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24.09.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

man sieht die Matriarchin und das Mädchen, einander zugewandt, Angela Merkel etwas geduckt, Greta Thunberg mit leichtem Lächeln. Doch dieses klassische Fauteuil-Bild ist eine Konstruktion. Realität ist, dass die 16-jährige Klimaaktivistin auf dem UN-Klimagipfel in New York Regierungschefs wie Merkel abgekanzelt hat („Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten“). Und dass sie danach zusammen mit Jugendlichen aus zwölf Ländern bei den Vereinten Nationen Kinderrechtsbeschwerde zum Klimawandel eingereicht hat – gegen die größten Sünder Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und Türkei. Die Public Relations, die sich die Kanzlerin für den „Big Apple“ ausdachte, hat ihr eine Jugend-Gang weggenommen.

Die Sache gilt als aussichtslos, eine Mehrheit der Grünen-Fraktion im Bundestag scheint am gut eingeführten Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter festhalten zu wollen. Und doch liegt ein Hauch von Aufruhr über der Partei der Wahl- und Umfragenerfolge, wenn Ex-Parteichef Cem Özdemir im Verbund mit Kirsten Kappert-Gonther jetzt nach der Macht greift. Zuerst wird zwischen „KGE“ und „KKG“ gewählt, dann zwischen den Männern. Überredet der eloquente Özdemir seine Kritikerschar, die ihn als Solisten ohne Orchester sieht? Die Personalie gewinnt umso mehr an Gewicht, als Grünen-Chef Robert Habeck offenbar eine Schwächepause einlegt. Er zeigte sich jetzt in der ARD so uninformiert über das Wesen der Pendlerpauschale, dass sich daraufhin eine Spielvereinigung der Spötter seiner annahm.

action press

Ex-Parteichef Cem Özdemir will im Verbund mit mit Kirsten Kappert-Gonther nach der Macht greifen.

An diesem Dienstag will auch eine andere Fraktion Pflöcke einschlagen. Die Union wirkt, als habe jemand aus der Spitze „Wohlstand für Alle“ von Ludwig Erhard selig als Zwangslektüre fürs Wochenende ausgegeben. Jedenfalls wollen die Abgeordneten ein Zwölf-Seiten-Papier („Einordnung der Industriepolitik in die Soziale Marktwirtschaft“) beschließen. Das Werk liegt uns vor. Da soll eine Think-Big-Steuerreform die Last pro Firma auf höchstens 25 Prozent begrenzen und Start-ups werden die ersten drei Jahre nach Gründung von Auflagen und dergleichen befreit. Von staatlichen Eingriffen, wie sie Minister Peter Altmaier in der Milde des Frühlings gepriesen hatte, ist bei den neuen Erhardianern wenig zu lesen.

Die Bruchlandung des britischen Reisekonzerns Thomas Cook wird auch heute viele Menschen beschäftigen. Zum Beispiel die Bundesregierung, die über einen Wünsch-mir-was-Katalog der deutschen Konzerntochter Condor befinden muss – eine gut ausgepolsterte Staatshilfe über offenbar 200 Millionen Euro soll es ermöglichen, den Flugbetrieb noch ein wenig aufrecht zu erhalten. Darauf hoffen die meisten deutschen Urlauber. Im Titelkomplex beschreiben wir, wie es die Briten versäumten, sich auf die neue Welt des Reisens einzustellen. Mit weiteren Insolvenzen von unabhängig abhängigen Partnern des Konzerns ist zu rechnen, der Tsunami kommt noch. Der britische Baptistenprediger Thomas Cook, der das Unternehmen im 19. Jahrhundert gründete, hätte die richtigen Gebete und Psalmen für diese Lage gekannt.

Der Supreme Court in London entscheidet heute darüber, ob Premier Boris Johnson das Parlament mitten in der Brexit-Krise in den Zwangsurlaub schicken durfte. Eine Absage des Projekts würde Johnson, den Oliver Cromwell der Facebook-Ära, schwer treffen. Zuletzt musste der schillernde Politiker seine Freundschaft mit der 34-jährigen US-Geschäftsfrau Jennifer Arcuri erklären: Deren Firma Innotech erhielt 26.500 Pfund aus öffentlichen Mitteln, als „BoJo“ Bürgermeister von London (2008-2016) war. Auch nahm die Vertraute in dieser Zeit an drei Delegationsreisen teil. Interessenskonflikte? So etwas tut Johnson mit dem Hinweis ab, er habe damals ja nur die Trommel für London rühren wollen.

Bernd Roselieb für Handelsblatt

Der einstige Puma-Chef Jochen Zeitz rät bei Fragen der Nachhaltigkeit dazu, Vergleichswerte „in Form von Umweltkalorien“ auf jede Verpackung zu drucken.

Beim Stöbern in unserer aktuellen Print-Ausgabe habe ich ein lesenswertes Interview mit Jochen Zeitz gefunden. Der einstige Puma-Chef rät bei Fragen der Nachhaltigkeit dazu, Vergleichswerte „in Form von Umweltkalorien“ auf jede Verpackung zu drucken. Seine Forderung: „Unternehmer müssen Verantwortung für die ganze Wertschöpfungskette übernehmen.“ Zeitz redet auch darüber, wie er auf einem ausgedörrten Gelände in Kenia ein Luxushotel schuf und 220 Menschen einen Job gab. Aber auch für ihn gilt ein Wort von Albert Schweitzer: „Wahre Ethik fängt an, wo der Gebrauch der Worte aufhört.“

Und dann ist da noch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die in der kürzlich formierten „Nations League“ jäh scheiterte, aber wohl dennoch in dieser A-Klasse der Kicker bleiben soll. Das soll heute Wirklichkeit werden durch einen Reformbeschluss des Uefa-Exekutivkomitees bei einer Sitzung in Ljubljana. Dabei soll das Klassement im Herbst 2020 von zwölf auf 16 Teams erweitert werden, wovon neben Deutschland im Übrigen auch Polen, Island und Kroatien profitieren würden. Wo der Fußballer versagt, muss der Funktionär retten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag mit ehrlichen Aufstiegen.
Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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Kommentare (1)

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Herr Andreas Schreiber

24.09.2019, 08:31 Uhr

leider war die Rede von Greta Thunberg von Hysterie ,Hass und geprägt und ist völlig aus den Fugen geraten,genauso wird auch bei der Grünen Partei geredet...so etwas kommt meiner Ansicht nach gar nicht gut an beim Publikum......
der eigentliche Sinn und Zweck ist völlig verfehlt worden...wo sind denn bitte ,ausser Vorwürfen Ihre
Vorachläge..!...soll sie doch Ihr mobile phone abgeben und wieder vorbildlich mit dem Segelschiff nach Hause
fahren....Batteriebetrieb vernichtet Resourcen im grossen Stil unter unmenschlichen Bedingungen
wird Silizium und Cobalt abgebaut......die ganze Welt kann gar nicht morgen elektrisch unterwegs sein..
dafür gibt es gar nicht ausreichend Rohstoffe....Indien,China und z.B. Philippinen und teilweise Afrika
fängt erst richtig mit dem Autofahren an.......entweder siegt weltweit die Vernunft ,oder wir gehen eines
Tages alle gemeinsam unter....mit Wut ,Hass und Beschimpfung kann das nicht der richtige Lösungsansatz sein!

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