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17.08.2022

06:10

Morning Briefing

„Holocaust“-Entgleisung mitten im Berliner Westend

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Staatsgäste, die würde man am liebsten sogleich wieder wegschicken, ganz so wie angetrunkene Partygäste, die sich ein Herz zum Pöbeln fassen. Auch der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas scheint in diese Kategorie zu gehören. Er warf Israel bei seinem Besuch in Berlin vielfachen „Holocaust“ an den Palästinensern vor: „Israel hat seit 1947 bis zum heutigen Tag 50 Massaker in 50 palästinensischen Orten begangen.“

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ließ der sichtlich verärgerte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) diese Entgleisung erst einmal unkommentiert. Vielleicht hatte er eine seiner im Fall Cum-Ex aufgetretenen Erinnerungslücken und wusste nicht, was im einstigen Todesfabrikland Deutschland eine starke Antwort darauf gewesen wäre. Später aber warnte der Bundeskanzler: „Gerade für uns Deutsche ist jegliche Relativierung des Holocaust unerträglich und inakzeptabel.“ Die Palästinenser fordern immer wieder einen eigenen Staat Palästina. Der Friedensprozess zwischen ihnen und Israel liegt seit 2014 brach.

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Probleme mit der Lieferkette belasten bekanntlich die Weltwirtschaft. Eine ganz andere Form von „Lieferkette“ droht sogar zum Desaster der deutschen Volkswirtschaft und Start-up-Szene zu werden: Es geht um Food-Kurierdienste. Sie prägen das Bild der Innenstädte genauso wie die „Gig Economy“.

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    Unsere Titelstory schildert, dass mindestens zwei große europäische Bringdienste, Glovo und Zapp, inzwischen klar niedriger bewertet werden als in der Finanzierungsrunde zuvor – in einem Fall um 60 Prozent schlechter. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rät sogar von Kreditgeschäften mit der Berliner Firma Gorillas ab. Die räumt selbst einen „Rückstand bei den Zahlungen an einige Geschäftspartner“ ein. Gründer Kagan Sümer sucht seit Monaten nach Investoren – die sicher genauer verstehen wollen, wie es zu diesem Affenzirkus kommen konnte.

    IMAGO/photothek

    Christian Lindner erhält keine Ausnahme aus Brüssel.

    Einig wie selten wirken die Minister Robert Habeck (Grüne, Wirtschaft/Klimaschutz) und Christian Lindner (FDP, Finanzen) phasenweise beim Vorstoß, die EU möge doch bitte keine Mehrwertsteuer auf die neue deutsche Gasumlage erheben. Trotz solcher Fürbitten werden die Deutschen mit Verweis auf eine EU-Richtlinie eine Abfuhr erleben. Es gebe keine Möglichkeit, die Abgabe von der Mehrwertsteuerpflicht auszunehmen, so ein Sprecher der EU-Kommission.

    Damit würde eine typische deutsche Familie bald nicht nur 435 Euro Umlage zahlen, sondern zusätzlich 93 Euro Mehrwertsteuer. Es gibt allerdings drei Optionen:

    • Mehrwertsteuer auf Umlage absenken. Die besagte EU-Richtlinie sieht einen Mindestsatz von fünf Prozent vor. Für eine Senkung von derzeit 19 Prozent auf diesen Satz braucht die Bundesregierung nicht einmal die Zustimmung aus Brüssel.
    • Mehrwertsteuer auf Gas generell senken. Unionsfraktionsvize Jens Spahn fordert immer wieder, zeitnah von 19 Prozent auf 7 Prozent zu reduzieren. Was für den CDU-Politiker eine wichtige Entlastung für kleine und mittlere Einkommen brächte, ist für die Grünen ein falsches Signal: „kostspielig und nicht zielgenau“.
    • Energiesteuer auf Gas senken. Die Mehrwertsteuer würde dabei nur 0,45 Cent pro Kilowattstunde Gas ausmachen, erklärt Steuerrechtsexperte Joachim Englisch von der Universität Münster. Würde der Bundestag Gas zum Heizen zeitweise von der Energiesteuer befreien, sei die Einsparung mit 0,55 Cent sogar noch höher. Die Blaupause für eine solche Maßnahme ist der Tankrabatt, um den es jede Menge Ärger gibt.

    Eine dieser Lösungen wird das Kabinett bald anpreisen, auf keinen Fall aber den Weg Tschechiens bevorzugen. Prag erhebt seit Jahresanfang keine Mehrwertsteuer auf Gas und Strom mehr, obwohl das klar gegen das Europarecht verstößt. Man lässt es in der Tschechischen Republik einfach auf ein Verfahren der EU-Kommission ankommen.

    War's das eigentlich mit der „Klimawende“? Insgesamt wurden in allen EU-Ländern zwischen Januar und März 1029 Millionen Tonnen Kohlendioxid und andere Treibhausgase ausgestoßen. Das Vor-Corona-Niveau ist wieder erreicht. 2019 waren es im gleichen Zeitraum 1035 Millionen Tonnen gewesen. Bulgarien meldet nun den stärksten Anstieg an Treibhausgasemissionen (plus 38 Prozent), gefolgt von Malta (21 Prozent) und Irland (20 Prozent).

    Nur den Niederlanden und Finnland gelang ein leichter Schwund mit minus neun Prozent und mit einem Prozent. Größter Produzent von Treibhausgasen bleiben die Haushalte. Gegenüber dem ersten Quartal 2021 stiegen die Emissionen von Treibhausgasen vor allem im Transportsektor an. Auch im Bergbau und im Bauwesen wurden mit Konsumsteigerungen von 15 Prozent und elf Prozent wieder mehr Schadstoffe ausgestoßen.

    Los Angeles

    Deutscher Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen ist tot

    Los Angeles: Deutscher Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen ist tot

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    Er war unser Mann in Hollywood, ein Regisseur der Extraklasse, Absolvent der deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin, den der „Tatort“-Krimi mit der Folge „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski berühmt machte. Internationale Anerkennung brachte Wolfgang Petersen das Kinowerk „Das Boot“ (1981) mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer – da wollte das US-Filmsystem nicht mehr ohne ihn. Seit 1986 lebte der Regisseur mit seiner Frau in Los Angeles und feierte Erfolge: mit Clint Eastwood („In the Line of Fire“), Dustin Hoffman („Outbreak“), Harrison Ford („Air Force One“) oder George Clooney („Der Sturm“).

    Über seinen 80. Geburtstag segelte der gebürtige Ostfriese „ganz locker drüber weg“ und plante etliche neue Film- und Fernsehprojekte. Ruhestand, das war etwas für die anderen. Er war im Unruhestand. Nun ist Petersen, der Leinwandschöpfer, im Alter von 81 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs in Los Angeles gestorben.

    Und dann ist da noch Niklas Kaul, der aus aussichtsloser Position heraus in München Europameister im Zehnkampf wurde, von 40.000 Fans nach vorne gepeitscht. Nach dem ersten Tag war der Deutsche nur Siebter. Doch dann warf er den Speer überragende 76,05 Meter weit und legte zum Schluss über 1500 Meter mit 4:10,04 Minuten eine Fabelzeit hin. So fing er am Ende mit 8545 Punkten noch den lange in Führung liegenden Schweizer Simon Ehammer (8468) ab. „München wird ab jetzt einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen haben“, sagt Kaul.

    Die nächste Sensation im Olympiastadion schaffte Gina Lückenkemper: Mit 10,99 Sekunden siegte die Sprint-Athletin über 100 Meter, das Zielfoto entschied gegen die Schweizerin Mujinga Kambundji. Bei so viel überraschender Siegesstimmung zitieren wir den Drogeriemarkt-Gründer Götz Werner: „Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe.“

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag voller Zuversicht.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Morning Briefing: Alexa

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