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13.09.2019

06:06

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Mario Draghi hat es getan: Wie angekündigt hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzinssatz, zu dem Geschäftsbanken überschüssiges Geld bei der Notenbank parken, von -0,4 Prozent auf -0,5 Prozent gesenkt. Zusätzlich will die EZB ab November für 20 Milliarden Euro jeden Monat wieder Staatsanleihen kaufen. Im Kampf gegen die niedrige Inflation in der Euro-Zone hat EZB-Präsident Draghi eine neue Bazooka geladen.

Die Börse reagierte positiv auf die weitere Lockerung der Geldpolitik. Doch Experten fürchten, dass die Maßnahmen verpuffen. Schon jetzt erzielen die Strafzinsen nicht die gewünschte Wirkung, dass Banken ihr Geld für neue Kredite verwenden anstatt es bei der EZB mit Negativzinsen anzulegen. Man kann Mario Draghi nicht für die schwache Inflation in Euro-Land verantwortlich machen. Wohl aber für die tiefen Spuren, die die Geldpolitik der EZB in den Bilanzen der Banken und auf den Konten der Sparer hinterlässt. Wenn Draghi Ende Oktober sein Amt niederlegt, hinterlässt er ein schweres Erbe.

Die wichtigste Industriebranche des Landes kann sich auf die Unterstützung der Kanzlerin verlassen. Bei der Eröffnung der Internationalen Automesse IAA sagte Angela Merkel, dass die größte Umbruchphase seit der Entwicklung des Autos „eine sehr enge Kooperation von staatlichen Stellen und Industrie“ erfordere. Der Satz ist Balsam für die Seele der Automanager, die sich breiter Kritik von Klimaschützern und Politikern ausgesetzt sehen. Jetzt fehlt nur noch ein konkreter Plan.

Wie schädlich die Hysterie im Umgang mit der Autoindustrie ist, habe ich in einem Leitartikel ausgeführt. Dass ausgerechnet im Autoland Deutschland ein Kampf um das Automobil geführt wird, ist nicht nur verwunderlich, sondern vor allem gefährlich. Die Folgen wären fatal, wenn die Herzkammer der deutschen Wirtschaft Schaden nähme. Mein Appell: Die Zukunft der Autoindustrie sichern Politik und Industrie nur miteinander, nicht gegeneinander.

dpa

Der VDA-Präsident legt zum Jahresende sein Amt nieder.

Mitten in die Eröffnungsshow der Automesse platzte die Nachricht, dass Bernhard Mattes, der Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), zum Jahresende sein Amt niederlegt. Zuletzt soll es heftige Kritik der Autokonzerne an der Arbeit des obersten Auto-Lobbyisten gegeben haben. Wenn das stimmt, ist der Rücktritt des VDA-Präsidenten während der Feierlichkeiten der IAA vor allem eins: ein Racheakt.

Den Klimawandel bezeichnete die Kanzlerin in dieser Woche als „eine Menschheitsherausforderung“. Am kommenden Freitag soll das eigens eingesetzte Klimakabinett Antworten auf diese Herausforderung liefern. Noch ist reichlich unklar, wie das Programm aussieht. Fest steht nur, dass der Staat zur Rettung der Umwelt Milliarden in die Hand nehmen will. Unsere aktuelle Titelgeschichte beschreibt die Klimawende als größte Baustelle Deutschlands. Das Klimapaket ist Merkels letzte Chance zum Umsteuern – das Endspiel der Klimakanzlerin hat begonnen.

Der US-Konzern Google muss im Steuerstreit mit Frankreich knapp eine Milliarde Euro zahlen – 465 Millionen Euro nachträgliche Steuern plus eine Strafzahlung von 500 Millionen Euro. Frankreich hatte Google vorgeworfen, zu wenig Steuern in dem Land bezahlt zu haben. Ähnliche Vergleiche hatte der Internetkonzern schon mit Großbritannien und Italien geschlossen. Die Vereinbarungen zeigen, wie überfällig eine andere Besteuerung von Digitalkonzernen ist.

dpa

Sigmar Gabriel: Ex-Außenminister und Vizekanzler

Sigmar Gabriel hat zwar die Jobs als SPD-Vorsitzender und Außenminister verloren, aber nicht seinen scharfen Verstand. In der aktuellen Handelsblatt-Ausgabe hat er eine kluge Rezension des Buchs „Die Welt braucht den Westen – Neustart für eine liberale Ordnung“ von Thomas Kleine-Brockhoff geschrieben, der das Berliner Büro der US-Stiftung German Marshall Fund leitet. Kleine-Brockhoff setze „einen Kontrapunkt gegen den vielstimmigen Chor derjenigen, die das Ende des Westens und der liberalen internationalen Ordnung herbeireden“, findet Gabriel. Pflichtlektüre für alle Freunde liberaler Demokratien.

Und dann ist da noch Anna Ewers. Die 26-Jährige ist das wahrscheinlich erfolgreichste deutsche Supermodel seit Claudia Schiffer. Im aktuellen Handelsblatt-Magazin warnt sie: „Die Mode muss mehr in Richtung Nachhaltigkeit gehen, wenn sie weiterhin geliebt und ernst genommen werden will.“ Ewers gesteht, dass sie berufsbedingt wahnsinnig viel reise. „Da kann ich andererseits nicht glaubwürdig behaupten, die Welt retten zu wollen.“ Buddha kommt einem in den Sinn: „Die edelste Art Erkenntnis zu gewinnen ist die durch Nachdenken und Überlegung.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames und nachdenkliches Wochenende.

Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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