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23.04.2019

06:00

Reuters

Beerdigung von Anschlagsopfern

Morning Briefing

Notstand auf Sri Lanka

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Terror rückt eine Ferieninsel im Indischen Ozean in die Mitte der Welt, die gerade bei Deutschen zuletzt sehr beliebt geworden ist: Sri Lanka. Es zeigt sich dabei, dass indische und amerikanische Geheimdienste exakt vor den Oster-Anschlägen gewarnt hatten, die – mit christlichen Kirchen und Luxushotels als Hauptzielen – zu 290 Toten und mehr als 500 Verletzten geführt haben. Unter Verdacht steht eine islamistische Gruppe, die Hilfe aus dem Ausland erhalten haben soll. Nun könnten leicht, wie in der Vergangenheit, Ressentiments aus der buddhistischen Mehrheit gegen einheimische Muslime ausbrechen. Der Notstand ist ausgerufen, und irgendwann wird sich auch die Volksrepublik China melden. Sie besitzt alle strategisch wichtigen Einheiten (Häfen, Autobahn, künstliche Insel vor Colombo).

dpa

Bei der Aufsichtsratssitzung wird es heute auch um den Sparplan von CEO Herbert Diess für die Kernmarke Volkswagen gehen.

Diess & das in Wolfsburg: Eine schwierige Tagesordnung arbeiten heute die VW-Aufsichtsräte ab. Da geht es zum Beispiel erstmals um den Sparplan von CEO Herbert Diess für die Kernmarke Volkswagen (7000 Jobs sollen entfallen). Kontrolleur Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, das zweitgrößter Aktionär nach den Familien Porsche und Piëch ist, vermisst Informationen. Betriebsratschef Bernd Osterloh moniert Verzögerungen beim Start neuer Auto-Modelle. Zudem ringen die Aufsichtsräte um Konzepte, wie auf die Dieselgate-Anklageerhebung gegen Ex-CEO Martin Winterkorn zu reagieren sei, dem sie einst einen Persilschein in schönstem Blütenweiß ausgestellt hatten. Und schließlich legen interne Papiere, die uns vorliegen, den Verdacht nahe, dass die Konzerntochter Audi bei den Abgaswerten in Südkorea trickste und die Revision das Ganze vertuschte.

Größere Parteispenden umgibt stets der Hautgout, hier könne Einfluss auf Politik genommen werden. Der jüngste AfD-Skandal um Zuwendungen aus der Schweiz hat das Thema weiter umwölkt. In diese Gemengelage platzt die Mitteilung des Daimler-Konzerns, der Vorstand habe entschieden, den Parteien 2019 kein Geld zu spenden. 2018 waren noch 320.000 Euro geflossen, je 100.000 an CDU und SPD, je 40.000 an FDP, CSU und Grüne. Man setze den Schwerpunkt „bei Projekten aus Bildung, Naturschutz, Wissenschaft, Kunst und Kultur“. Die Diskussion ist eröffnet, was der schwäbische Landsmann und CDU-Politiker Thomas Bareiß als Einladung für den Rundumschlag verstand, die Spenden-Null sei „letztendlich verantwortungslos, Demokratie gefährdend, dumm“. Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, rät Jean-Paul Sartre, die Auswahl ist schließlich groß genug.

Die Großinvestoren Warren Buffett und Jorge Paulo Lemann greifen beim Ketchup-Hersteller Kraft Heinz durch: Auf der CEO-Position macht Bernardo Hees Platz für Miguel Patricio, der bisher in Lemanns Bierimperium AB InBev gewirkt hat. Vom Chef des Milka-Herstellers Mondelez könnte der Neue lernen, dass das extreme Kürzen der Kosten die Markenartikler zuletzt arg geschädigt habe, „deshalb steuern alle um, auch wir“. Das sagt Dirk van de Put im Handelsblatt-Gespräch. Dumm nur, dass die Verbraucher mehr Auswahl schätzen, auch online. „Die Tage einer großen Marke, die alles abdeckt, sind vorbei“, kondoliert der Mann von Mondelez.

Die deutsche Fintech-Branche haben die genossenschaftliche DZ-Bank und die Deutsche Bank einst geadelt, als sie sich mit 25 Prozent beziehungsweise 12,5 Prozent am Hamburger Start-up TrustBills beteiligten. Offenbar aber gab es Krach über den künftigen Kurs mit Gründer und Geschäftsführer Jörg Hörster, woraufhin die beiden Banken nicht mehr bereit gewesen sein sollen, die GmbH weiter zu finanzieren. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ stellte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Bielefeld Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das operative Geschäft sei nicht betroffen, heißt es – die Rolle der beiden Banken aus Frankfurt aber schon.

Zwölf Punkte für Brüssel hat Manfred Weber (CSU) ersonnen, zwölf Punkte, die den konservativen Spitzenkandidaten ins Amt des EU-Kommissionspräsidenten tragen sollen. Heute stellt Weber seine Goodies beim Auftakt zur Europawahlkampagne in Athen vor – und will etwa für ein globales Verbot von Einweg-Kunststoffen kämpfen. „Wir werden nicht zulassen, dass sich unser Planet in die größte Müllhalde des Universums verwandelt“, heißt es in seinem Programm. Außerdem sinnt der Christsoziale auf Entbürokratisierung der EU (tausend Gesetze will er abschaffen), eine neue Steuer für Digitalkonzerne (von der joblos gewordene Fabrikarbeiter profitieren sollen) und fünf Millionen neue Jobs für Jugendliche. Klingt ein bisschen nach dem großen Wunschkonzert des NDR mit Schlagern und Kuscheldecken für jedermann.

Reuters

Aktivistin Greta Thunberg befürwortet einen Generalstreik für die Klimarettung.

Mal sehen, was der unermüdliche Manfred Weber zur neuesten Idee der 16-jährigen Aktivistin Greta Thunberg aus Schweden sagt. Sie befürwortet einen Generalstreik für die Klimarettung, erklärte sie bei einem öffentlichen Event in London. Die von ihr inspirierte Schüler-Bewegung bräuchte mehr Unterstützung von älteren Generationen, damit die Politik ihr anlässlich des Pariser Klimaschutzabkommens gegebenes Versprechen auch einlöse. Die Schadstoffemissionen stiegen aber weiter, klagt Thunberg, grundsätzlich habe sich nichts geändert: „Wir können uns nicht mit kleinen Dingen begnügen.“ Mit Jean Paul wissen wir, wie dem Geiste nichts zu groß ist, so ist der Güte nichts zu klein.

Und dann ist da noch der neue ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, 41, ein Jurist und Schauspieler, der von der TV-Rolle des Geschichtslehrers Holoborodko in der Serie „Diener des Volks“ enorm profitiert. Holoborodko steigt laut Skript zum Präsidenten auf und eint am Ende seine Heimat. In der Realität wählte das Volk den bisher regierenden Schokoladen-Oligarchen Petro Poroschenko ab und erwartet nun vom neuen Diener des Volks (Votum: 73,2 Prozent) Erfolge im Kampf gegen Korruption. Selenski könnte bei Ihor Kolomojski beginnen, dessen Sender seine Shows ausstrahlten: Schon warnt die EU davor, dass der Oligarch seine Privat Bank zurückerhält, nachdem ein Gericht die zwischenzeitliche Verstaatlichung für ungültig erklärt hat. Das alles kam in der Fernsehserie allerdings nicht vor.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Nach-Osterwoche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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