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03.05.2019

06:00

EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker blickt sorgenvoll auf die anstehende Europa-Wahl. AFP

Jean Claude Juncker

EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker blickt sorgenvoll auf die anstehende Europa-Wahl.

Morning Briefing

Juncker unterstützt Weidmann

Von: Sven Afhüppe

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Jean-Claude Juncker liebt seine Heimat Luxemburg, ist leidenschaftlicher Europäer und hat eine besondere Zuneigung zu Deutschland. Es ist bekannt, dass der EU-Kommissionspräsident ein inniges Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel pflegt. Überraschend ist, dass er sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann als neuen EZB-Präsidenten vorstellen kann. Weidmann sei „als überzeugter Europäer und erfahrener Zentralbanker“ für das Amt „geeignet“, sagte Juncker im Interview mit dem Handelsblatt. Die Botschaft hört nicht nur Jens Weidmann gerne – auch die Sparer in Europa, die auf eine Normalisierung der Geldpolitik mit positiven Zinsen hoffen.

EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker blickt sorgenvoll auf die anstehende Europa-Wahl. AFP

Jean Claude Juncker

EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker blickt sorgenvoll auf die anstehende Europa-Wahl.

Ansonsten blickt der EU-Präsident reichlich sorgenvoll auf die anstehende Europa-Wahl. Für den Aufstieg antieuropäischer Populisten sieht Juncker nicht nur die nationalen Regierungen in der Pflicht. Das Kernproblem sei vielmehr, dass „die Europäer sich nicht mehr lieben.“ Die „kollektive Libido“ sei abhanden gekommen. Junckers eindringliche Mahnung: „Die pro-europäischen Kräfte müssen zusammenhalten.“ Hoffentlich erkennen Europas Wähler den Ernst der Lage.

Was sich in Europa ändern muss, darüber haben sich 30 kluge Frauen und Männer der Wirtschaft Gedanken gemacht. Das Ergebnis haben Handelsblatt-Politikchef Thomas Sigmund und ich mit Unterstützung von United Europe in dem Buch „Europa kann es besser“ zusammengefasst. Für die Buchvorstellung am kommenden Montagvormittag in Berlin konnten wir die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gewinnen. Die Veranstaltung ist ausgebucht, aber drei Karten konnte ich zurücklegen – das Los entscheidet. Wer in Berlin dabei sein möchte, schickt eine E-Mail an [email protected].

Die Visionen von Elon Musk haben die Finanzmärkte lange verzaubert. Doch seit Jahresanfang ist die Tesla-Aktie um 30 Prozent eingebrochen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen zu oft auseinander. Musks Plan, die angespannte Kapitaldecke um zwei Milliarden Dollar aufzubessern, haben die Anleger nun begeistert begrüßt. Doch das Kernproblem des US-Pioniers bleibt: Bei Tesla schmilzt das Kapital immer noch wie Eis in der Sonne.

Ganz anders Volkswagen: Der Wolfsburger Autokonzern überraschte gestern mit einem Konzernumsatz von 60 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 3,9 Milliarden Euro – trotz Dieselkrise und schwacher China-Konjunktur. Entsprechend begeistert reagierte die Börse gestern auf die überraschend guten Zahlen. Volkswagen steckt zwar mitten in der Transformation, ist ansonsten aber quicklebendig.
Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wird derweil von der Vergangenheit eingeholt. Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR bietet die Staatsanwaltschaft Braunschweig vier Kronzeugen auf, um Winterkorn wegen Betrug, Untreue und unlauterem Wettbewerb zu überführen. Die Zeugen gegen den früheren VW-Boss sind zwar selbst Beschuldigte, doch die Situation wird für Winterkorn zunehmend ungemütlich. Ephraim Kishon kommt einem in den Sinn: „Als Angeklagter kann man freigesprochen werden. Als Zeuge auf keinen Fall.“

Amazon Alexa [M]

Ein Team von Handelsblatt-Redakteuren hat über mehrere Wochen recherchiert, wo und wie uns die großen Daten-Konzerne Amazon, Google und Apple ausspionieren.

Plötzlich ploppt auf Jochen Adlers Display ein Fenster von Apples Kartendienst auf. „In 38 Minuten bei Dr. Mierzwa, psychologischer Psychotherapeut, dichter Verkehr“, steht da. Adler sitzt in seinem Auto und ist fassungslos. Bis auf seine Frau weiß eigentlich niemand, dass der 43-Jährige jeden Dienstagabend bei Alexander Mierzwa seine Seele aufräumt. Eigentlich. Denn offenbar weiß es nun auch Apple. Mit diesen Sätzen beginnt unsere heutige Titelgeschichte „Spionage 4.0“. Über mehrere Wochen hat ein Team von Handelsblatt-Redakteuren recherchiert, wo und wie uns die großen Daten-Konzerne Amazon, Google und Apple ausspionieren. Das Ergebnis ist erschreckend: Immer öfter werden zufällig ausgewählte Gespräche in anonymisierter Form von Mitarbeitern ausgewertet. Die Agenten der Neuzeit sehen – wie die smarte Sprachbox Alexa – harmlos aus, sind aber in Wirklichkeit die Anfänge eines gefährlichen Überwachungskapitalismus.

Und dann ist da noch Kevin Kühnert. Für seine Gedankenspiele, große Konzerne wie den Autobauer BMW in Kollektiveigentum zu überführen, Gewinne zu vergemeinschaften und den Besitz von Wohnungseigentum drastisch zu beschneiden, hat der Juso-Chef heftige Kritik geerntet. Michael Frenzel, Präsident des SPD-Wirtschaftsforums, fordert sogar einen Parteiausschluss. Die SPD-Spitze wäre gut beraten, diesem Rat zu folgen. Das Modell der Sozialen Marktwirtschaft ist vielleicht reparaturbedürftig, aber nicht verhandelbar.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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