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02.08.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Donald Trump verschärft den Handelskonflikt mit China. Über Twitter kündigte der US-Präsident Strafzölle von zehn Prozent auf Importe aus China im Wert von 300 Milliarden US-Dollar an. Die neuen Strafzölle sollen schon ab Anfang September gelten. Die letzte Runde im Handelsstreit hat begonnen. Im Anschluss an die zusätzlichen Handelsattacken schrieb Trump wörtlich: „We look forward to continuing our positive dialogue with China on a comprehensive Trade Deal, and feel that the future between our two countries will be a very bright one!“ Eins muss man Trump lassen: Von Ironie versteht er was.

Sepp Spiegl

In zwei Wochen verlässt BMW-Chef Harald Krüger den Konzern.

Der scheidende BMW-Chef Harald Krüger hinterlässt seinem Nachfolger Oliver Zipse eine Baustelle. Die Münchner Autobauer verkauften zwar mehr Autos, aber der Gewinn vor Steuern fiel im zweiten Quartal um 28 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro. Hauptgrund waren noch höhere Investitionen in Zukunftstechnologien und kräftige Preisnachlässe im Kampf gegen Mercedes und Audi. Gleichwohl betonte Krüger bei seiner letzten Präsentation von Quartalszahlen, BMW sei „robust, innovationsstark und gut aufgestellt“. Den Nachweis, dass dieser Satz stimmt, muss Krüger nicht mehr führen. In zwei Wochen übernimmt Produktionsvorstand Zipse die Verantwortung für den BMW-Konzern. Er sollte wissen, dass ein Vorstandschef nicht an seinen Worten, sondern an seinen Ergebnissen gemessen wird.

Nach dem Abschuss einer US-Drohne und Übergriffen auf Öl-Tanker bleibt die Lage am Persischen Golf angespannt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat sich jetzt für eine europäische Mission zum Schutz der Handelsschifffahrt ausgesprochen – und damit den Druck auf die Bundesregierung erhöht. Eine Beteiligung an einer Militärmission unter US-Führung hatte die Große Koalition gerade abgesagt. Will die Exportnation Deutschland die Sicherung einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt wirklich nur anderen Ländern überlassen? Angel Merkel, bitte melden!

Beim Breitbandausbau gehört Deutschland nicht zu den Spitzenreitern. Die One Fiber Interconnect Germany GmbH will das ändern. Zusammen mit dem Energie- und Telekommunikationskonzern EWE hat das Unternehmen der Deutschen Bahn ein Angebot vorgelegt, das gesamte deutsche Schienennetz in nur fünf Jahren mit Glasfaser zu versorgen – und die Leitungen anschließend an Dritte zu vermieten. Die Investitionen über 1,8 Milliarden Euro sollen über ein Bankenkonsortium finanziert werden, wie mein Berliner Kollege Daniel Delhaes exklusiv erfahren hat.

Die Deutsche Bahn reagierte zurückhaltend auf das milliardenschwere Angebot. Im Kanzleramt schätzt man dagegen das Angebot aus der Privatwirtschaft. Der frühere Reichskanzler Otto von Bismarck kommt einem in den Sinn: „Alle menschlichen Einrichtungen sind unvollkommen – im höchsten Maße und am allermeisten die staatlichen Einrichtungen.“

Gute Nachrichten für alle Arbeitnehmer: Die Einkommen steigen weiter kräftig. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erwartet einen Anstieg der Tariflöhne um mindestens 3,2 Prozent. Der unverändert hohe Fachkräftemangel bringt die Arbeitnehmer in eine gute Verhandlungsposition. Auf dem Arbeitsmarkt funktionieren marktwirtschaftliche Grundsätze auch in Zeiten der Digitalisierung: Knappheit treibt die Preise.

In der Minusfalle: Was Sparer gegen die Negativzinsen tun können.

EZB-Präsident Mario Draghi hat in seiner berühmten Londoner Rede vor sieben Jahren gesagt, dass die Europäische Zentralbank alles tun werde, um den Euro zu retten. Die Ankündigung ist für die Sparer in Europa längst zur bitteren Gewissheit geworden. Jetzt schickt sich der oberste Währungshüter des Kontinents an, die lockere Geldpolitik noch weiter zu verschärfen. Der ökonomische Erfolg des Experiments ist völlig ungewiss. Klar ist derweil nur, dass die schleichende Enteignung der Sparer auf unbestimmte Zeit verlängert wird. Die Handelsblatt-Titelgeschichte „In der Minusfalle zeigt, wie sich Sparer vor Negativzinsen und steigenden Gebühren der Banken schützen können. Eine Anleitung gegen die drohende Geldvernichtung.

Otmar Issing, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, kritisiert im Handelsblatt-Interview die Geldpolitik der EZB mit scharfen Worten. Der EZB-Führung wirft er „hektischen Aktivismus“ vor. Die Wirkung von Anleihekäufen nutze sich ab. „Das ist so, als wenn Sie schon bei jedem Schnupfen ein Antibiotikum nehmen“, sagt Issing. EZB-Präsident Draghi sollte die Warnungen ernst nehmen – und über den Rat von Bertolt Brecht nachdenken: „Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.“

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Es grüßt Sie herzlich

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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