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02.12.2022

06:19

Morning Briefing

Welche deutsche Firmen noch in Russland tätig sind

Von: Christian Rickens

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

frei nach Leo Tolstoi gilt: „Alle erfolgreichen Unternehmen ähneln einander.“ Ihre Produkte und Marken sind weltbekannt, ihre Umsätze und Gewinne steigen. Sie sind nicht hoch verschuldet, und ihr Geschäftsmodell ist zukunftsträchtig.

Das Problem für Investoren: Normalerweise sind solche Top-Unternehmen an der Börse entsprechend teuer und die Chancen auf weitere Kurssteigerungen begrenzt.

Doch dank des Kursrutsches im laufenden Jahr gibt es einige Qualitätsaktien derzeit überraschend günstig zu kaufen. Unser Aktienexperte Ulf Sommer und die Numbercruncher vom Handelsblatt Research Institute haben weltweit zehn solcher Stars zum Schnäppchenpreis herausgefiltert.

Ein Beispiel für eine solche Lieblingsaktie ist Home Depot. Die weltweit größte Baumarktkette überzeugt in allen Kategorien: zehn Jahre mit durchgehenden Umsatz-, Gewinn- und Dividendensteigerungen. Dazu moderat verschuldet, ein weltweit bekannter Name und derzeit niedriger als im langjährigen Mittel bewertet.

Geldanlage-Reporter Markus Hinterberger hat sich für unseren Freitagstitel zusätzlich angeschaut, auf welche Aktien bekannte Investmentprofis derzeit in ihrem Portfolio setzen von Bert Flossbach bis Warren Buffett. Besonders interessant: Nur zwei Top-Positionen bei den Profis finden sich auch unter den zehn Handelsblatt-Lieblingsaktien wieder, nämlich Amazon und die Google-Holding Alphabet.

Grafik

Auch mehr als neun Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich längst nicht alle deutschen Unternehmen aus Russland zurückgezogen. Weiterhin aktiv sind viele Medizintechnikfirmen, die darauf verweisen, dass ihr Rückzug Leben kosten würde. Doch nicht alle Engagements lassen sich so einfach rechtfertigen. Drei Beispiele:

  • Das Modeunternehmen New Yorker eröffnete noch im April – zwei Monate nach Kriegsbeginn in der Ukraine – eine neue Filiale in Moskau. Weder auf Anfrage des Handelsblatts noch anderer Medien äußerte sich das Unternehmen bisher dazu. Insgesamt gibt es laut Homepage des Unternehmens 87 New-Yorker-Filialen in Russland, von denen fünf vorübergehend geschlossen sind.
  • Auch Storck verkauft seine Süßigkeiten weiterhin in Russland und beantwortet dazu keine Fragen.
  • Die Einzelhandelskette Globus erwirtschaftet mit Lebensmittelmärkten in Russland nach eigenen aktuellen Angaben rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Unternehmen habe beschlossen, Investitionen in die eigenen Märkte vor Ort „drastisch zu reduzieren“ und neue Expansionsprojekte „vollständig zu stoppen“. Das bestehende Geschäft läuft aber weiter.

In Bezug aufs Russland-Geschäft lässt sich auch der zweite Teil von Leo Tolstois berühmtem Einstiegssatz aus „Anna Karenina“ abwandeln: „Jedes unglücklich agierende Unternehmen agiert unglücklich auf seine Weise.“

Zwei persönliche Treffen, Salutschüsse, ein pompöses Bankett: US-Präsident Joe Biden hofiert seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron bei dessen Staatsbesuch nach allen Regeln der diplomatischen Verführungskunst.

Das kann man protokollarisch damit begründen, dass Macron nun einmal ein echter Präsident ist, so wie Biden selbst – und nicht nur ein schnöder Regierungschef wie Bundeskanzler Olaf Scholz. Im Weißen Haus weiß man aber auch genau, dass Europas Regierungschefs wie eifersüchtige Geschwisterkinder genau mitzählen, wer die meisten Liebesgesten vom Übervater in Washington erhält. Nach Ansicht des Handelsblatt-Meinungschefs Jens Münchrath enthält der große Bahnhof für Macron eine eindeutige politische Botschaft:

„Die US-Regierung hält den Staatspräsidenten Frankreichs für den wichtigsten Repräsentanten Europas – und nicht etwa den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz.“

AP

US-Präsident Joe Biden und seine Frau Jill laden zum Staatsempfang im Weißen Haus. Zu Gast: Emmanuel und Brigitte Macron.

Es ist vor allem Frankreich, das im Subventionsstreit um den Inflation Reduction Act zum europäischen Gegenschlag aufruft. Bei einem eskalierenden Handelskonflikt hätte Frankreich viel weniger zu verlieren als die Bundesrepublik. Die USA sind das größte Zielland deutscher Exporte. Aus Berlin kommen entsprechend vorsichtige Töne.

Der US-Präsident sprach das Thema bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Macron direkt an: „Wir hatten eine detaillierte Diskussion über den Inflation Reduction Act. Ich weiß, dass Sie alle daran interessiert sind“, sagte Biden. Die beiden hätten sich auf „praktische Schritte“ geeinigt, damit die Länder zu einer Lösung kommen, erklärte der Präsident, ohne konkreter zu werden.

Und dann ist da natürlich noch der gestrige Fußballabend. Für alle, die früh schlafen gegangen sind: Deutschland hat Costa Rica mit 4:2 besiegt. Deutschland ist aber dennoch in der Vorrunde aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden, weil im parallelen Spiel Japan überraschend Spanien mit 2:1 geschlagen hat.

Bei der anschließenden Aufarbeitung des deutschen Debakels durch Beteiligte und Experten konnte man besichtigen, wie sehr die moderne Fußballsprache in unerfreulichen Momenten dem Managementjargon gleicht: Da wurde die „geringe Effizienz“ des deutschen Spiels beklagt, die „fehlende Führungspersönlichkeit“ auf dem Platz und die insgesamt „mangelnde Qualität“. Ganz so, als lege da ein Sanierungsberater seinen Turnaround-Plan für eine runtergerockte Staubsaugerfabrik vor.

IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Trotz des Siegs gegen Costa Rica scheidet die National Elf in der Vorrunde aus.

Bundestrainer Hansi Flick, Nationalmannschafts-Geschäftsführer Oliver Bierhoff und Kapitän Manuel Neuer stellten kurz nach Abpfiff klar, dass sie weitermachen wollen.

Mannschaftsveteran Thomas Müller hingegen hörte sich bei seinem Dank an die Fans nicht so an, als rechne er damit, noch einmal das Trikot der Nationalmannschaft zu tragen: „Ich habe in jedem Spiel versucht, mein Herz auf dem Platz zu lassen. Allen Einsatz geliefert. Manchmal gab es einen neuen Trend durch meine Aktionen, manchmal hatten auch die Zuschauer Schmerzen im Gesicht, weil Aktionen nicht gelungen sind. Ich habe es mit Liebe getan. Da könnt ihr euch sicher sein. Und alles Weitere muss ich erst mal sehen.“

Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem auch Sie es mit Liebe tun.

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende

Ihr

Christian Rickens

Textchef Handelsblatt

Morning Briefing: Alexa

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