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17.04.2019

06:00

TOPSHOT - This screen shot made on April 16, 2019 shows French President Emmanuel Macron addressing the nation on French private TV channel TF1 during which he vows to rebuild Notre-Dame de Paris Cathedral within five years, a day after a fire erupted in the 850-year-old landmark, and Macron had cancelled a speech expected to outline key measures in response to months of anti-governments protests. (Photo by ludovic MARIN / AFP) AFP

TOPSHOT - This screen shot made on April 16, 2019 shows French President Emmanuel Macron addressing the nation on French private TV channel TF1 during which he vows to rebuild Notre-Dame de Paris Cathedral within five years, a day after a fire erupted in the 850-year-old landmark, and Macron had can

TOPSHOT - This screen shot made on April 16, 2019 shows French President Emmanuel Macron addressing the nation on French private TV channel TF1 during which he vows to rebuild Notre-Dame de Paris Cathedral within five years, a day after a fire erupted in the 850-year-old landmark, and Macron had cancelled a speech expected to outline key measures in response to months of anti-governments protests. (Photo by ludovic MARIN / AFP)

Morning Briefing

Die zwei Reden des Emmanuel Macron

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es gibt aktuell zwei wichtige Reden von Emmanuel Macron, dem französischen Staatspräsidenten, der aus den Krisen seines Landes womöglich als großer Staatsmann herauskommt. Die eine Rede hielt er gestern Abend im Fernsehen. Dabei versprach er den Wiederaufbau von Notre-Dame in fünf Jahren („Wir können das schaffen“). Die Franzosen seien „ein Volk der Erbauer, wir haben so viel wiederaufzubauen“, eine Anspielung auf die sozialen Verwerfungen in der Fünften Republik. Und: Es gehe darum, „den Faden unserer nationalen Geschichte wiederzufinden“, denn alles, was Frankreich ausmache, sei „fragil“. Macrons Ausführungen hatten phasenweise einen fast spirituellen Touch.

AFP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hielt am Dienstagabend eine Fernsehansprache zur Hauptsendezeit.

Die zweite Rede, die der Präsident eigentlich am Montagabend halten wollte, kündigte er entschlossen für die nächsten Tage an. Inhalte sind aber schon durchgesickert. Es handelt sich dabei ohne Zweifel um die rhetorische Simultanbearbeitung gleich mehrerer Baustellen. Die Mittelschicht soll demnach Steuererleichterungen genießen, die Vorzugsstellung weniger Elite-Unis wie die École Nationale d’Administration (ENA) soll entfallen, bis 2022 werde keine Schule und kein Krankenhaus ohne lokale Zustimmung mehr geschlossen, Dezentralisierung sei angesagt und Niedrig-Renten sollen der Inflation angepasst werden – alles Folgen der „grand débat national“ mit dem Volk, was bei Macron zu Selbsterkenntnissen geführt hat. „Wenn ein Arzt hinter dem Sarg eines Patienten geht“, wusste Voltaire, „folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung“.

Der Kapitalismus ist um einiges besser, als ihn Kritiker machen. Das liegt an seiner Fähigkeit, sich im Sinne sicherer langfristiger Gewinne zu wandeln – und so etwa Geld und Gewissen zu Zwillingsbrüdern zu erklären. Einer, der an ökologisch und gesellschaftlich verträgliche Investments glaubt, ist Axel Weber, Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS: „Der Druck wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Die Investoren werden die Unternehmen immer mehr dazu drängen, nachhaltiger zu wirtschaften“, prophezeit er im Handelsblatt-Interview. Damit droht allen, was Norwegens Staatsfonds Norges Bank Investment Management mit den „ESG-Kriterien“ vorgemacht hat: ein Boykott der Aktien von Öko- und Sozialsündern, etwa von Kohleunternehmen oder Konzernen mit Kinderarbeit.

Die Macht des Welt-Kapitalismus liegt nun einmal bei denen, die Billionen von Euro-Beträgen wie Dominosteine verschieben können, etwa Superfinanzfirmen wie Blackrock. „Es gibt keine stärkere Kraft als das Bewegen von Kapital“, bestätigt Philipp Hildebrand, Vice Chairman des weltgrößten Vermögensverwalters, in unserer Titelstory. Für Deutschlands Großkonzerne sind das trübe Aussichten. Fast die Hälfte der 30 Dax-Unternehmen habe „keine positive Wirkung auf Gesellschaft, Wirtschaft und Ökologie“, fand der Schweizer Vermögensverwalter Globalance heraus – und nennt als Minusbeispiele VW und RWE. Im Dax befänden sich mehr Industriekonzerne als in anderen internationalen Indizes, sagt Ingo Speich vom Sparkassen-Fonds Deka. Die Zukunft ist hier das größte Risiko.

Ende der kommenden Woche soll endlich klar sein, ob die Spitzen von Deutscher Bank und Commerzbank ihren Fusions-Talk fortführen und sich gegenseitig in die Bücher schauen lassen. Für den Fall eines Scheiterns hat sich nach Unicredit aus Italien nun offenbar auch die niederländische Großbank ING positioniert. Sie werbe um die Commerzbank, auch deren Großaktionär – der Bund – sei im Bilde, berichtet das „Manager Magazin“. Sogar die ING-Zentrale soll von Amsterdam nach Frankfurt am Main wechseln. Bei der Deutschland-Tochter ING-Diba wirkt im Übrigen mit Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ein Sozialdemokrat als Senior Advisor, der sich in Fragen eines Deals als Gesprächspartner für Nach-Nachfolger und Parteifreund Olaf Scholz geradezu anbietet.

dpa

Ein Jet der Flugbereitschaft der Bundesregierung war nach einer Funktionsstörung kurz nach dem Start umgekehrt und mit großen Problemen auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld gelandet.

Die schier unendliche Pannenserie der Regierungsflieger ist inzwischen fast eine Geschäftsschädigung für den Standort Deutschland, der schon unter den Kapriolen bei Stuttgart 21 und dem Berliner Großflughafen BER zu leiden hat. Gestern schaffte ein Jet der Flugbereitschaft der Bundeswehr kurz nach dem Start nur knapp die Notlandung in Berlin-Schönefeld, beide Tragflächen berührten dabei den Boden. Die Maschine des Herstellers Bombardier war gerade erst gewartet worden und hätte am Mittwoch den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier transportieren sollen. Mit Charles Maurice de Talleyrand-Périgord lästern wir am frühen Morgen auch ein wenig darüber, dass der Schönefelder Flugverkehr für zwei Stunden lahm lag: „Wenn die Unfähigkeit einen Namen braucht, nennt sie sich Pech.“

Die Überraschung des Abends war der Friedensschluss zwischen Apple und Qualcomm. Beide legten nach Jahren ihren erbitterten Patentstreit bei, der erst diese Woche gestartete Prozess in San Diego findet ein jähes Ende. Das Agreement wird Qualcomm mit einer üppigen Einmalzahlung, einer Lizenzvereinbarung über sechs Jahre sowie einem Lieferabkommen versüßt, wodurch die Halbleiter des Konzerns nun womöglich wieder in iPhones eingebaut werden. Der Aktienkurs von Qualcomm stieg im späten Handel um mehr als 20 Prozent. Börsianer haben ein untrügliches Gespür für Sieger, auch wenn sie sich einfach nur lästig gemacht haben.

Und dann ist da noch Leonardo Del Vecchio, 83, Brillenkönig der Welt, der die Fusion seiner italienischen Herstellerfirma Luxottica mit Frankreichs Brillengläser-Empire Essilor scheitern sieht. Hauptaktionär Del Vecchio hat sich mit Essilor-Chef Hubert Sagnières verkracht, nachdem er seinen Vizepräsidenten nicht als Vorstandschef durchbrachte. Die Internationale Handelskammer soll nun schlichten – doch das kann länger dauern, als es Eitelkeiten zulassen. Für Padrone Del Vecchio ist es in dieser Lage auch kein Trost, mit 19,8 Milliarden US-Dollar Vermögen Zweitreichster Italiens zu sein. Und wieder sehen wir, mit Schlüssellochblick in obere Kreise, wie recht Autor Giuseppe Tomasi di Lampedusa („Der Leopard“) hatte: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert.“

Ich wünsche Ihnen einen Tag mit recht viel Durchblick. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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