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13.11.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

mit der Entgegennahme von Preisen könnte Elon Musk leicht seine Arbeitszeit füllen. Fast immer sagt der Tesla-Gründer ab. Nun aber rauschte der Amerikaner gestern Abend überraschend nach Berlin, hielt das „Goldene Lenkrad“ für das 3er-Modell hoch und verkündete eine Top-News über seine „Gigafactory“: Tesla wird seine Elektroautos voraussichtlich von Ende 2021 an auch in Berlin bauen, ganz in der Nähe des Pannenflughafens BER.

Offenbar geht es um ein Gelände, das auch schon mal für ein BMW-Werk im Gespräch war. Auch werde dort ein Maschinenbau- und Designzentrum entstehen, verkündet Musk. Nach all den Debatten über Mond, Mars und Marihuana wirkte der Mann am Lenkrad so gülden, adrett und nett, dass er jeder IHK in Deutschland garantiert Freude machen würde.

dpa

US-Präsident Donald Trump beklagt bei seiner Rede im New Yorker Wirtschaftsclub das schwierige Verhältnis zur EU.

Premiere feierte Donald Trump als Redner im illustren „New York Economic Club“. Er keilte gegen jene, gegen die er immer keilt: China, Deutschland, Fed. Aber bei den angedrohten Strafzöllen von bis zu 25 Prozent auf europäische Autos, über die er heute entscheiden will, galt frei nach Heinrich Böll: „Und sagte kein einziges Wort.“

Dem applaudierenden Saal versicherte er immerhin: „Solange ich Präsident bin, wird Amerika kein sozialistisches Land werden!“ Wahrscheinlich empfindet der Immobilien-Erbe auch Schottland als ziemlich sozialistisch, denn dort muss seine örtliche Golf-Resort-Firma 225.000 Pfund für Prozesskosten an die Regionalregierung zahlen. Trump hatte gegen das Betreiben von Windrädern geklagt, die die Aussicht von seiner Golf-Farm verschandelt hätten.

Für Touristen schien das Ferienglück perfekt, als die EU den Reiseanbietern Insolvenzversicherungen vorschrieb. Doch beim Crash von Thomas Cook stellte sich heraus, dass Entschädigungsforderungen der Kunden über 250 Millionen Euro nur Absicherungen in Höhe von 110 Millionen Euro gegenüberstanden.

Die Aufsichtsbehörde Bafin konstatierte daraufhin, dass auch die Reisen des Konzerns Tui und der Rewe-Tochter DER Touristik unzureichend abgesichert sind, wie meine Kollegen erfuhren. Nun muss der Deutsche Reisepreis-Sicherungsverein, die gemeinsame Versicherungsfirma von Tui und Rewe, ein neues Absicherungsmodell vorlegen – was auf höhere Prämien und Reisepreise vermutlich schon ab Anfang 2020 deutet. Aber dem läuft ein anderer Trend entgegen: „Nichts entwickelt die Intelligenz wie das Reisen“, formulierte Emile Zola.

Managergehälter sind ein Reizthema im Volk und in der Koalition. Nach heftigen Kämpfen einigten sich Union und SPD auf Maßnahmen zur Begrenzung der Top-Salärs. Heute beschließt der Bundestag, dass der Aufsichtsrat gesetzlich dazu verdonnert wird, eine Maximalvergütung („Cap“) für die Vorstände zu fixieren.

Auch bekommen die Aktionäre mehr Mitsprache. Auf Gegenkurs ist der Industrieverband BDI: Man nehme jetzt Aktiengesellschaften und Börsenfirmen „für eine Handvoll Ausreißer durch weitere Bürokratie in Mithaftung“, wettert Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

Einen Eingriff in die Vertragsfreiheit sieht Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion: „Von einer gesetzlichen Deckelung der Managergehälter halte ich schlicht und ergreifend gar nichts und lehne sie ab“, sagt er dem Handelsblatt.

Bernd Roselieb für Handelsblatt

Howard Marks: Der 73-jährige Hedgefonds-Gründer ist seit einem halben Jahrhundert im Finanzgeschäft.

Wenn man die Wall-Street-Ikone Howard Marks liest, könnte man glauben, die Lehren von Sigmund Freud könnten bei der Beurteilung des Finanzgeschehens wirklich helfen. Erst glaubten die Investoren, die Zinsen steigen, jetzt glauben sie, dass sie fallen – da sei viel mehr Psychologie im Spiel als rationales Denken, erklärt der Mitgründer von Oaktree Capital Management. Sein Fazit: „Ein schizophrener Markt.“ Allen Anlegern rät er derzeit zu größter Vorsicht und zu Schwellenländern. Die Investoren seien zuletzt „vielleicht sogar etwas blind“ gewesen gegenüber den echten Risiken.

Seit fast sieben Jahren sucht das Handelsblatt zusammen mit Partnern bei der Energy Academy nach Energiekonzepten von morgen. Am kommenden Montag diskutiere ich in exklusiver Runde über „Klimapolitik: Sind wir noch zu retten?“.

Mit dabei sind Kevin Bauch von Fridays for Future und Holger Lösch, Vize-Geschäftsführer des BDI. Wenn Sie mich am 18. November ins Bundesliga-Stadion „An der Alten Försterei“ in Berlin begleiten wollen, schreiben Sie mir: [email protected]

Und dann ist da noch Sigmar Gabriel, der „Ex“ von der SPD, der als „Experte für europäische Angelegenheiten“ künftig die US-Denkfabrik Eurasia Group berät. Als Chef des Automobilverbands VDA hätte er sicherlich eine gute Figur abgegeben, geriet aber in einen Großstreit zwischen Fraktion Nord (VW) und Fraktion Süd (Daimler, BMW).

Seit der in Wolfsburg entstandenen Dieselaffäre ist man sich hier nicht grün und sucht nach gegenseitigen Schwächen. Dass Gabriel mal als Berater für VW unterwegs war und auch maximal 120 Stundenkilometer für Deutschlands Autobahnen gefordert hatte, wurde von den Südlichtern dankbar als Munition genutzt. Bei Eurasia entweicht Gabriel derartiger Kleingeistigkeit: Dort lobt ihn der Chef Ian Bremmer als „Schlüsselfigur“.

Ich wünsche Ihnen einen Tag mit viel Rat und Tat.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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