Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der britische Premierminister Boris Johnson ist immer wieder für eine Überraschung gut. Gestern Abend schlug er Neuwahlen für den 12. Dezember vor. Johnsons Plan ist keinesfalls ein Himmelfahrtskommando, sondern kühle Politik. Mit Blick auf die aktuellen Umfragen könnten die konservativen Tories ihre Macht im Parlament deutlich ausbauen. Abstimmungsniederlagen könnten für den schwer gebeutelten Premier der Vergangenheit angehören. Der Brexit könnte zum Faktum werden. Johnson hätte dann sein wichtigstes Versprechen eingelöst. Mehr kann man von einem Politiker nicht erwarten.

AFP

Mario Draghi verabschiedet sich Ende des Monats als EZB-Präsident.

Mit solchen Machtfragen muss sich Mario Draghi nicht mehr beschäftigen. Er verabschiedet sich Ende des Monats als EZB-Präsident. An der expansiven Geldpolitik hat er auf seiner letzten Sitzung im EZB-Rat nichts mehr geändert. Der Leitzins bleibt bei Null Prozent.

Dass die Inflationsrate mit der umstrittenen Medizin, vor allem den Käufen von Staatsanleihen, nicht nachhaltig gestiegen ist, bringt Draghi auch zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit nicht zum Nachdenken: „Wir haben damit sehr positive Erfahrungen gesammelt, das hat die Wirtschaft angeregt und Arbeitsplätze geschaffen. Wir sind damit auf dem richtigen Weg.“ Seine Botschaft lautet vielmehr: „Gib niemals auf!“ – Sätze für das Geschichtsbuch.

Ifo-Präsident Clemens Fuest widerspricht dem scheidenden EZB-Präsidenten: „Die EZB versucht, mit der Brechstange die Inflationsrate anzuheben. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Käufe die Inflationsentwicklung spürbar beeinflussen.“ Die Anleihekäufe verstärkten allerdings die Verzerrungen an den Kapitalmärkten.

Zur Bilanz von Mario Draghi sagt Fuest: „Er hat die EZB durch schwierige Zeiten geführt und dabei Durchsetzungsstärke gezeigt.“ Die Erwartungen an Nachfolgerin Christine Lagarde – dass sie die Europäische Zentralbank zur normalen Geldpolitik zurückführt – sind hoch.

In diesem Jahr mussten schon einige Dax-Chefs vorzeitig den Posten räumen. Unter anderem Harald Krüger bei BMW und Guido Kerkhoff bei ThyssenKrupp. Nun hat es auch Henkel-Boss Hans Van Bylen erwischt. Wegen schwacher Zahlen – im August musste die Prognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert werden – hört Van Bylen Ende des Jahres auf. Nachfolger soll Finanzchef Carsten Knobel werden, wie Henkel gestern Abend mitteilte. Die neue Ungeduld in den Aufsichtsräten hat einen bitteren Beigeschmack: Die Chefposten in den Dax-Konzernen werden zu Schleudersitzen.

Ein Manager mit gesundem Selbstbewusstsein ist Ralph Hamers, Chef der niederländischen Großbank ING. Das Thema Nachhaltigkeit treibt der Banker mutig voran. „Haben wir den Eindruck, dass einzelne Kunden keine Nachhaltigkeitsfortschritte machen, können wir die Kundenbeziehungen beenden.“ Kredite nur bei positiven Klimabeiträgen – so deutlich hat bisher kaum ein Banker öffentlich ein Umdenken bei den Unternehmen angemahnt: Prädikat vorbildlich.

Die Autoindustrie will beim Wandel zur Elektro-Mobilität keine Zeit verlieren. Vom Spitzentreffen Anfang November mit Kanzlerin Angela Merkel erwartet die Branche einen echten Durchbruch. „Meine Erwartung ist, dass man erste Beschlüsse treffen kann und muss“, sagte Daimler-Chef Ola Källenius auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel im Stuttgarter Porsche-Museum. Auch VW-Vorstand Stefan Sommer und Verbandspräsident Bernhard Mattes mahnten die Politik zu weitreichenden Entscheidungen. Der Druck der Industrie kommt nicht von ungefähr: Die Transformation der Autoindustrie gelingt nur im Schulterschluss mit der Politik.

Getty Images, Miles and More [M]

Programme wie Miles & More der Lufthansa sind für die Airlines zum Millionengeschäft geworden.

Auf der Jagd nach dem begehrten Vielfliegerstatus lassen sich viele Passagiere zu unnötigen Flügen oder teuren Upgrades verleiten. Programme wie Miles & More der Lufthansa sind für die Airlines zum Millionengeschäft geworden – und werden für viele Kunden zur Sucht. Meine Kollegen Jens Koenen und Christian Wermke haben in der aktuellen Titelgeschichte „Inside Miles & More das System der Meilenprogramme durchleuchtet. Pflichtlektüre für alle professionellen Vielflieger.

Und dann ist da noch Bill McDermott. Im exklusiven Handelsblatt-Interview erklärt der scheidende SAP-Chef seine Gründe für den Wechsel zum vergleichsweise kleinen US-Unternehmen Service Now. „Service Now wächst schnell und hat ebenfalls ein riesiges Potenzial, mehr Länder und Branchen zu erschließen. Es ist auf dem Weg, Tausende Jobs in aller Welt zu schaffen.“ McDermott hat SAP in zehn Jahren zum wertvollsten Dax-Konzern geformt. Die Deutschland-AG verliert mit ihm einen der talentiertesten Vorstandschefs. Was in Erinnerung bleibt, sind nicht nur gute Zahlen, sondern McDermotts Homage an unser Land: „Ich liebe und bewundere Deutschland.“

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende. Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Morning Briefing: Alexa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×