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11.01.2019

06:00

Reuters

Friedrich Merz: Vom Mitbewerber um den CDU-Vorsitz zum parteipolitischen Berater.

Morning Briefing

Krise! Welche Krise?

Von: Sven Afhüppe

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,


Ludwig Erhards Bestseller „Wohlstand für alle“ hat auch über 70 Jahre nach der Erstausgabe nicht an Aktualität verloren. Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat das nicht vergessen. Im Interview mit dem Handelsblatt tritt er der Krisen-Rhetorik von Vizekanzler Scholz kraftvoll entgegen: „Wir sollten den Standort Deutschland nicht schlechtreden: Er genießt weltweit eine enorme Reputation, die Stimmung vor Ort bei der Wirtschaft ist gut, viele Auftragsbücher sind voll. Deutschland steht nicht am Beginn einer Rezession.“ Pflichtlektüre für alle Optimisten.

Apropos Scholz: Die Woche ist für den Bundesfinanzminister nicht wirklich gut gelaufen. Erst hagelte es nach seiner überraschenden Selbstinszenierung als potenzieller Kanzlerkandidat heftige Kritik aus der SPD. Nun torpedierte die Unionsfraktion seinen Plan für eine Reform der Grundsteuer. Der Gesetzentwurf sei ungerecht und kompliziert. Zum Jahresende läuft die Frist des Bundesverfassungsgerichts aus. Für Scholz heißt das: nachsitzen und nachbessern.

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Friedrich Merz: Vom Mitbewerber um den CDU-Vorsitz zum parteipolitischen Berater.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz haben eine Lösung gefunden, wie der Wirtschaftsexperte in die Partei eingebunden werden kann. Merz soll Mitglied der Kommission zur Sozialen Marktwirtschaft werden und am neuen Grundsatzprogramm der CDU mitwirken. Vom Mitbewerber um den Parteivorsitz, der eben noch seine Minister-Ambitionen öffentlich machte, zum parteipolitischen Berater: Für Merz muss das ärgerlich sein, für die CDU ist es eine vertane Chance.

US-Präsident Donald Trump fliegt nicht zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos. Per Twitter sagte er die „sehr wichtige Reise“ ab. Als Grund nannte er die Unnachgiebigkeit der Demokraten beim Thema Grenzsicherheit. Der Haushaltsstreit zwischen Republikanern und Demokraten legt die US-Regierung seit Wochen lahm. Die Demokraten für die Absage der Davos-Reise verantwortlich zu machen, ist perfide. Allerdings wusste schon der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower: „Die Jagd nach dem Sündenbock ist die einfachste.“  

Industriespionage, Dumpingpreise, Technologietransfer: Die Vorbehalte gegen China sind mindestens so groß wie die ökonomischen Chancen in dem Land. Der Industrieverband BDI hat jetzt eine härtere Gangart gegen die Volksrepublik gefordert. Zu Recht. China ist längst vom Partner zum Rivalen aufgestiegen, der mit aller Macht seine nationalen Interessen verfolgt. Deutschland und Europa brauchen einen selbstbewussteren Auftritt gegenüber China. Der Satz von Kurt Tucholsky sollte eine Warnung sein: „Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.“

Die Antwort des amerikanischen Autokonzerns Ford auf die Millionenverluste in Europa ist hart: Unprofitable Fahrzeugmodelle sollen aus dem Programm genommen und tausende Arbeitsplätze gestrichen werden – wahrscheinlich auch in Deutschland. Ein Hoffnungsschimmer ist die geplante Allianz zwischen Volkswagen und Ford in den Bereichen Nutzfahrzeuge, Elektromobilität und autonomes Fahren, die beide Konzerne in der nächsten Woche bekannt geben wollen. In der Autoindustrie hat angesichts der großen Herausforderungen ein Umdenken stattgefunden: Von Konkurrenz zu Kooperation.

Hier baut Tesla das Herzstück für die Autos der Zukunft Smetek

Tesla: Der Elektroautobauer gewährt einen Blick ins sein Allerheiligstes.

Elon Musk elektrisiert die Auto-Welt wie kein anderer Manager. Über Teslas Erfolgsgeheimnis ist allerdings nur wenig bekannt. Jetzt hat der Elektropionier Handelsblatt-Redakteurin Britta Weddeling (und wenigen anderen Journalisten) Zugang zum Allerheiligsten von Tesla verschafft – der Gigafabrik im US-Bundesstaat Nevada. Dort lässt Musk die Batterien für seine Elektro-Flotte produzieren. „Die Gigafactory ist das New York der Fabriken: Wer verweilt, steht im Weg. Alles ist in Bewegung, auch die Fabrik selbst“, schreibt meine Kollegin Weddeling in unserer heutigen Titelgeschichte „Inside Tesla“. Elon Musk ist noch nicht am Ziel seiner Träume, aber er lebt seinen Traum.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames und inspirierendes Wochenende.

Herzliche Grüße, Ihr

Sven Afhüppe
Chefredakteur


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