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29.05.2019

06:00

ARCHIV - 17.08.2007, Dänemark, Ilulissat: Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin, sitzt auf Steinen vor dem Eqi Gletscher. (zu dpa «Die «Klimakanzlerin» kämpft um ihren Ruf») Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ dpa

Angela Merkel vor dem Eqi Gletscher

ARCHIV - 17.08.2007, Dänemark, Ilulissat: Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin, sitzt auf Steinen vor dem Eqi Gletscher. (zu dpa «Die «Klimakanzlerin» kämpft um ihren Ruf») Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Morning Briefing

Rückkehr der Klimakanzlerin

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

ganz so, als habe sie seit 2005 mit der Regierung in Berlin nicht viel zu tun gehabt, kündigte Kanzlerin Angela Merkel gestern auf CNN an, die CDU müsse auf Fragen des Klimaschutzes „noch bessere Antworten finden“ – und sagen, „dass wir uns den Zielen, die wir uns selbst gesetzt haben, auch verpflichtet fühlen.“ Klingt wie eine Ermahnung an sich selbst und an das „Klimakabinett“, das heute zum zweiten Mal tagt. Bisher hat die Regierung nicht erklärt, wie 2019 rechtlich gesichert werden soll, dass Deutschland die Klimaschutzziele 2030 wirklich schafft. Von einem „neuen Generationenvertrag“, den Christoph Bals von Germanwatch fordert, ist jedenfalls nichts zu sehen.

Reuters

„Demokratie lebt von Kommunikation.“

Auch wenn CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer an ihrer politischen Zirkusnummer festhält, die Union habe am Europa-Sonntag ihre zwei Wahlziele erreicht, macht sich doch Unruhe breit. So ist das Verhältnis zu Merkel selbst offenbar bereits „on the rocks“, was auch mit AKK-Äußerungen zusammenhängt, notfalls müssten die Grenzen geschlossen werden. Und intern provoziert Kramp-Karrenbauers amateurhafter Vorstoß gegen „Meinungsmache“ im Netz reichlich Widerstand. „Demokratie lebt von Kommunikation“, sagt uns Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), YouTube biete viel Potenzial, Jugend für Politik zu interessieren. Und das Grundgesetz schütze die Meinungsfreiheit in allen Medien, erläutert CDU-Vize Armin Laschet vielsagend.

Das alles ist kostenloser Nachhilfeunterricht für eine versetzungsgefährdete Politikerin, die sich so etwaige Kanzlerinnen-Pläne abschminken kann. AKK gehört zu einer Kategorie von Personen, die lieber einen Stehplatz in der ersten Klasse hat als einen Sitzplatz in der dritten (Kurt Tucholsky).

Ansehen will Dara Khosrowshahi nach einigen Skandalen ganz schnell in Deutschland mehren – und dafür bemüht der Chef des Mobilitätsdienstleisters Uber auch ein Sprichwort: „Vertrauen verliert man im Galopp, aber man muss es zu Fuß zurückgewinnen.“ So bringt sich der Amerikaner zu Fuß in die deutsche Verkehrsdebatte ein und fordert gesetzliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Scootern, Leihrädern, Carsharing-Angeboten und Sammeltaxis. Letztlich gehe es darum, den Individualverkehr zu reduzieren, erklärt er im großen Handelsblatt-Gespräch. Uber will zudem mit der Google-Schwester Waymo kooperieren, von Städten aus in den ländlichen Raum expandieren und irgendwann profitabel sein. Hier wird der CEO zum Orakel: „Nicht in den nächsten ein oder zwei Jahren, aber es wird kommen.“

In wenigen Tagen, am 4. Juni, jährt sich das Massaker auf dem Tiananmen Platz zum 30. Mal. Ein Ereignis, das die chinesische Regierung komplett aus dem Geschichtsbuch wegretuschiert hat. Die Erinnerung daran hat jedoch Jiang Lin, 66, nie Ruhe gelassen – sie war einst als Leutnant der Volksbefreiungsarmee mit dabei. Nun erzählt sie erstmals von den Ereignissen damals, den Tötungen der protestierenden Studenten und den Protesten von Offizieren gegen die Befehle von oben. Und von ihrem Gram darüber, dass Generationen kommunistischer Parteiführer nie Gewissensbisse gezeigt hätten. Augenzeugen von damals müssten sich äußern, das sei „eine Pflicht gegenüber den Toten, den Überlebenden und den Kindern der Zukunft“, erklärte sie der „New York Times“. Peking-Kenner wissen: Artikel dieser Art schmerzen die Regierung mehr als wüsteste Drohungen im Handelskrieg. Jiang Lin hat nach dem Interview das Land verlassen.

Dem Wesen von Zalando, dieser zum Imperium gewordenen Start-up-Bude aus Berlin, gingen Miriam Schröder und Thomas Tuma im vorigen Jahr im „Handelsblatt Magazin“ nach. Für den Report werden sie mit dem Herbert Quandt Medien-Preis ausgezeichnet. Die Begründung der Jury führt „große Recherchetiefe“ und „fesselnde Sprache“ an, sowie „erhellende Einblicke in die datengetriebene Funktionsweise des Plattformunternehmens“. Der Quandt-Preis geht zudem an „Capital“ für das Stück „Operation Wüstenstrom“, die Arte/WDR-Koproduktion „Im Schatten der Netzwelt“ und den „WirtschaftsWoche“-Report „Kauft das jemand, oder kann das weg?“

AFP

Steve Angel streicht für 2018 rund 56 Millionen Euro Gehalt ein.

Zum Darwinismus im modernen Weltkapitalismus gehört das gelegentliche Staunen über unvorstellbar hohe Geldbeträge. Zweifelhaftes Bewundern und Wundern zieht Steve Angel an, CEO des nach einer Fusion gewachsenen Linde-Konzerns. Der Mann streicht für 2018 rund 56 Millionen Euro Gehalt ein, klares Zeichen dafür, wie sehr der deutsche Traditionsbetrieb Linde in US-Dimensionen hineingewachsen ist. Stattliche Summen besitzt auch MacKenzie Bezos, 49, bis vor kurzem Frau des Amazon-Gründers Jeff Bezos. Nach der Scheidung hat sie nun knapp 37 Milliarden Dollar Vermögen. Einen Großteil davon will sie über die Initiative „The Giving Pledge“ spenden.

Wann sind Kooperationen zwischen Firmen sinnvoll? Welche Chancen gibt es, welche Hürden sind zu beachten? Das sind zentrale Fragen des diesjährigen Dialogs zur „Hall of Fame der Familienunternehmen“. Es diskutieren unter anderem KPMG-Vorstandsfrau Vera-Carina Elter, Philipp Möller, Geschäftsführer der Horst-Baumarkt-Kette, und Judith Dada vom Venture-Capital-Unternehmen La Famiglia. Wenn Sie am 13. Juni in Hamburg mit dabei sein wollen, schreiben Sie mir bitte: [email protected]. Eine Handvoll Karten habe ich zurückgelegt.

Und dann ist da noch der Wasserfilter-Unternehmer Markus Hankammer („Brita“), der auf den Spuren seines verstorbenen Vaters am Standort Wiesbaden Profi-Fußball fördert. Der SV Wehen Wiesbaden hat es dabei tatsächlich in die Zweite Bundesliga geschafft, womit kaum einer gerechnet hat. Dabei haben die Hessen mit Ingolstadt nun sogar einen Klub bezwungen, der schon Erstligist war und zudem zum VW-Imperium gehört. Als gebürtiger Wiesbadener ist dieser Aufstieg natürlich eine lokalpolitische Offenbarung. Und eine gute Geschichte ist es auch noch.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag mit besonderen Grüßen an die Väter unter uns, die am Feiertag ihren großen Auftritt haben werden.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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