Kernaussagen: „Allein ein Blick auf die Wahlergebnisse zeigt: Die Politik in Deutschland ist zurzeit offenkundig nicht gut genug“. Seinen Kritikern entgegnet er: „Wenn ich mit dieser Auffassung völlig allein wäre, dann hätte die CDU angefangen bei der Bundestagswahl 2017 bis in dieses Jahr hinein ja glänzende Wahlergebnisse einfahren müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Und über die Ursachen müssen wir sprechen“. Und dann: Jeder, der glaube, auf dem Parteitag käme es zu einem großen Showdown, irre sich gewaltig. Sein Verhältnis zu CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bezeichnet Merz als „gut“. Auf die Frage, ob er eine mögliche Kanzlerkandidatur von AKK unterstützen würde, sagt er: „Diese Frage stellt sich gegenwärtig nicht“. Die Antwort lässt Spielraum für Spekulationen. Das ist Politik.

Ich wünsche Ihnen ein ideenreiches und erholsames Wochenende. Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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