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06.08.2022

08:23

Digitalchefin Charlotte Haunhorst

Morning Briefing Plus – Die Woche

Wen trifft das Ende des Wohlstands? – Der Wochenrückblick aus der Chefredaktion

Von: Charlotte Haunhorst

PremiumMit der gerade beschlossenen Gasumlage werden sich die Energiekosten für manche signifikant erhöhen. Und die sind nur ein Faktor für den drohenden Wohlstandsverlust.

Düsseldorf Guten Tag liebe Leserinnen und Leser,

jeden Freitag diskutieren wir im Handelsblatt über potenzielle Titelgeschichten. Das läuft meistens sehr strukturiert und effizient ab – was daran liegen könnte, dass auch Journalistinnen und Journalisten freitags froh sind, wenn sie ins Wochenende gehen dürfen. In dieser Woche brachte ein Kollege allerdings ein Thema auf, das wir lange diskutiert haben: Die Frage, wen der drohende Wohlstandsverlust in Deutschland wirklich treffen wird und welche Antworten der Staat darauf hat.

Mit der diese Woche vom Kabinett beschlossenen Gasumlage werden sich die jährlichen Energiekosten für einen vierköpfigen Haushalt um bis zu 1000 Euro erhöhen – Geld, das sich nicht durch eine nun eventuell doch erfolgende Verlängerung des Neun-Euro-Tickets wieder reinholen lässt. Dabei sind steigende Gaspreise nur ein Kostenpunkt.

Auch wenn Olaf Scholz vor einigen Tagen mit dem ikonischen Satz „You’ll never walk alone“ ankündigte, der Staat werde niemanden im Stich lassen, gibt es bei der Umsetzung doch noch einige Fragezeichen. Mein Kollege Julian Olk forderte deshalb vergangene Woche in seinem Leitartikel: „Sagt endlich, wen es wie stark treffen soll“ und zeigte drei Optionen auf, wie der Staat nun vorgehen könnte.

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    Olks Fazit: Wer entlasten will, sollte das gezielt tun. Vielleicht muss man in solchen Momenten auch mal selbstkritisch sagen: Menschen wie ich, die in einer vorbildlich isolierten Neubauwohnung mit Solartherme auf dem Dach und ausschließlich Energie-Effizienz-A-Geräten wohnen, haben diese Entlastung nicht so nötig wie andere.

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    Als Teil einer Familie, in der das Kind die Sprachassistentin Alexa bereits als viertes Familienmitglied anerkennt, hat mich diese Woche auch unsere Wochenend-Titelgeschichte sehr angesprochen. In „Grenzen des Gigantismus“ haben unsere US-Korrespondenten in Zusammenarbeit mit dem Unternehmens-Ressort die Entwicklungen bei Amazon beleuchtet, seit Andy Jassy den Konzern vor einem Jahr von Jeff Bezos als Chef übernahm. Ihre Bilanz: „Höchste Zeit, das Produkt zu ändern, ohne den Supermarkt einzureißen.“

    Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

    1: Für Konflikte sorgte diese Woche Nancy Pelosis Taiwan-Besuch. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses besuchte am frühen Mittwochmorgen europäischer Zeit gegen den Willen von Präsident Joe Biden das taiwanische Parlament und traf sich mit Präsidentin Tsai Ing-wen. China, das Taiwan als eigenes Staatsgebiet reklamiert, kritisierte den Besuch scharf und startete ein großes Militärmanöver vor der Insel, inklusive Schießübungen. Darüber hinaus wurden am Freitag von China Sanktionen gegen Pelosi angekündigt sowie der Abbruch mehrerer derzeit laufender Gespräche mit den Vereinigten Staaten. Welche Auswirkungen der Konflikt auf die Weltwirtschaft haben könnte, hat mein Kollege Anis Mičijević in einer sehr hörenswerten Folge mit unserer gerade aus China zurückgekommenen Korrespondentin Dana Heide im Today Podcast besprochen.

    2: Das Rätselraten um den Verbleib der Gasturbine SGT-A65 hat seit dieser Woche ein Ende. Sie ist in Mülheim an der Ruhr bei Siemens Energy wieder aufgetaucht – und Bundeskanzler Olaf Scholz gleich mit dazu. Wir erinnern uns: Die Turbine war zur routinemäßigen Wartung nach Kanada transportiert worden, seitdem gibt es Streit um ihre Wiedereinfuhr und durch Nord Stream 1 strömen nur noch 20 Prozent der vereinbarten Erdgas-Mengen. Unsere Energie-Expertin Kathrin Witsch war beim Auftritt von Olaf Scholz in Mülheim an der Ruhr vor Ort.

    3: Deutschland ist erheblich reicher, als die offiziellen Statistiken zeigen. Und das war nur eine große Erkenntnis einer neuen Studie der Humboldt-Universität, des Forschungsinstituts DIW und der Universität Bonn. Unter anderem hatten die Ökonominnen und Ökonomen auch untersucht, wie der Reichtum in Deutschland mittlerweile geografisch verteilt ist und welchen Anteil des Gesamtvermögens die reichsten ein Prozent halten.

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    4: Zalando ändert seine Strategie. Zwischenzeitig war der Mode-Versandhändler einer der großen Profiteure der Corona-Pandemie. Nach einem Verlust im ersten und einem Mini-Gewinn im zweiten Quartal kündigt Zalando Chef Robert Gentz im Handelsblatt-Interview mit Anja Müller und Florian Kolf an, dass das Unternehmen zukünftig stärker auf Profitabilität als auf Wachstum setzen wolle. Erster Schritt dazu: Die Einführung eines Mindestbestellwertes.

    5: Die Lufthansa einigt sich mit dem Bodenpersonal, aber die Piloten-Problematik bleibt. Kaum ein Thema wurde in den vergangenen Wochen derart leidenschaftlich diskutiert, wie das Chaos an den deutschen Flughäfen. Als dann zur Haupt-Urlaubszeit auch noch Streiks bei der Lufthansa dazu kamen, war es für viele Reisende mit der Toleranz vorbei. Am Donnerstagabend verkündigte die Gewerkschaft Verdi nun zumindest eine Einigung bei den Verhandlungen mit dem Bodenpersonal, die den Beschäftigen in der Niedriglohngruppe 20 Prozent mehr Geld verspricht. Nun fordert die Pilotenvereinigung Cockpit mehr Geld. Tatsächlich zeigen Recherchen der Kollegen Lazar Backovic und Jens Koenen, wie massiv die Gehälter beispielsweise bei Eurowings- und Lufthansa-Piloten auseinanderliegen.

    dpa

    Lufthansa-Cockpit eines A320: Die Piloten der Konzernmutter haben viele Sondervorteile.

    6: Betriebsräte dürfen nach ihrer Wahl keine bessere Bezahlung erhalten als zuvor. Dieser Richterspruch dürfte noch für einige Konflikte sorgen. In der nun bekanntgewordenen erweiterten Urteilsbegründung um den ehemaligen VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh setzte das Landgericht Braunschweig sehr enge Grenzen für Entlohnung von Betriebsräten. Osterloh hätte demnach statt 750.000 Euro nur knapp 50.000 Euro erhalten dürfen. Das überrascht auch, weil in dem Prozess im September 2021 vier VW-Manager freigesprochen wurden, die für Osterlohs Gehalt verantwortlich waren. Die Begründung: Die Manager hätten nicht vorsätzlich gehandelt.

    8: Bis zu 70 Prozent Home Office für Commerzbank-Mitarbeitende. Das war diese Woche zumindest eine gute Nachricht aus der Bank, in der zur Zeit 10.000 Stellen abgebaut werden. Eine vorherige Quote hatte 50 Prozent mobiles Arbeiten festgelegt – zur Unzufriedenheit der Beschäftigten. Diese Entscheidung wurde nun revidiert. Die meisten deutschen Banken haben sich inzwischen auf eine Mischung aus Büroarbeit und Homeoffice verständigt, gehen dabei allerdings nicht so weit wie die Commerzbank.

    Französische Kampfjets im Formationsflug.

    9: Frankreich hat die mächtigste Armee der EU. In unserer aktuellen Serie „Verteidigung“ beschäftigen wir uns mit der Frage, was Deutschland von anderen Ländern in puncto Verteidigung lernen kann. Diese Woche berichtet Korrespondent Gregor Waschinski aus Frankreich: Kein europäisches Land investiert mehr in Forschung und Entwicklung im Rüstungsbereich als Frankreich, im Jahr 2020 waren es 1,3 Milliarden Euro. Ein Großteil der militärischen Innovationen komme aus dem privaten Sektor. Unterstützt werden die Unternehmen und Start-ups aber gezielt vom Staat – und Macron will die Mittel weiter erhöhen.

    Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende,

    Ihre,

    Charlotte Haunhorst

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