Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

26.11.2022

08:30

Sebastian Matthes

Morning Briefing Plus – Die Woche

Signale der Entspannung: Der Wochenrückblick des Chefredakteurs

Von: Sebastian Matthes

Die Stimmung ist schlechter als die Lage. Denn es gibt viele gute Nachrichten: So sanken etwa die Erzeugerpreise erstmals wieder und die deutsche Wirtschaft ist sogar gewachsen.

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wir befinden uns in einer interessanten Situation. Eben noch beherrschten die Untergangsszenarien die Schlagzeilen. Auf einmal nun mehren sich die Signale der Entspannung. „Die Stimmung ist schlechter als die Lage”, bringen meine Kollegen vom Handelsblatt Research Institute die Lage auf den Punkt. In ihrer Analyse beschreiben sie, wie der private Konsum derzeit die Konjunktur antreibt. Aber das ist nicht das einzige positive Signal.

In den vergangenen zwei Jahren waren die Preise, die Produzenten für Vorprodukte wie Rohstoffe und Industrieerzeugnisse zahlen mussten, immer weiter gestiegen. Bis jetzt. Im Oktober sind die Erzeugerpreise erstmals seit Mai 2020 wieder gesunken, und zwar um 4,2 Prozent gegenüber September.

Grafik

„Der überraschend starke Rückgang der Erzeugerpreise könnte ein Vorbote sein, dass wir den Höhepunkt der Inflation überschritten haben“, sagt der Düsseldorfer Ökonom Jens Südekum.

Und so hellt sich auch die Stimmung in den Unternehmen wieder auf, wie der ifo Geschäftsklimaindex gegen Ende der Woche zeigte, der überraschend kräftig von 84,5 Punkten im Vormonat auf 86,3 Zähler zulegte. Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest ein klares Signal: „Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen als viele erwartet haben.

Darauf deutet auch die immer noch niedrige Arbeitslosenquote in den meisten Euro-Ländern. Viele Firmen stellen weiter ein – und finden für viele Positionen immer noch nicht das richtige Personal.

Weitere gute Nachrichten kommen von hoher See: Reeder klagen über dramatische Überkapazitäten – und die Kosten für den Transport von Containern befinden sich im freien Fall. Für die Reeder selbst ist das natürlich weniger schön, sie haben in den vergangenen Monaten zu viele neue Schiffe in Betrieb genommen, die sie jetzt nicht auslasten können. Für Händler und Produzenten aber bedeutet das: Weniger Lieferprobleme und sinkende Transportkosten, was sich wiederum auf die Preise auswirken wird.

Grafik

Gestern dann noch die positive Nachricht vom Statistischen Bundesamt: Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen. Das klingt nach wenig, ist aber vergleichsweise viel. Denn in fast allen Prognosen wurde mit einem Rückgang gerechnet.

Natürlich bleibt die Lage für viele Unternehmen schwierig. Insbesondere die hohen Energiepreise belasten die Industrie. Doch eine wachsende Zahl von Firmen stellt sich auf die neue Situation ein: 72 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben zuletzt in grüne Energieträger investiert oder planen kurzfristig solche Ausgaben, berichtet unser Unternehmensressort. Damit wollen sie natürlich ihre dramatisch gestiegenen Energiekosten drücken, gleichzeitig modernisieren sie auf diesem Weg aber auch ihre Anlagen. Und vielleicht ist sie das ja, die lange beschworene grüne Revolution in der Industrie. 

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1: Die Kritik war laut: Die deutsche Wirtschaft sei zu abhängig von einzelnen Rohstofflieferanten. Die Bundesregierung kümmere sich zu wenig um Nachschub. Auch das Handelsblatt hatte so immer wieder argumentiert. Diese Kritik ist bei Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck offenbar angekommen. Unser Berliner Büro berichtete diese Woche exklusiv, dass der Minister weitreichende Maßnahmen plant, um die deutsche Wirtschaft unabhängiger von Rohstoffen aus dem Ausland zu machen. Habeck will unter anderem Stresstests und Berichtspflichten für Unternehmen einführen, Kreislaufwirtschafts-Quoten vorgeben und einen neuen Fonds für Finanzhilfen aufsetzen.

Habeck will deutsche Unternehmen unabhängiger von Rohstoffen aus dem Ausland machen. Imago Images

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne)

Habeck will deutsche Unternehmen unabhängiger von Rohstoffen aus dem Ausland machen.

2: Was macht eigentlich die CEOs von Morgen aus? Welche Top-Führungskräfte haben das Potenzial, die Wirtschaft über alle Branchen hinweg zu prägen? Wen haben die größten Headhunter ganz oben auf dem Zettel? Diesen Fragen sind Handelsblatt-Autorinnen und -Autoren rund um Claudia Panster und Tanja Kewes nachgegangen – und haben eine wirklich beeindruckende Liste spannender Persönlichkeiten zusammengestellt.

3: Flucht aus Peking: China verzeichnet so viele Corona-Infektionen wie noch nie seit Beginn der Pandemie. In der Wirtschaft wächst daher die Sorge vor neuen Lockdowns mit schweren Auswirkungen – auch für die Weltwirtschaft. Unsere China-Korrespondentin Sabine Gusbeth floh in dieser Woche schon zwei Mal vor einem Lockdown, erst aus ihrer Wohnanlage und dann, am Tag ihres Rückflugs nach Deutschland, aus dem Pekinger Handelsblatt-Büro. Zuvor hatten Seuchenschutzmitarbeiter in weißen Ganzkörperanzügen den Eingang eines Nachbargebäudes abgeriegelt. Binnen Minuten verließ sie das Gelände und fuhr zum Peking Capital International Airport, von wo sie uns aus dem fast menschenleeren Terminal noch die letzten Artikel über die aktuelle Lage in China schickte.

4: Es ist eine der heißesten Fragen dieser Tage: Wie stark werden die Immobilienpreise noch fallen? Immobilienreporter Julian Trauthig hat sich quer durch die Branche telefoniert – und viele spannende Zahlen, Grafiken und Einschätzungen eingeholt. Wer sich für Trends auf dem Immobilienmarkt interessiert, sollte dieses Stück lesen. Interessanterweise fallen übrigens derzeit die Bauzinsen wieder.

5: Gerade in Zeiten steigender Preise greifen viele Verbraucher zu Eigenmarken. Kein Wunder, dass die Nachfrage boomt. Was Konsumenten allerdings überraschen dürfte: Für viele Hersteller lohnt sich das Geschäft trotz der steigenden Nachfrage nicht mehr, immer mehr verschwinden vom Markt. Sie werden zum Opfer ihres eigenen Erfolgs.

Auch die Preise von No-Name-Produkten sind gestiegen. IMAGO/Manfred Segerer

Produkte der Handelsmarke von Rewe

Auch die Preise von No-Name-Produkten sind gestiegen.

6: Natürlich haben die beiden Reporter Roman Tyborski und Michael Verfürden auch diese Woche wieder News vom großen Datenleck bei Continental: Während der Datenklau nun auch zu einem Fall für das FBI wird, gerät die Konzernspitze zunehmend in Erklärungsnot. Der Cyberangriff auf Conti fand laut unseren Recherchen noch deutlich früher statt als bislang gedacht: Vier Wochen lang merkte der Konzern davon offenbar nichts.

7: Im internationalen Vergleich fällt Deutschland mit besonders niedrigen Unternehmensbewertungen auf. Daraus ergeben sich lukrative Chancen. Welche das genau sind, analysiert unser Aktienanalyst Ulf Sommer.

8: Diese Woche hatte ich in meinem Podcast Handelsblatt Disrupt Volker Wissing zu Gast, den Bundesminister für Digitales – und Verkehr. Auf der Handelsblatt-Veranstaltung „Digitale Daseinsvorsorge“ sprachen wir in Berlin über Wissings digitale Ideen, seinen fast schon tollkühnen Plan, Straßen, Schienen und Brücken künftig doppelt so schnell zu bauen, die Hindernisse bei der Verkehrswende – über die Frage, ob er sich nicht zu viel vorgenommen hat als Digital- und Verkehrsminister – und in welchen Situationen er seinen alten Nebenjob als Kirchenorganist vermisst. Ach ja, und sein Familienweingut ist natürlich auch noch Thema.

Leseempfehlungen für den Winter finden Sie auf der Liste der besten Sachbücher des Jahres.

Adventszeit: Die dunkle Jahreszeit eignet sich besonders für ein gutes Buch.

Leseempfehlungen für den Winter finden Sie auf der Liste der besten Sachbücher des Jahres.

9: Ich sage es ganz ehrlich: Ich freue mich schon auf die Zeit zwischen den Jahren. Auf lange Abende und gute Bücher – auch von dieser Liste, für die Kolleginnen und Kollegen des Handelsblatts die besten Sachbücher des Jahres vorstellen. Aber die Liste ist noch lange nicht fertig. Deshalb meine Frage: Welche Bücher haben Sie dieses Jahr am meisten beeindruckt? Schreiben Sie mir an [email protected]

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst
Ihr
Sebastian Matthes
Chefredakteur Handelsblatt

Das Morning Briefing plus können Sie im Rahmen Ihres Handelsblatt-Digitalabonnements kostenfrei erhalten oder hier separat abonnieren.

Morning Briefing: Alexa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×