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04.11.2019

05:57

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

kurzfristige Absagen drücken oft mehr aus als tausend Worte am Rednerpult. Jeder versteht sofort, dass Union und SPD anders als geplant heute nicht zum Koalitionsgipfel zusammentreffen. Man ist sich nicht einig bei der Grundrente – vermutlich auch nicht in der Frage, wie es weitergehen soll. Denn es gilt, wie CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen analysiert: Die Regierung stelle sich im Grunde immer nur die Frage, wie sie im Amt bleiben könne. Zwar habe die „GroKo“ zwei Drittel der Versprechen eingehalten, so die Bertelsmann-Stiftung, das betrifft allerdings leider weniger entscheidende Zukunftsfragen. In der Wirtschaft jedenfalls dominiert bezüglich der Regierungskünste – anders als bei den Gewerkschaften – das Tongeschlecht Moll. Steffen Kampeter (CDU), Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes: Statt Firmen zu entlasten und den Sozialstaat zukunftsfest zu machen, habe es vor allem eines gegeben – „ein Buhlen um Wählergunst und Parteiprofilierungsversuche“.

 Thomas Dashuber für Handelsblatt

Wirecards Vorstandschef streitet Bilanzfälschungen beim Finanzdienstleister ab.


„Auferstanden aus Ruinen“ hört man in diesen Tagen der DDR-Erinnerung öfter. Auferstanden aus Ruinen ist auch Zahlungsabwickler Wirecard, der die Pleitestimmung nach dem Dotcom-Crash mit Glücksspielen und „Adult Entertainment“ überlebt hat und zum Dax-Shootingstar aufstieg. Nun machen die Schmuddelgeschichten weniger als zehn Prozent am Umsatz aus, versichert CEO Markus Braun im großen Handelsblatt-Interview. Nichts also mit unseriös und mit „Fake Business“, wie die renommierte „Financial Times“ dem Unternehmen vorwirft: Das Blatt legt nahe, Geschäfte via Dubai seien dubios, weil erfunden. CEO Braun dementiert und verspricht volle Transparenz: „Alle unsere Geschäftsbeziehungen sind authentisch.“ Der Wirtschaftsprüfer KPMG wird das in einer Sonderprüfung checken. Karl Popper wusste: „Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produziert stets die Hölle“.

Für Freunde des Hinter-den-Kulissen-Journalismus bietet diese Ausgabe eine Trouvaille. Fünf Ökonomen („Wirtschaftsweise“) lassen in Wiesbaden meine Kollegin Donata Riedel daran teilhaben, wie das jährliche Gutachten des Sachverständigenrats entsteht. Im Volkswirtschaftsstudium ist das pfundschwere Konvolut ein „Must-have“, für die Regierenden in Berlin jedoch nicht einmal ein „Nice-to-have“. Am Mittwoch überreichen die tapferen Fünf ihr Werk wieder der Kanzlerin. Im Handelsblatt-Stück steht, wie sie zwei Stunden lang zum Beispiel über den Begriff „klug“, den richtigen Produktivitätsansatz und die Infrastruktur redeten, die dann am Ende lieber „funktionsfähig“ als „modern“ genannt sein wollte.

Ein Stopp von Einwanderern, das ist Donald Trump seinen Wählern schuldig. Doch in der Immigrationsfrage scheitert der US-Präsident immer wieder an der Justiz, die sich anders als der Instant-Politiker an die Verfassung hält. Ein Bundesrichter in Oregon verhindert jetzt per Eil-Entscheidung das Gültigwerden einer Anordnung aus dem Weißen Haus, wonach nur in die USA einreisen darf, wer im Krankheitsfall abgesichert ist. Die Regelung, die gestern Abend in Kraft treten sollte, ist nun für 28 Tage ausgesetzt.

AP

Der Vorstandsvorsitzende der Schnellrestaurantkette McDonalds ist entlassen worden.

Nirgends sind die intersexuellen Regeln so streng wie in den USA. Das Firmengebiet wurde de facto zur sexfreien Zone erklärt. Steve Easterbrook hat sich mit seinen mehr als 20 Jahren Betriebszugehörigkeit nicht daran gehalten – der Vater dreier Kinder techtelmechtelte mit einer ihm dienstlich unterstellten Person. Das war’s für ihn als CEO von McDonald’s. Zum Nachfolger stieg Chris Kempczinski auf, seit zwölf Jahren fürs US-Geschäft zuständig. Aus gegebenem Anlass zitieren wir die große Marlene Dietrich: „In den USA ist Sex eine Obsession, im Rest der Welt ist es ein Faktum.“

Es ist ein Börsengang, der allen Trends des Finanzmarkts widerspricht – und der doch bis zu 40 Milliarden Dollar einspielen könnte. In einer Welt, in der viele Staats- und Pensionsfonds nicht mehr in „schmutzige“ Energie investieren, kündigt der saudi-arabische Staatskonzern Saudi Aramco den Börsengang an. Bis zu zwei Prozent des Petrochemie-Molochs, der etwa 1,5 Billionen Dollar wert sein soll, sollen zum Handel freigegeben werden. Ein geglückter IPO würde den Spielraum des – offenbar bis zum Auftragsmord (Khashoggi) – machtbewussten Kronprinzen Mohammed bin Salman erweitern. Wegen Sorgen um das Klima kündigt Singapurs Staatsfonds Temasek an, nicht zu investieren.

Und dann ist da noch Niko Kovac, leitender Angestellter des FC Bayern München, dem das Wichtigste bei Mannschaft und Management entglitt: Vertrauen. Für einen Fußballklub mit Weltanspruch war die beständige Anzahl mediokrer Spiele (jüngst 1:5 bei Eintracht Frankfurt) eine Gefahr fürs Geschäftsmodell. In einer Krisensitzung („seriöses Gespräch“) erfuhr der Trainer vom Aus. Die Spiele dieser Woche gegen Piräus (Champions League) und gegen Borussia Dortmund (Bundesliga) wickelt Interimscoach Hansi Flick ab. Man darf die Dramatik so deuten, dass der Klub schon einen festen Kandidaten zur Hand hat, der sich unter größter öffentlicher Anteilnahme auf das Abenteuer „FC Bollywood“ einlassen wird.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche mit gutem Spielausgang.
Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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