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02.10.2019

06:00

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

morgen ist Tag der Deutschen Einheit. In die Besinnlichkeit über Mauerfall und DM-Glück platzt die Nachricht, dass die Arbeitszeiten in der Metallbranche wohl noch länger sehr unterschiedlich bleiben. Der Osten arbeitet drei Stunden länger als der Westen mit seiner 35-Stunden-Woche. Nach Gesprächen über 18 Monate hinweg konnten sich Arbeitgeber und IG Metall am Ende nicht einigen – und sind stattdessen in die Tonlage mittelschwerer Beschuldigungen ausgewichen. Die Mehrarbeit der Ost-Kräfte entspricht immerhin einem Monatsgehalt, was die produktiven Arbeitnehmer in den sächsischen Autofabriken von VW, BMW und Porsche oder an den Ost-Standorten von Daimler oder Siemens weiter verärgern dürfte.

dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn wollte die regional abgeschotteten Allgemeinen Ortskrankenkassen für den bundesweiten Wettbewerb öffnen.

Auf seinem Weg nach ganz oben war Jens Spahn (CDU) kein Hindernis zu hoch. So wollte er die regional abgeschotteten Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) für den bundesweiten Wettbewerb öffnen, ein kühner Plan. Doch nun haben die 16 Bundesländer Spahns Ideen im „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ einstimmig abgewiesen, auch Koalitionspartner SPD ist auf Zinne. Die „Frankfurter Allgemeine“ berichtet, dass Spahn nächste Woche einen überarbeiteten Entwurf ins Kabinett bringen wird, die Öffnung der AOK sei gestrichen. Nun heißt das Ganze ein wenig monströser „Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz“. Der Finanzausgleich zwischen den Kassen, die Aufsicht und das Insolvenzrecht sollen nun für mehr Konkurrenz und Dynamik sorgen.

Er war konservativ und nationalliberal, ein Lobbyist der Industrie, der in der Weimarer Republik als Außenminister die Annäherung Deutschlands an Frankreich und Europa betrieb: Gustav Stresemann (1878-1929). Dass eine AfD-nahe Stiftung den Namen ihres Großvaters nutzt, haben die Enkel Christina und Walter Stresemann vor dem Berliner Landgericht verbieten lassen. Ein Missbrauch des Namens durch die AfD habe verhindert werden können, erklärt ihr Anwalt Christian Schertz, es hätte sich andernfalls um eine „postmortale Persönlichkeitsrechtsverletzung“ gehandelt. Dem postmortalen Persönlichkeitsandenken genügt, den Friedensnobelpreisträger zu zitieren: „Man kämpft nicht nur mit dem Schwert, sondern auch mit dem Herzen.“

Die nächsten Tage werden zeigen, über was mehr geredet wird: Über Chinas macht- und militärbewusste Feier zum 70. Geburtstag, Panzer und Atomsprengköpfe inklusive – oder über die gewaltsamen Proteste in der Sonderverwaltungszone Hongkong, bei denen ein Polizist einen 18-Jährigen anschoss. Sein Zustand sei „kritisch“, so eine Polizeisprecherin. 6000 Ordnungskräfte waren für mehr als 100.000 Protestierer im Einsatz, die sich eines Demonstrationsverbots widersetzt hatten. Die 70-Jahre-Feierlichkeiten in Hongkong fanden übrigens in einer abgeriegelten Messehalle statt. Staatspräsident Xi Jinping hinterließ eine Grußbotschaft an alle: „Keine Macht kann China aufhalten.“

Ein CEO lebt von Ankündigungen, die er hält, was mit Vertragsverlängerung belohnt wird. Bei Frank Appel, CEO von Deutsche Post DHL, ist es alles andere als sicher, ob das für 2020 anvisierte Betriebsergebnis von fünf Milliarden Euro eintritt. Der 58-Jährige sagt uns nun, er habe noch nicht entschieden, ob er über Vertragsende Oktober 2022 hinaus bleibt. Bis dahin ist es, erstens, weit hin. Und das regelt, zweitens, noch immer der Aufsichtsrat. Der wird sich anschauen, wie es mit der Digitalisierung läuft, in die Longtime-CEO Appel zwei Milliarden steckt. Wenn man davon ausgeht, dass hier ein Abgang intoniert wird, fände sich als Ersatz Tim Scharwath: Er saniert das geschundene Speditionsgeschäft.

Die Vierjahres-Sperre für den US-Lauftrainer Alberto Salazar bringt auch den weltgrößten Sportkonzern Nike in Verruf. Nicht nur, dass die Amerikaner dessen Aktivitäten, etwa das Camp „Oregon“, mit hohen Geldbeträgen unterstützten – nein, sie hatten offenbar auch Ahnung von dubiosen Taten. So habe Salazar Top-Manager von Nike, darunter CEO Mark Parker, über seine Experimente informiert, durch den Einsatz von Medikamenten und Mitteln die Leistung der Athleten zu steigern. Das zeigen E-Mails im Besitz der US-Anti-Doping-Agentur. Salazar und der von Nike gesponserte Arzt Jeffrey S. Brown wurden wegen Verstößen gegen Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt.

dpa

Von der Überwachung des Bankers Iqbal Khan soll der CEO der Schweizer Großbank nichts gewusst haben.

Über die Verhältnisse an der Spitze von Credit Suisse wird noch einige Zeit geredet werden. Jetzt mussten zwei hochkalibrige Manager vom Hof schleichen wie erwischte Hühnerdiebe: Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouée und Sicherheitschef Remo Boccali. Die beiden hatten die Überwachung von Iqbal Khan, Chef der Vermögensverwaltung, durch eine Detektei angeordnet – angeblich ohne Wissen von CEO Tidjane Thiam, dem Intimfeind Khans, der nun bei UBS angeheuert hat. Verwaltungsratschef Urs Rohner entschuldigte sich bei Familie Khan und äußerte sein Bedauern über den Selbstmord eines in die Affäre verwickelten Sicherheitsexperten: Er hatte im Auftrag der Bank als Mittelsmann die Spionagearbeit gegen Khan in die Wege geleitet. Diese Affäre brachte zerstörtes Vertrauen, kaputte Karrieren, einen geschädigten Firmenruf – und einen Toten.

Mark Zuckerberg leidet unter dem „Karl V.-Syndrom“. Das sind Leute, die vor allem in einer Vorstellung leben: „In meinem Reich geht die Sonne nie unter.“ Intern hat er nun – aus dem Bewusstsein einer Großmacht heraus – mit den Plänen der US-Senatorin und Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren abgerechnet, sein Imperium Facebook zu zerschlagen. Seine Seite würde einen Rechtsstreit gewinnen. Wenn jemand „etwas so Existentielles“ androhe, werde man das bekämpfen, wütete „The Zuck“ . Warren entgegnete, sie wolle ein „kaputtes System“ reparieren, das illegale wettbewerbsfeindliche Aktivitäten durchgehen und auf der Privatsphäre von Nutzern herumtrampeln lasse. Ihr Plan ist simpel: Instagram und WhatsApp sollten wieder von Facebook getrennt werden.

Und dann sind da noch Prinz Harry und seine Frau Meghan, Herzogin von Sussex, die den Kampf mit der britischen Boulevardpresse aufnehmen, für die das Wort „nasty“ noch eine Schmeichelei wäre. Der Streit gipfelt in Meghans Klage gegen die „Mail on Sunday“, die ihren handgeschriebenen Brief an ihren Vater veröffentlicht hat. Zuvor hatte ihr Mann angekündigt, er könne nicht länger stummer Zeuge ihres privaten Leidens aufgrund von Pressekampagnen sein. Er verglich die Stories über Meghan mit der Berichterstattung über seine Mutter, Lady Diana – die 1997 bei einem Autounfall in Paris, gejagt von Paparazzi, ums Leben kam. Harry: „Ich verlor meine Mutter und nun sehe ich, wie meine Frau zum Opfer der gleichen mächtigen Kräfte wird.“

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag, der für die Stars des FC Bayern München schon mal mit Komplimenten für ihr 7:2 in London gegen Tottenham startet. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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