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24.06.2019

06:06

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Beziehung zwischen der Wirtschaft und den Grünen war über Jahrzehnte von Vorurteilen und Unverständnis geprägt. Doch nach den jüngsten Wahlerfolgen suchen die Topmanager der Republik auffällig intensiv den Kontakt zur Führung der Öko-Partei. Robert Habeck trifft sich mit VW-Chef Herbert Diess, BASF-Boss Martin Brudermüller engagiert sich im Wirtschaftsbeirat der Grünen und Motorsägenhersteller Nikolas Stihl ist voll des Lobes über die neue Aufsteigerpartei: „Grüne in Regierungsverantwortung erkennen schnell, dass grüne Ziele nur mit einer starken Wirtschaft umgesetzt werden können.“ Noch ist die Annäherung eher zaghaft. Aber wie sagte schon George Washington: „Wahre Freundschaft ist eine sehr langsam wachsende Pflanze.“

Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock kann der neuen Liaison viel abgewinnen. „Mit ökologischer Kompetenz kann man wirtschaftlicher Vorreiter sein und mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben“, sagte Baerbock dem Handelsblatt. Und in der Tat: Eine Analyse des Grünen-Programms durch meine Kollegen zeigt, dass die Schnittmengen zwischen Parteizielen und Unternehmensstrategien größer sind als erwartet. Die Ergebnisse lesen Sie hier.

Magnus Kaminiarz & Cie. Architektur / AFP/ Getty Images [M]

Viele deutsche Großstädter fürchten, sich ihr angestammtes Viertel bald nicht mehr leisten zu können.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Wohnen kürzlich zur „Existenzfrage“ in Deutschland erklärt – und damit nicht übertrieben. Der Immobilienboom läuft in seinem zehnten Jahr, ein Ende ist nicht in Sicht. Die Niedrigzinsen treiben Anleger weiter zu Immobilienkäufen und die Preise für Wohneigentum in extreme Höhen. Mit dem aktuellen Titel „Deutschlands Trendviertel“ startet das Handelsblatt eine umfassende Studie über die Orte, in denen sich der Immobilienkauf noch lohnt. Denn nach den jüngsten Ankündigungen der EZB werden die Zinsen in Europa noch einige Zeit ausgeschaltet bleiben. Eine der vielen Nebenwirkungen von Mario Draghis lockerer Geldpolitik.

Die kommissarische SPD-Co-Chefin Malu Dreyer kündigt im Handelsblatt-Interview an, den Wohnungsbau stärker zu fördern und ungenutzte Baugrundstücke mit höheren Abgaben belegen zu wollen. „Wenn die öffentliche Hand Grundstücke verkauft, soll eine Baupflicht im Kaufvertrag festgeschrieben werden“, sagte Dreyer. Den Vorschlag ihres Parteifreunds Kevin Kühnert, große Wohnungsbaugesellschaften zu enteignen, lehnte die SPD-Politikerin als ungeeignet ab. Die Vernunft hat in der SPD doch noch eine Stimme.

Statt über die Niederungen der Innenpolitik hat Kanzlerin Angela Merkel auf der Konferenz „Morals & Machines“ in der Dresdner Frauenkirche mit Ada-Gründungsverlegerin Miriam Meckel über die digitale Zukunft diskutiert. Beim Thema Künstliche Intelligenz zog Merkel eine rote Linie: „Der Mensch muss immer die Oberhand behalten und im Zentrum der Überlegungen stehen“, sagte Merkel. Insbesondere im Bereich KI müsse man sich fragen: „Tun wir etwas, weil es richtig ist oder nur, weil es möglich ist?“ Gut wäre es, wenn Angela Merkel wenigstens einen Teil der Zukunftsthemen noch in der Gegenwart bearbeiten würde.

Geht es nach Sigmar Gabriel sollte sich Angela Merkel demnächst um das Schicksal Europas kümmern. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt empfiehlt der ehemalige SPD-Außenminister die Bundeskanzlerin als neue Präsidentin des Europäischen Rats. „Politisch befinden wir Europäer uns mitten in einem Wettbewerb zwischen den liberalen Demokratien und den autoritären Angeboten auf der Welt. Um diesen Wettbewerb zu bestehen, muss Europa seine Besten aufbieten. Angela Merkel ist die Beste für diese Aufgabe.“

So viel Lob vom politischen Gegner ist ungewöhnlich, aber in diesem Fall nicht verdächtig. Wer Sigmar Gabriel kennt, weiß, dass er es ernst meint mit der Zukunft Europas. Und angesichts des unverändert hohen Widerstands gegen Manfred Weber als EU-Kommissionspräsident und Jens Weidmann als EZB-Präsident droht Deutschland bei den europäischen Spitzenjobs leer auszugehen. Eine Kandidatin Angela Merkel wäre nicht nur eine gute Wahl. Den Vorschlag könnte selbst Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nicht verhindern.

AFP

Bei der Urwahl des neuen Parteichefs gilt Johnson als klarer Favorit.

Und dann ist da noch Boris Johnson. In der entscheidenden Abstimmungsrunde holte der Brexit-Wortführer 160 Stimmen der 313 Tory-Abgeordneten. Außenminister Jeremy Hunt kam auf 77 Stimmen, er stimmte beim Referendum vor drei Jahren für einen Verbleib in der EU. Bei der Urwahl des neuen Parteichefs gilt Johnson als klarer Favorit. Er will den Brexit um jeden Preis. Diesen Preis könnte anschließend Großbritannien zahlen – ein ungeordneter EU-Ausstieg hätte schwere Folgen für Wirtschaft und Arbeitsplätze. Warum also Johnson wählen?

Ich wünsche Ihnen ein sonniges und erholsames Wochenende. Herzliche Grüße

Sven Afhüppe
Chefredakteur

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