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24.10.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

selbst die frühere Großeigentümerfamilie Rockefeller, eine Legende der Wirtschaftsgeschichte, hatte vor einigen Jahren genug von den Machenschaften bei Exxon Mobil. Jetzt geht auch das Oberste Gericht in New York in einem spektakulären Prozess gegen den Ölkonzern vor. Er habe durch zwei parallele Berechnungen die wahren Finanzrisiken für Investoren verschleiert, um so den Aktienkurs zu steigern, lautet der Vorwurf. Der errechnete Schaden für Anleger: 1,6 Milliarden Dollar. Exxon weist das als „politisch motiviert“ zurück. Eingeweihte erinnern sich, dass hauseigene Forscher schon in den 1970er und 1980er Jahren mit Verweis auf ihre Studien forderten, weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen, um Klima-Schäden zu reduzieren.

dpa

Stets hat Trump auf die hohen Kosten durch den Pariser Vertrag hingewiesen, da die USA zweitgrößter Schadstoff-Emittent nach China sind.

Der amerikanische Regierungschef Donald Trump sieht das alles bekanntlich ganz anders. Er wird in Kürze die definitiven Pläne seiner Administration ankündigen, die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 austreten zu lassen. Den offiziellen Brief kann er erst am 4. November an die UN schicken, ein Jahr später – und einen Tag nach den nächsten US-Wahlen – wäre das Land dann draußen. Stets hat Trump auf die hohen Kosten durch den Pariser Vertrag hingewiesen, da die USA zweitgrößter Schadstoff-Emittent nach China sind. Seine Anti-Paris-Strategie stellt „Potus“ im Übrigen auf einer Konferenz der Fracking-Industrie vor – verbunden mit der Zusicherung, national mehr Gas und Öl zu fördern sowie Regulierungen weiter abzubauen.

Steht ein US-Präsident über dem Gesetz? Kann er adäquat verurteilt werden? Einer wie Donald Trump, der 2016 im Wahlkampf erklärt hat, er könne „in der Mitte der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen und ich würde keine Wähler verlieren“. Selbst in diesem Fall, argumentiert einer seiner Anwälte, könnten die lokalen Behörden von New York City einen amtierenden Präsidenten nicht verfolgen. Über-Immunität also? Der Generalstaatsanwalt der Metropole, der die Steuerunterlagen Trumps zwecks Veröffentlichung anfordert, sieht das naturgemäß anders. Denn es dürften sich aus den Dokumenten auch Hinweise auf Schweigegelder für Trump-Geliebte ergeben. Zwei Dinge können mit Sicherheit prophezeit werden: dass die Causa an den Supreme Court geht und im Wahlkampf 2020 eine große Rolle spielen wird.

Thierry Breton ist ein Name, den man sich merken muss. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron will den 64-Jährigen als neuen EU-Kommissar vorschlagen. Er würde dann Sylvie Goulard ersetzen, die nach ihrer Nominierung im Europäischen Parlament durchgefallen war wie eine allzu selbstsichere Pennälerin bei der Abiturprüfung. Breton war von 2005 bis 2007 französischer Wirtschafts- und Finanzminister. Derzeit leitet er das IT-Unternehmen Atos, das früher einmal zu Siemens gehört hat. Wird Breton wirklich erfolgreich aufgeboten, muss er von Tag eins an auf mögliche Interessenskonflikte achten.

Was ist wirklich los hinter den glorreichen Image-Schildern mit dem Aufdruck „Made in Germany“? Ziemlich wenig, wenn man der Bertelsmann-Stiftung Glauben schenken mag, die 1000 Firmen befragt hat. Danach ist nur jedes vierte deutsche Industrieunternehmen innovativ genug, um sich im Wettbewerb langfristig zu halten. Fast die Hälfte der Firmen sei immer noch nicht ausreichend für die Ära der Digitalisierung präpariert, ergibt sich aus der Studie, die uns vorliegt. Vor allem der Mittelstand drohe, den Anschluss zu verlieren. Panik macht sich nicht nur bei den jungen Protestierenden gegen Umwelt-Laxheit der Politik breit – sondern auch bei denen, die Deutschland an der Spitze der Moderne wähnten.

Schon länger kauft Porsche Software bei SAPnun gehen die Unternehmen aus Stuttgart und Walldorf eine strategische Partnerschaft ein. Das gab der Autobauer gestern Abend beim Auftakt des traditionellen Auto-Gipfels des Handelsblatts bekannt. Geplant werden gemeinsame Produkte und Lösungen für die IT, die selbstverständlich auch von der Porsche-Schwestergesellschaft Volkswagen und anderen genutzt werden können. Da das Auto in den einschlägigen Planungen zum rollenden Computer wird, spielen datenbasierte Geschäftsmodelle eine große Rolle. Gesucht wird menschliche Intelligenz, die künstliche Intelligenz richtig einsetzt.

AP

Die beiden Saarländer verbindet eine lange Geschichte. Es ist eine Geschichte aus Rivalität und Kooperation.

Der Nordsyrien-Vorstoß von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wird aktuell von Trumps Ankündigung übertönt, er hebe die Sanktionen gegen die Türkei auf, da das Land eine dauerhafte Feuerpause verspreche. Im politischen Berlin sorgt zudem für Heiterkeit, wie getroffen sich Außenminister Heiko Maas (SPD) vom Plan der christdemokratischen Verteidigungsministerin zeigte, die ihn nur per SMS informierte. Maas wies die Kollegin im Rüffelton auf die Verantwortung hin, die man in Syrien habe. Hier spielen offenbar inner-saarländische Eitelkeiten bei einer Art Duell eine Rolle, das unser Berliner Politik-Chef leicht süffisant nachzeichnet. Maas hatte in dem kleinen Bundesland zweimal knapp gegen AKK verloren und war dann Minister in der von ihr geleiteten Regierung geworden. Heute bemüht sich der Mann aus Elm um ein Image als hipper Mann von Welt, während die Frau aus Püttlingen Heimatliebe konserviert.

Und dann ist da noch der einstige SPD-Chef und Bundesminister Sigmar Gabriel, dessen Chancen auf den Chefposten beim Verband der Automobilindustrie (VDA) stark gestiegen sind. In der Frage läuft nichts ohne VW, wo der Politiker im Aufsichtsrat saß. Nur noch ein Gegenkandidat aus der CDU stehe auf der Short List, berichtet der „Tagesspiegel“. Für die Internationale Automobilausstellung (IAA) zeichnet sich ein Wechsel von Frankfurt nach Berlin und von zweijährigem Rhythmus auf alljährliche Wiederkehr ab. Sie soll, mit mehr Debatten, als globale Leitmesse positioniert werden. Für den 1. November hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) die VDA-Spitzen ins Rote Rathaus geladen. Zur Einstimmung kann er ja „Berlin“ von Ideal vorspielen: „Ich fühl‘ mich gut, ich steh‘ auf Berlin!“

Ich wünsche Ihnen einen so fröhlichen wie erfolgreichen Tag. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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